15.07.2019 - 16:21 Uhr
Kleinsterz bei MitterteichOberpfalz

Viele Sorgen bei den Teichwirten im Landkreis Tirschenreuth

Das "Land der 1000 Teiche" wird immer mehr zum "Land der 1000 Sorgen". Die Teichwirte haben Existenzängste. Und daran sind nicht nur Fischotter und Kormoran schuld.

Thomas Beer erklärte den Gästen vor Ort sehr leidenschaftlich und emotional, dass er seine Teichwirtschaft weiter betreiben wolle und deshalb kleine Ausgleichszahlungen nichts bringen würden. Es müssen die Ursache, der Fischotter und die Kormorane selbst, dezimiert werden.
von Ulla Britta BaumerProfil

Ein düsteres Bild von der Fischwirtschaft zeichneten die Teichwirte beim Gespräch mit MdL Anna Toman von den Grünen. Zum Gespräch hatten die Arge Fisch und die Fischerzeugergenossenschaft gut 20 Sachverständige geladen. Wenn das so weitergehe, werde man die Teichwirtschaft aufgeben und Mais für Biogasanlagen auf den Teichflächen anbauen, zeichneten die Fischbauern ein düsteres Bild. 20 Prozent ihrer Kollegen hätten das bereits getan.

Anna Toman hatte auch den Sprecher für Umwelt- und Tierschutz ihrer Fraktion, MdL Christian Hierneis, mitgebracht. Thomas Beer, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Fisch, führte den Gästen an seinen Teichen die Problematik der Biotopkartierung vor Augen. Nach Teichbauarbeiten sei eine entstandene Erderhebung plötzlich zum Biotop geworden. Solches Vorgehen sei für ihn völlig unverständlich, da sich bei Teichen ständig wegen der Bewirtschaftung auch die Vegetation ändere. Sobald das Gebiet Biotop sei, habe er die größten Probleme mit der Genehmigung für weitere Veränderungen.

Die Grünen-Abgeordneten Christian Hierneis und Anna Toman schauten sich fasziniert bei einer Ortsbegehung amTeich mit Vertretern der Arge Fisch und der Fischerzeugergenossenschaft die winzige Krapfenbrut im Glas an.

Wegen Kartierer verärgert

Die Teichwirte beklagten zudem, dass die Kartierer ohne Rücksprache mit den Grundstücksbesitzern herumliefen. Ein Hinweis über den Zeitpunkt ihrer Anwesenheit müsse möglich sein. Kreisobmann Ely Eibisch vom Bauernverband stimmte dem zu. Solch ein Vorgehen sei nicht korrekt und nicht vereinbar mit den Vorstellungen von Grundstückseigentum.

Das Bild, das die Teichwirte von den durch Kormoran und Fischotter verursachten Schäden zeichneten, war ebenfalls schlimm. Thomas Beer fischte einige kleine Karpfen aus dem Teich. Mit der Zucht sei es bald vorbei, meinte er. Die Fischotter würden auch große Fische, darunter Zuchtkarpfen und Störe, töten oder schwer verletzen. Ihm gehe die Genetik, die er für gute Zuchterfolge brauche, verloren. "Wenn du einen Fischotter hast, spielt der Kormoran keine große Rolle mehr", zitierte Beer einen Kollegen. Er habe das nicht glauben wollen.

Ein Teilnehmer erzählte von den Waldnaabauen, wo regelmäßig an den Teichen tote, angefressene Fische an den Ufern lägen. Als finanziell nicht umsetzbar bezeichneten die Teichwirte den Vorschlag, die Teiche einzuzäunen. "Und dann wird noch vorgeschlagen, ein Netz drüberzulegen wegen dem Kormoran", sagte Hans Klupp. Zynisch fügte er an, dass damit die Teiche zum "Hochsicherheitstrakt für Karpfen" würden. Thomas Beer wunderte sich, dass sich niemand über das Verschwinden der Wasservögel aufrege, die auch schutzwürdig seien. Deren Eier und Brut würden ebenfalls wegfressen. "Wohin man schaut: Es gibt keine Wasservögel mehr. Früher hat es hier gewimmelt." Dennoch werde der Fischotter geschützt. Seiner Meinung nach sei dies eine falsche Tierschutzpolitik. Der Kleinsterzer begrüßte die Abschusserlaubnis für Biber und forderte diese auch für den Fischotter. Zumal keine Gefahr bestehe, das scheue Tier auszurotten.

Einmalig in Europa

Klupp beklagte, dass die gewachsene Tradition und Identität des Stiftlands in Gefahr sei. "Alte Hütten werden mit viel Aufwand und Geld geschützt", so Klupp. Warum aber schütze man nicht die viele hundert Jahre alte Oberpfälzer Teichlandschaft. Sie sei einmalig in ganz Europa und liefere Lebensmittel aus der Region. Aber es werde wohl eher der Bio-Pangasius gefördert statt die regional erzeugten Karpfen.

MdL Christian Hierneis sah die Problematik, hatte aber ebenfalls keine Lösung. Bürgermeister Roland Grillmeier glaubt nicht, dass Einzelmaßnahmen ausreichend sind, die Probleme zu lösen. Es brauche Förderungen. Der Politik fehle der Mut, das Fass aufzumachen, meinten die Teichwirte. Der Staat müsse endlich in die Pflicht genommen werden.

"Die Wasservögel sind weg", berichtete der Arge-Sprecher Thomas Beer. von einem weiteren großen Problem, das der Fischotter seiner Meinung nach verursacht, weil er die Vogelbrut und die Vogeleierfrisst
Für die Gäste fischte Thomas Beer ein paar kleine Karpfen aus seinem Teich.
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