29.05.2020 - 15:20 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

VG-Räte stürzen Jürgen Kürzinger

Verkehrte Welt in Kirchenthumbach: Bürgermeister Jürgen Kürzinger ist nicht mehr Chef im eigenen Rathaus. Die gemeinsame Verwaltung der VG-Mitgliedsgemeinden leitet nun Vorbachs Bürgermeister Alexander Goller.

Alles neu macht der Mai. Zu einer faustdicken Überraschung kommt es am Donnerstagabend bei der Wahl der Führungsspitze der Verwaltungsgemeinchaft Kirchenthumbach. Anstelle des bisherigen VG-Vorsitzenden und Kirchenthumbacher Bürgermeisters Jürgen Kürzinger wählt die Versammlung den Vorbacher Bürgermeister Alexander Goller (Mitte) zum neuen Vorsitzenden. Neu sind auch die Stellvertreter: An der Seite von Goller "regieren" Kirchenthumbachs zweiter Bürgermeister Ewald Plößner (links) und der Schlammersdorfer Bürgermeister Johannes Schmid (rechts).
von Robert DotzauerProfil

Die faustdicke Überraschung kam am Donnerstagabend schon beim ersten Tagesordnungspunkt der konstituierenden Sitzung der Verbandsversammlung der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Kirchenthumbach in der Turnhalle der Volksschule: Die Wahl des Gemeinschaftsvorsitzenden war angesagt - eigentlich ein formeller Akt. Für gewöhnlich steht an der Spitze der VG-Versammlung der Bürgermeister der größten Mitgliedsgemeinde. Nicht so in Kirchenthumbach, wie sich rasch herausstellen sollte.

Nach der Bennung eines Wahlausschusses mit Kämmerer Michael Eisner als Vorsitzendem schlug Vorbachs Gemeinderat und VG-Mitglied Stephan Meier (CSU) seinen Bürgermeister Alexander Goller (CSU) für das Amt des VG-Vorsitzenden vor. Die Kirchenthumbacher Marktgemeinderätin und VG-Verbandsmitglied Christine Smith (SPD) plädierte für den bisherigen VG-Vorsitzenden, den Kirchenthumbacher Bürgermeister Jürgen Kürzinger.

Nach dem Urnengang und der Stimmenauszählung war die Sensation perfekt: Auf sieben Wahlzetteln stand der Name von Alexander Goller, nur drei VG-Mitglieder wählten Jürgen Kürzinger. Nicht einmal alle fünf Stimmen aus seiner Marktgemeinde konnte er somit auf sich vereinigen.

Für Außenstehende war das ein Paukenschlag, Insider hatten allerdings schon im Vorfeld der Wahl mit einem offenen Ausgang gerechnet. Zu sehr klangen die Vorwürfe des Vorbacher Bürgermeisters Werner Roder aus dem Vorjahr an die Adresse von Kürzinger und der Rücktritt Roders als stellvertretender VG-Vorsitzender nach. Eine Entwicklung mit Spätfolgen, wie sich am Donnerstagabend zeigte.

Einigkeit bestand in der Versammlung über die Wahl von zwei Stellvertretern des Gemeinschaftsvorsitzenden. Auf Vorschlag des Kirchenthumbacher Marktgemeinde- und VG-Rates Alexander Schatz (BGT) kandidierte Kirchenthumbachs zweiter Bürgermeister Ewald Plößner (CWG) als erster Stellvertreter. Einen weiteren Wahlvorschlag gab es nicht.

In ebenfalls geheimer Abstimmung entfielen bei zehn wahlberechtigten Mitgliedern auf Plößner sieben Stimmen. Drei Wahlzettel erklärte der Wahlleiter für ungültig. Auf Vorschlag des Schlammersdorfers Gerhard Wiesnet (CSU) wählten die VG-Räte den Schlammersdorfer Bürgermeister Johannes Schmid (UWG) mit acht von zehn Stimmen zum zweiten Stellvertreter. Hier waren zwei Stimmzettel ungültig.

Zur ersten Amtshandlung des neuen Vorsitzenden gehörte die Empfehlung an die VG-Räte, die bisher gültige Geschäftsordnung für die Verbandsversammlung beizubehalten. Das Gremium billigte diesen Vorschlag ebenso einstimmig wie die neue Entschädigungssatzung für ehrenamtliche Tätigkeiten. Im Rahmen des Vollzuges des Personenstandsgesetzes bestellte die Versammlung die Ersten Bürgermeister der jeweiligen Mitgliedsgemeinden zu sogenannten Trauungsstandesbeamten.

Haushaltsrechtliche Angelegenheiten bestimmten den weiteren Verlauf des öffentlichen Sitzungsteiles. Auf Vorschlag von Kämmerer Michael Eisner votierte das Gremium für den Vertragsabschluss zur Einrichtung eines „Tax Compliance Managements Systems“. Dabei handelt es sich um ein Regelwerk unter Anleitung von Wirtschafts- und Steuerprüfern, das steuerliche Fehlentwicklungen vermeiden soll.

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