10.01.2019 - 09:59 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

In schwerer Zeit ein Baumeister

„Unser Pfarrer is` g`storbn!“ Wie ein Lauffeuer verbreitet sich am 11. Januar 1964 diese Nachricht. Viele wollen es nicht glauben, aber als die Glocke ertönt, ist es Gewissheit: Geistlicher Rat Pfarrer Josef Bollmann lebt nicht mehr.

1942 wurde der gebürtige Erbendorfer Josef Bollmann Pfarrer in Kirchenthumbach, in Würdigung seiner Verdienste wurde ihm von Bischof Michael Buchberger der Titel „Bischöflich Geistlicher Rat“ verliehen, und die Marktgemeinde Kirchenthumbach verlieh ihm die Ehrenbürgerschaft.
von Georg PaulusProfil

55 Jahre sind seit dem Tod des beliebten Seelsorgers vergangen und eine neue Generation ist herangewachsen, doch immer noch erinnern sich viele an „ihren Herrn Geistlichen Rat“. Als Nachfolger von Pfarrer Leonhard Zechmeier, der 1925 die Pfarrei übernommen hatte und im Oktober 1942 verstorben war, hatte nur wenige Wochen später Bischof Dr. Michael Buchberger den Expositus von Klardorf, Josef Bollmann, zum neuen Pfarrer von Kirchenthumbach ernannt. Wie schon sein Vorgänger musste er Schikanen der NSDAP ertragen. Mundtot ließ sich der resolute Pfarrer aber nicht machen. Meine Mutter erzählte von einer Predigt, die Pfarrer Bollmann bei einem Trauergottesdienst gehalten hat. Er nannte den Krieg ein Verbrechen. „Wenn er von mir wos will, soll er kumma, ich kumm net“, sagte er zum Amtsboten, als er zum Ortsgruppenleiter zitiert worden war. Anfang März verhinderte Pfarrer Bollmann bei einem Trauergottesdienst eine Massenpanik, als Tiefflieger über die Pfarrkirche rasten. Das klang drinnen furchtbar, und die Frauen wollten aus der Kirche fliehen. Mit einer Ministrantenglocke an den Altarstufen stehend, dirigierte er die Frauen an die Kirchenwände. „Raus rennt ma` koane“, schrie er. Minuten später war der Spuk vorbei. „Der Pfarrer hat uns gesegnet und heim g´ schickt“, erzählt eine Augenzeugin.

Kaum war der Krieg aus, begann Bollmann sich ungehindert seiner Pfarrarbeit zu widmen, sammelte die jungen Kriegsheimkehrer, aus der Gefangenschaft Entlassene und erweckte den „Katholischen Burschenverein“ wieder, gründete eine Mädchenjugend. Eine große Hilfe in der Pfarrarbeit wurde ihm der im Rheinland ausgebombte Ruhestandsgeistliche Dr. Dr. Karl Adolph, 1946 kam Pater Norbert Ubl aus dem Prämonstratenser- Kloster Tepl als Kaplan dazu. Projekte, die Pfarrer Bollmann in den Jahren 1946/47 gestemmt hat, waren der Leichenhausbau und die Umwandlung des „Pfarrstadels“ in ein Pfarrheim, damals eine Meisterleistung. Tatkräftig unterstützen ihn dabei viele Burschen, die Bauern sorgten für Brotzeiten. Stolz übergab dabei Franz Fritzl, vor dem Krieg Burschenvereinsmitglied, dem Pfarrer die Vereinsfahne, die er im Heu des „Pfarrstadels“ vor den Nazis versteckt hatte. Das Pfarrheim, als Dank an den „Bauherrn“ Pfarrer Josef Bollmann „Josefshaus“ genannt, war fast drei Jahrzehnte lang der kulturelle Mittelpunkt der Pfarrei.

