09.10.2020 - 13:21 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Geplante Photovoltaikanlage in Thurndorf wird im Marktgemeinderat Kirchenthumbach vorgestellt

Vier Grundstückseigentümer gründen in Thurndorf eine Energie-GmbH. Am Fuße des Kütschenraines planen sie einen Solarpark. Bei der Vorstellung im Marktgemeinderat überwiegen die positiven Gesichtspunkte – es gibt aber auch Bedenken.

Unterschiedlich bewerten die Marktgemeinderäte die geplante Freiflächen-Photovoltaikanlage bei Thurndorf. Die Meinungen reichen von einer Abwechslung des Landschaftsbildes bis zu dessen Verschandelung. Die Aufnahme der Kultur- und Naturlandschaft bei Thurndorf entstand auf dem Kalvarienberg.
von Robert DotzauerProfil

Die Potenziale erneuerbarer Energie wollen auch einige Thurndorfer „Feldherren“ nutzen. Das Beispiel des geplanten Solarparks Altzirkendorf ist ansteckend.

Laut Zielsetzung des Bundes soll der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 mit Blick auf die Stromnachfrage, wie zum Beispiel durch die Elektromobilität, auf 65 Prozent des Stromverbrauchs steigen. Diese Entwicklung führt auch in Thurndorf zu einer Photovoltaik-Offensive.

Schlussfolgerung war die Gründung einer „Thurndorf-Energie gmbH & Co. KG“. In deren Auftrag informierte Rechtsanwalt Maximilian Burger für das Landschaftsarchitekturbüro Rembold aus Nabburg den Marktgemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch über die Projektplanung.

Ziel ist ein Solarpark mit circa zehn Hektar Größe mit einer Erzeugerleistung von etwa zehn Megawatt Peak (Mwp), so die Bezeichnung für die Leistung der Solarzellen. Einen Jahresbedarf von 3500 Kilowattstunden (kWh) pro Haushalt vorausgesetzt, soll die Anlage den elektrischen Versorgungsbedarf von zirka 3000 Haushalten decken und jährlich 9600 Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen.

Als besondere Vorteile des Areals entlang der Kreisstraße Kirchenthumbach-Thurndorf nannte Maximilian Burger verbindliche Einspeisezusagen des Bayernwerks, die räumliche Nähe zur Übergabestation bei Obertreinreuth, die den produzierten Strom zum Umspannwerk in Kirchenthumbach weiterleiten soll, und die Gewerbesteuereinnahmen, die zu 100 Prozent in der Marktgemeinde verblieben. Die Vertragsregelungen beinhalten eine Stromproduktion für mindestens 20 Jahre. Da die Anlage erfahrungsgemäß eine längere Betriebsdauer habe, sei der Stromverkauf umso interessanter, betonte der Rechtsanwalt.

Die Solarparkplanung erläutert Rechtsanwalt Maximilian Burger für das Landschaftsarchitekturbüro Rembold aus Nabburg.

Mit Blick auf technische Einzelheiten verwies Burger auf den Einsatz von monokristallinen Hochleistungsmodulen. Das eingesetzte Material entschärfe das Problem einer späteren Rückbau-Problematik. Die Kosten des Rückbaues trage der Anlagenbetreiber.

Der Redner verwies zudem auf das fertige Konzept des naturschutzfachlichen Flächenausgleiches und versicherte umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen mit der Möglichkeit zur Bienenweide und Schafbeweidung. Auch ein Blendschutzgutachten werde in Auftrag gegeben.

Burger drängte auf einen raschen Aufstellungsbeschluss für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan einschließlich einer Änderung des Flächennutzungsplanes im Parallelverfahren. Vor der Tür stehe ein Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG), das die Betreiber von Anlagen künftig zur Teilnahme an Ausschreibungen und Auktionen durch die Bundesnetzagentur verpflichte.

Wer steckt hinter dem Projekt? Das wollte Winfried Sporrer in der Aussprache wissen. Der Rechtsanwalt nannte als Initiatoren ein „Konsortium von Grundstückseigentümern“. Auch eine Beteiligung weiterer Interessenten sei möglich. „Auch die NEW – Neue Energien West kann Kommanditist werden“, erklärte der Vertreter des Planungsbüros. Geplant sei der Verkauf des Stromes an einen Direktvermarkter.

Grundsätzlich positiv äußerte sich dritter Bürgermeister Alexander Schatz. Der Thurndorfer verwies auf die Nähe zur Stromeinspeisung und die naturschutzrechtliche Aufwertung. Auch die Sicht auf die Photovoltaik-Anlage sei im positiven Sinn eingeschränkt. Einen gewissen Vorteil sah Schatz auch in der Abwechslung des Landschaftsbildes und in einem Mehrwert an Nutzung.

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„In der Gemeinde brauchen wir endlich für solche Projekte Rahmenbedinungen“, monierte Jürgen Geyer. Vor einer Entscheidung sollte sich das Ratsgremium ein Bild vom Gelände machen. Diesen Wunsch erhob Geyer zum Antrag.

Winfried Sporrer interessierte die Stimmungslage in der Bevölkerung, da unberührte Landschaft zerstört werde, und Josef Schreglmann wusste: „Bei der Solarpark-Planung in Altzirkendorf gab es viele Einwendungen.“ Deshalb sah er das Projekt wegen der Nachteile für die Landschaftsstruktur eher kritisch.

Dafür gebe es ja die Abwägung, entgegnete der Vertreter des Planungsbüros. Wichtig seien die Ausgleichsmöglichkeiten. Dann erwarte er auch bei den Trägern öffentlicher Belange im Bebauungsplanverfahren keine überzogenen Forderungen.

„Es geht auch um weitere Anfragen, deshalb müssen wir genau hinschauen und prüfen“, forderte Dominik Brütting und empfahl wie auch zweiter Bürgermeister Ewald Plößner und Josef Schreglmann einen Ortstermin. Dieser soll zu ungewöhnlicher Zeit stattfinden: Bürgermeister Jürgen Kürzinger vereinbarte in spontaner Absprache mit dem Gremium eine Besichtigung am morgigen Sonntag, 11. Oktober, um 13.30 Uhr. Treffpunkt ist der Aussichtsturm am Kalvarienberg in Thurndorf.

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