16.12.2019 - 13:45 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Eine Pilgernde ist heimgekehrt

Ohne große Worte ehrenamtlich jahrzehntelang alten Menschen im Seniorenheim Eschenbach mit Besuchen, Zuhören und Plaudern eine Freude zu machen, das war ihr eine Selbstverständlichkeit.

Zum Trauergottesdienst für Theres Nagy stehen Pfarrer Dr. Augustin Lobo (rechts) und Ruhestandspfarrer Helmut Süß, ein Verwandter der Verstorbenen, gemeinsam am Altar. Süß hielt auch die Predigt.
von Georg PaulusProfil

Die Familie, Wegegefährten, Gößweinstein-Pilger und eine große Trauergemeinde nahmen in der Pfarrkirche Abschied von Theres Nagy. Das Pilgerbild der Gößweinstein-Wallfahrt fehlte beim Trauergottesdienst ebenso wenig wie das das Lied "Aus der Tiefe zu dir rufen wir bedrängten Kinder dein, wollest unser Vater sein", mit dem die Blaskapelle von "der Theres" Abschied nahm.

Pfarrer Dr. Augustin Lobo und Pfarrer i. R. Helmut Süß zelebrierten den Gottesdienst für die Verstorbene, "eine gute Christin", wie Lobo erklärte. Sie habe sich jeden Monat sehr auf die Krankenkommunion gefreut.

"Wer pilgert, bricht auf. Die Kräfte sind frisch, die Erwartungen groß", sagte Ruhestandspfarrer Helmut Süß in seiner Predigt. Auch im Leben von Theres Nagy sei das so gewesen. 1936 geboren, mit 11 Geschwistern aufgewachsen, 1972 die Heirat mit Laszlo Nagy, Bau eines Eigenheimes, skizzierte er Lebensstationen.

"Dann zeigte sich, dass der Pilgerweg des Lebens nicht nur schöne Seiten hat." Als der Gatte schwer erkrankte, pflegte Theres Nagy ihn. 1990 ist er gestorben. Zuwendung zu anderen sei ihre besondere Gabe gewesen, betonte Süß. "Fünf Tage die Woche jeden Nachmittag bei alten Menschen sein, war vielen kostbare Erfahrung."

Woher habe Theres Nagy die Kraft dafür genommen? "Niemand kann immer nur geben, er muss auch nehmen und auftanken", machte der Prediger deutlich. "Für Theres war der Gottesdienst die Tankstelle für ihren Pilgerweg. Pilgern heißt glaubend unterwegs, sich auf Gottes Liebe einlassen und weitergeben."

Dass dieser Pilgerweg auch mühsam sein kann, musste Theres Nagy schließlich auch selbst erfahren. Ihre Krankheit hat sie immer mehr ans Haus gebunden. Den Lebensmut habe sie dank der Zuwendung ihrer Angehörigen jedoch nie verloren, merkte Süß an. Noch vergangene Woche war sie in der Kirche, hörte beim Gottesdienst für ihren Schwager die Lesung aus der Offenbarung des Johannes: "Ja, ich komme bald. Amen."

Als Leiter der Gößweinstein-Pilger erinnerte Josef Schreglmann in einem Nachruf an Theres Nagy, die 1947 das erste Mal an der Wallfahrt teilnahm. Insgesamt 42 Mal machte sie sich auf den Weg. "Von 1964 bis 1991 war sie als Nachfolgerin von Julie Koller Wallfahrtsleiterin und Vorbeterin, musste sich im Vorfeld um Organisation, Anmeldung, Funkgeräte, Absicherung, die Musik und den Chor kümmern", blickte Schreglmann zurück.

"1974 stand ihr erstmals ein Lautsprecher zur Verfügung, vorher brauchte sie nach der Wallfahrt lang, bis sich ihre Stimme erholt hatte", merkte der Redner an. "Unser Wallfahrtsbild wird dich, liebe Theres, jetzt auch zum Friedhof begleiten und so deinen letzten indischen Weg bis zum Grab mit dir gehen."

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