1948 löste Johann Ascherl Pater Ubl als Kaplan ab. Von ihm unterstützt, hat Pfarrer Josef Bollmann den Burschenverein zur Kolpingsfamilie umgestaltet, weil Kolping Jugendlichen und Verheirateten Heimat bietet. Das Kolpingwerk kannte Bollmann aus den Jahren als Kaplan und wurde der Präses der Kolpingsfamilie, die in der Öffentlichkeit mit Theateraufführungen bekannt wurde. Der „Kolpingball“ im Josefshaus war jahrelang der Höhepunkt der Faschingssaison. Obwohl die Gruppen Kolping und „Altkolping“, wie die Gruppe der verheirateten Kolpingmitglieder genannt wurde, immer in seinem Fokus waren, hat Bollmann die Kapläne unterstützt, die sich der Arbeit in den Jugendgruppen widmeten. Außer Pater Norbert Ubl und Johann Ascherl, späterer Nationalkaplan CAJ (Christliche Arbeiterjugend), waren die Kapläne Hubert Maier, Raimund Arnold, Roman Jobst, Richard Hornauer, Willi Schraml und Georg Zinnbauer seine „Lehrbuben“, wie er sie genannt hat. Auch vielen Theologiestudenten aus der Pfarrei, unter ihnen die jetzigen Ruhestandsgeistlichen Georg Braun in Michelfeld und Helmut Süß in Eschenbach, war er ein Freund und Ratgeber.

Bei der Beisetzung von Pfarrer Bollmann am 15. Januar 1964 wurde sein Wirken verdeutlicht. Am Anfang der Liste stand der Kirchenbau in Klardorf, seiner ersten Pfarrei. Mit der Glockenweihe für Kirchenthumbachs Pfarrkirche, Innenrenovierung, dem Deckengemälde über die Aufnahme Mariens in den Himmel, der Außenrenovierung der Pfarrkirche, Dacherneuerung sowie der Innenrenovierung der Bergkirche und Weihe von drei Glocken für die Filialkirche Sassenreuth wurde die Liste der Schaffenskraft von Bollmann für die Pfarrei fortgeführt. Sie setzte sich aber auch in der Marktgemeinde fort. Mit 40 Bauplätzen, die Bollmann zur Verfügung stellte, trug die Pfarrei dazu bei, die Wohnungsnot im Ort einzudämmen. Den letzten öffentlichen Auftritt hatte Pfarrer Bollmann bei der Weihe des neuen Gerätehauses der Feuerwehr Kirchenthumbach an der Görglaser Straße.

Nach der Beisetzung von Pfarrer Geistlichen Rat Josef Bollmann war die Priestergruft von einem Meer an Blumengebinden und Kränzen belagert.
Unser Bild zeigt Kirchenpfleger Michael Paulus bei der Kranzniederlegung an der Priestergruft, dahinter von rechts Bürgermeister Josef Häberl (Sassenreuth), Gemeinderat Josef Prüschenk, dahinter Gemeinderat Martin Dobmann, daneben Pfarrer F. W. Goes von der evangelischen Gemeinde Eschenbach, Bürgermeister Alois Lotter (Kirchenthumbach), Prälat Gereon Motyka (Koster Speinshart), Herbert Schnoy (Katholisches Werkvolk), dahinter Alfons Melchner (rechts) und Hans König, Sargträger der Freiwilligen Feuerwehr.
Freude bereiteten Pfarrer Josef Bollmann beim Eucharistischen Weltkongress 1960 in München zu Priestern Geweihte von der Insel Macao, weil sie ihr erstes Messopfer in der Pfarrkirche in Kirchenthumbach feierten. Das Bild zeigt die Neupriester (hinten von links) sowie Pfarrer Josef Bollmann, Pater Johannes Rauh, Betreuer der Neupriester, und Kaplan Richard Hornauer.
Info:

Das Testament von Geistlichen Rat Pfarrer Josef Bollmann:

„Am Ende meines Lebens kann ich nur mit unendlichem Dank an meinen Herrgott denken, der mir die Gnade des Lebens gegeben und mich armseligen, unwürdigen Menschen zum Priestertum erwählt hat. Ihm sei Lob und Preis dafür in Ewigkeit. Er möge mich auch gnädig beurteilen, wenn nicht alles war, wie es sein hätte sollen. Oft waren die Ver- hältnisse, wie Krankheit, Unbefinden, stärker als der Wille. Ich wünsche daher auch keinerlei Grabreden, denn Gott hat das erste und das letzte Wort. Nur um eines bitte ich, um reichliches Fürbittgebet, vor allem von meinen Pfarrkindern, ich habe sie ja so lieb gehabt und meine größte Freude war es, für sie zu beten und sie zu segnen.“

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.