14.10.2019 - 14:16 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Kirchenthumbacher Wahrzeichen ein Baudenkmal

Der alte Kirchenthumbacher Kalkofen zwischen der Bundesstraße 470 und der Mühlbachstraße ist nun ein Baudenkmal. Das hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege entschieden.

Einst gab es in Kirchenthumbach drei Kalköfen, davon steht heute nur noch der rechte. Dieser wurde nun zum Baudenkmal ernannt. Die beiden Öfen links im Bild wurden ebenso wie alle Begleitbauten abgerissen.
von Autor RFÜProfil

Derzeit läuft zudem das formale Benehmensverfahren, ehe der Kalkofen auch in die Denkmalliste aufgenommen wird. Dies teilte Oberkonservator Dr. Christian Dümler dem Kreisheimatpfleger mit. Damit bleibt der Schachtofen, ein sogenannter Rumfordofen, der Nachwelt erhalten. Das Bauwerk ist das Wahrzeichen des Marktes Kirchenthumbach und ist auch in das kunstvoll gestaltete Fenster des Rathaussaales bleiglastechnisch eingearbeitet worden.

Bei dem Kalkofen in der sogenannten Kropfleite handelt es sich nach Beschreibung der Denkmalpfleger um einen zylindrischen Turm auf rundem Grundriss mit außenliegenden Eisenbandarmierungen, der über einer Brennkammer errichtet und mit einem kegelförmigen Aufsatz abgeschlossen ist. Er entstand 1959/60 als dritter Kalkofen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den 1977 abgebrochenen gleichartigen, in den Jahren 1923 und 1941 erbauten Kalköfen. Die Kalkofenanlage liegt an einem ehemaligen als Steinbruch genutzten Steilhang.

Weil die Öfen von oben her mit dem Ausgangsmaterial, ungebranntem Kalkstein, beschickt wurden, befand sich auf dem oberen Plateau eine bis zum Geländeabfall vorgezogene, 1976 abgebaute Feldbahn mit Loren, die von dem etwa einem Kilometer entfernten Steinbruch bei Ernstfeld das Rohmaterial zu den Brennöfen transportierte.

Am unteren Teil der Ofenanlage erfolgte die Verladung des gebrannten Kalks mittels einer weiteren Feldbahn zu den firmeneigenen Kalkmühlen und Kalksilos an der früheren Bahnstrecke Pressath-Kirchenthumbach. Das Unternehmen „Kalk- und Schotterwerk“ wurde 1907 von dem Unternehmer Franz Eckert (1859–1932), der in Kirchenthumbach bereits ein Ziegelwerk unterhielt, und dem Maurermeister Jakob Prüschenk (1885–1940) gegründet. Schon 1910 verpachtete Franz Eckert seinen Firmenanteil samt dem Ziegelwerk für die Dauer von zunächst drei Jahren an Jakob Prüschenk und Josef Wolfbauer aus Pressath. Nachdem letzterer aus dem Pachtvertrag ausgeschieden war, erwarb Jakob Prüschenk den Eckert‘schen Unternehmensanteil.

Neben dem ersten Kalkofen, der auf dem Firmengelände neben dem Ziegelwerk stand und der bis in die 1930er Jahre existiert hatte, errichtete Jakob Prüschenk im Jahr 1923 einen zweiten Kalkofen direkt beim Steinbruch Kropfleite. Unmittelbar neben diesem Ofen ließen die Firmenerben Josef und Ferdinand im Jahre 1941 einen weiteren Kalkofen errichten. Es waren die Jahre der Wirtschaftsblütezeit, in denen das Werk „GP“ (Gebrüder Prüschenk) vergrößert, und als weiteres Erwerbsfeld der Straßenbausektor „Prüschenk Bau GmbH“ entwickelt wurde. Aufgrund des zunehmenden Bedarfs an gebranntem Kalk im Hoch- und Tiefbau wie auch in der Land- und Forstwirtschaft entstand im Jahre 1959/60 ein weiterer Kalkofen. Ob dieser heute noch stehende Ofen jemals produktiv zum Einsatz gekommen sei, bleibt umstritten. Vermutlich wurde dieser bald nach seiner Fertigstellung zu stark beheizt - mit der Folge, dass der innere Zylinder barst und der Ofen dadurch unbrauchbar wurde.

Info:

Kalkbrennen

Das Landesamt für Denkmalpflege informierte auch darüber, dass Kalkstein in seiner kristallinen Struktur Kohlendioxyd enthält, das bei starker Hitze entweicht. Die zurückbleibende Kalkerde bildet in pulverisierter Form zusammen mit Wasser Calciumoxid, das Grundlage für Mörtel, Gips, Zement, Kalkputz und Kalkfarbe ist. In der Landwirtschaft eignet sich Brandkalk als Dünge- und Desinfektionsmittel.

Bei der Produktion, beim Kalkbrennen, kam es im Laufe der Jahrhunderte zwar immer zu Verbesserungen, der entscheidende Schritt zur industriellen Produktion war aber erst mit der kontinuierlichen Befeuerung der Öfen möglich. Die technische Neuerung und die Voraussetzung zur industriellen Brandkalkherstellung geht auf eine Erfindung von Sir Benjamin Thompson Graf Rumford (1753–1814) zurück. Einen ersten Prototypus errichtete Benjamin Thompson Graf Rumford 1798 in München. Während man in München bis weit in das 19. Jahrhundert hinein die von Graf Rumford entwickelte Methode noch nicht industriell nutzte, fand diese im Königreich Preußen unverzüglich Anwendung.

Der Kirchenthumbacher Kalkofen ist nun ein Baudenkmal.
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