20.08.2019 - 19:40 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Imker Reinhold Ziegler über schlechte Ernte und mangelnde Ausbildung

Gut gefüllte Honigtöpfe warten im Haus von Reinhold Ziegler auf den Verkauf. Dennoch spricht der Kreisvorsitzende des Landesverbands Bayerischer Imker von einer schlechten Saison. Ihm liegt aber noch ein Thema am Herzen.

Reinhold Ziegler (58) aus Kirchenthumbach, Kreisvorsitzender des Landesverbands Bayerischer Imker für den Landkreis Neustadt/WN und die Stadt Weiden, betreibt heuer seit 30 Jahren Imkerei. Die Bienen hat er damals von seinem Vater geerbt, dem er zuvor schon 25 Jahre lang bei der Arbeit mit den Bienen half.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

"Circa ein Drittel des Honigs fehlt dieses Jahr", zieht der 58-Jährige Bilanz. Die neue Saison hat im August begonnen, die vergangene war nicht gut. Knapp dürfte dem Vorsitzenden für den Landkreis Neustadt/WN und die Stadt Weiden zufolge vor allem der heimische Blütenhonig werden: "Manch Imker hat in diesem Jahr gar keinen Blütenhonig. Im April war es sehr warm. Die Bienen konnten den Nektar von Obstbäumen, Löwenzahn und Raps einbringen. Es sah nach einer guten Saison aus. Doch dann kam die Kälte rund um die Eisheiligen." Die Bienenvölker sammelten weniger Nektar und verbrauchten viel Honig als Futter. "Ein Volk braucht im Jahr circa 200 Kilogramm Honig zum Überleben. Dafür muss es 30 bis 50 Kilogramm Blütenpollen ernten", erklärt der Imker. Er lobt daher Landwirte, die Blühstreifen anlegen.

Verzicht auf Honigernte

Laut einer aktuellen Umfrage des Mayener Fachzentrums Bienen und Imkerei in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Imkerbund unter mehr als 2100 Imkern brachte jedes abgeerntete Bienenvolk in der Frühtracht nur 12,5 Kilo Honig ein - ein Drittel weniger als vor einem Jahr. Jeder dritte Imker verzichtete demnach sogar auf die Ernte und ließ den Honig im Bienenstock. Die Oberpfälzer Imker hatten offenbar nicht ganz so viel Pech: 15,3 Kilo Honig brachte jedes Volk hier im Schnitt ein.

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Genaue Angaben zur Gesamternte 2019 gibt es laut Landesverband Bayerischer Imker noch nicht. Er beklagt jedoch starke Eintragungen von Melezitose in die Sommertracht, so dass es auch hier zu Ernteeinbußen gekommen sein könnte. Reinhold Ziegler erklärt: "Melezitose-Honig beinhaltet einen Dreifach-Zucker, der schnell auskristallisiert." Weil er sehr hart ist, ist er beim Schleudern schlecht oder gar nicht aus den Waben zu bekommen. "Er ist auch nicht als Futter zum Überwintern geeignet. Die Bienen verhungern auf dem Honig, weil sie im Winter kein Wasser zum Verdünnen sammeln können."

Ziegler möchte seine Erfahrung weitergeben. Sein Appell an Neulinge: "Geht auf Ausbildungsveranstaltungen." Wenn Bienenvölker sterben, liegt das ihm zufolge weniger an Pestiziden als an "Imkern, die sich nicht richtig kümmern". Damit meint er Imker, die sich größtenteils im Internet informieren oder die Bienen nur für die Bestäubung halten. "Viele kennen sich nicht mit Varroamilben aus", klagt er und provoziert damit bewusst. "Wer die Bienen nur zur Bestäubung halten will, tut gut daran, ein Insektenhotel aufzustellen."

Die Varroamilbe sei die größte Bedrohung für die Bienen, weil sie Krankheiten überträgt. "Ich muss als Imker Bescheid wissen über die Biologie der Bienen, aber auch über die der Varroamilbe." Er plädiert für eine inhaltlich standardisierte Ausbildung mit Abschlussprüfung anstelle von Kursen, die nur wenige Stunden dauern. Ein mit Varroamilben infiziertes Volk sei nicht zuletzt schlecht für den Nachbarn, wegen der Re-Invasion: Bienen eines Nachbarvolkes holen sich Honig aus dem mit Milben verseuchten Stock des sterbenden Volkes und bringen die Milben so mit in den eigenen Stock.

Ohne Chemie

Ziegler selbst setzt bei der Bekämpfung der Milben in Brutvölkern seit sechs Jahren auf eine Methode ohne Chemie, die Brutentnahme. Dabei wird die Brut, auf der die meisten Milben sitzen, zeitlich genau geplant fast vollständig dem Volk entzogen. Die wenige Brut, die verbleibt, wird von den Milben befallen und dann zeitversetzt ebenfalls entzogen. "Dafür muss man aber von beiden Arten die Biologie kennen. Manche Imker scheuen sich davor."

Für allwissend hält er sich trotz klarer Haltung nicht: "Ich mache das seit 30 Jahren und lerne jedes Jahr noch sehr viel dazu." Im kommenden Jahr will er sein Hobby zum Beruf machen. Imker in der Umgebung betrachtet er als Kollegen, nicht Konkurrenz. "Meine Konkurrenz sitzt in China und mischt Sirup in den Honig." Kontroverse Diskussionen unter Imkern kommentiert er so: "Wo drei Imker sind, gibt es vier Meinungen, weil einer seine Meinung während der Diskussion ändert."

Info:

Bayerischer Imkertag in Amberg

Am Sonntag, 15. September, veranstaltet der Landesverband Bayerischer Imker im ACC in Amberg den Bayerischen Imkertag. Beginn ist um 9 Uhr mit einer Andacht, Ende gegen 17 Uhr. Nach Eröffnung und Grußwort folgt die Inthronisation der Bayerischen Honigkönigin und der Honigprinzessin 2019 bis 2021. Vor der Mittagspause hält Gernot Spielvogel einen Vortrag über Auswirkungen des Mobilfunks auf Insekten. Am Nachmittag sprechen Experten über die Schädigungen der Intelligenz von Insekten durch Pestizide, die Artenvielfalt im Kräuter- und Aromagarten sowie den Insektenschwund. Fast 20 Aussteller begleiten den Imkertag.

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