05.05.2019 - 17:36 Uhr
Oberpfalz

Durch Klangwelten mit dem fliegenden Teppich

Der Teppich aus Kairo ist immer dabei, wenn Quadro Nuevo Musik aus aller Welt zu neuen Klanglandschaften mischt. Im Seidel-Saal überrascht die Formation erstmals auch mit Heimatklängen.

Die Vollblutmusiker von Quadro Nuevo haben seit Jahren ihre Fan-Gemeinde im Seidel-Saal
von Helga KammProfil

"Zehnmal schon", meint Fred Tischler. Aber genau kann er auch nicht sagen, wie oft Quadro Nuevo schon der Einladung seiner Kulturwerkstatt folgend in der Stadt zu Gast war. Es ist wie jedes Mal: Der Seidel-Saal lang ausverkauft, die Musiker brillant, ihr Repertoire eine Mischung aus der Musik vieler Kulturen.

"Was uns gefallen hat, haben wir versucht, in unseren Stil zu integrieren", erklärt Mulo Francel, der hochkarätige Saxophonist und mehrfache Echo-Preisträger. Und da ist seit dem letzten Gastspiel von Quadro Nuevo doch einiges an Neuem dazugekommen. Zum Beispiel "Die Gedanken sind frei", ein deutsches Volkslied aus ihrer neuen CD, eine Rückkehr zu den Wurzeln, instrumental, ungewöhnlich, schön.

Vier Herren sind es diesmal. Anstelle der Harfinistin Evelyn Huber ist wieder einmal der Münchener Chris Gall dabei, ein Komponist und Arrangeur, der sich als Jazz-Pianist einen Namen gemacht und Auszeichnungen errungen hat.

Neben Mulo Francel haben auch Andreas Hinterseher mit seinem Akkordeon, dem Bandoneon und dem Vibrandoneon und Dietmar Lowka mit Kontrabass und Percussion ihren Anteil am "Flying carpet", dem Teppich, der über die Grenzen von Kulturen und Ideologien hinweg trägt. Der Teppich hebt ab im Seidel-Saal, die Vollblutmusiker lassen ihn fliegen: Von Kairo über Kurdistan, von Wien nach Argentinien, auf die Insel Samos und nach Sao Paulo.

Andreas Hinterseher spielt virtuos sein kostbares Akkordeon und das kleine Bandoneon, Chris Gall entlockt dem alten Klavier unglaublich rasante oder gefühlvoll zarte Töne und D.D. Lowka nutzt neben seinem Schlagwerk auch den Kontrabass für spektakuläre perkussive Einlagen. Mulo Francel schließlich interpretiert mit Saxophon und Klarinette leise bis laut, sehnsüchtig bis wild.

Alle zusammen bestechen mit großem Können und ebensolcher Spielfreude. Beifall brandet auf bei ihren Soli, bei den Dialogen zwischen zwei Instrumenten und dann, wenn sie sich wieder zusammenfinden auf ihrem fliegenden Teppich, ihren schillernden Klanglandschaften.

In der Pause spielen sie "Kulturberater", bieten ihre Hörbücher, Bibeltexte und T-shirts an, auch die neue CD mit den deutschen Volksliedern. Mulo Francel kündigt seinen weiteren Besuch in der Herzogstadt am 4. Oktober an, "mit anderen Männern". Auch Fred Tischler nennt einen Termin: Im Juli 2020 wird Quadro Nuevo im Rahmen der Sulzbach-Rosenberger Barockfestspiele erneut zu Gast sein.

Der Abend im Seidel-Saal endet mit der Melodie von "Der Mond ist aufgegangen", wie immer mit Zugaben, mit jubelndem und stehenden Beifall. Auch ein besonderer Wunsch wird noch erfüllt: Über die Instrumentalfassung von "parole parole" freut sich eine Zuhörerin aus Lima in Peru sehr.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.