25.05.2020 - 11:07 Uhr
NagelOberpfalz

Mit Köpfchen für Nagel

Der ehemalige Bürgermeister Theo Bauer genießt nach 36 Jahren Kommunalpolitik den wohlverdienten Ruhestand. Ein musikalisches Danke für seinen enormen Einsatz brachte ihm Michael Ponader mit dem „Kräuterdorfsong“

Theo Bauer (links) hat in insgesamt 36 Jahren, davon knapp 26 Jahre als amtierender Bürgermeister, ein erfolgreiches Stück an der kommunalpolitischen Geschichte der Gemeinde Nagel mitgeschrieben. Der Nageler Musiker Michael Ponader huldigt ihm zum Dank für seine Arbeit und seine Erfolge für die Gemeinde Nagel mit einem selbst geschriebenen „Kräuterdorfsong“.
von Autor KKLProfil

Bürgermeister a. D. Theo Bauer blickt auf insgesamt 36 Jahre Kommunalpolitik in Nagel zurück. Er hat in der Gemeinde Nagel ein bedeutendes Stück Kommunalgeschichte mitgeschrieben. Die Kommune besteht aus neun Ortsteilen: Hohenbrand, Lochbühl, Mühlbühl, Nagel, Ölbühl, Reichenbach, Reissingerhöhe, Steinloh und Wurmloh.

Um einen kurzen Rückblick auf seine Amtszeit mit viel Arbeit aber auch Freude sowie auf einige Highlights in der Dorfgeschichte zu halten, hat es ein kleines Treffen im „Haus der Kräuter“ gegeben. Den Anfang nahm sein Wirken in Nagel, als es Theo Bauer beruflich bedingt in die kleine Gemeinde im Fichtelgebirge verschlug. Nach seinem Studium, so erinnerte er sich, hatte er seinen Dienstantritt als Lehrer in einer sechsten Klasse mit 48 Schülerinnen. Später habe er dann die Abschlussklassen unterrichtet, was ihm viel Freude machte.

Der kommunalpolitische Werdegang von Theo Bauer, Mitglied der CSU, begann 1984. Die Kommunalwahl brachte ihm einen Sitz im Gemeinderat ein. 1990, nach sechs Jahren Tätigkeit als Gemeinderatsmitglied, übernahm Theo Bauer das Amt des Zweiten Bürgermeisters.

Nach vier Jahren trat der damalige Bürgermeister Franz Kilchert von seinem Amt zurück und Bauer übernahm für zwei Jahre seine Vertretung.Zur Kommunalwahl 1996 stellte jede der drei Parteien, CSU, SPD und CWG, einen Bürgermeisterkandidaten. Die Bürger wählten Theo Bauer. Dieser erinnerte sich an einige der ersten Maßnahmen und Projekte, die in der Gemeinde während seiner ersten Amtsperiode entstanden sind, wie die Außensportanlagen an der Schule und der Gehweg mit Beleuchtung von Nagel nach Mühlbühl.

Die Nageler bestätigten Theo Bauer bei den Kommunalwahlen in den Jahren 2002, 2008 und 2014 in seinem Amt als Bürgermeister. Er rechnet rückblickend zusammen: Gemeinderatsmitglied, dann vier Jahre zweiter Bürgermeister, fünf Monate als amtierender zweiter Bürgermeister und 25 Jahre und 7 Monate Bürgermeister, das sind 36 Jahre Kommunalpolitik.

Die Frage nach einem Highlight in seiner gesamten Amtszeit beantwortet Theo Bauer, sei die 800-Jahr-Feier der Gemeinde Nagel im Jahr 2000 gewesen. Zwei Jahre Vorbereitungen, die sich wie ein Schneeballsystem entwickelten, steckten in diesem sehr großen Fest. 30 000 Besucher hätten die vier über das Jahr verteilte Ortsteil-Feste besucht. 600 Leute nahmen am Festzug teil. Bauer erinnert sich davon besonders an den Heimatabend mit heimischen Künstlern.

Die Entwicklung von Nagel zum Kräuterdorf passierte 2007/2008, als ein Kräuterpädagoge aus Mehlmeisel seltene Kräuter im Gemeindegebiet Nagel gefunden hat. Das war in den umliegenden Gemeinden nicht so. Dort würden nur ein Viertel oder ein Drittel der seltenen Pflanzen gedeihen. Dies machen die klimatischen Verhältnisse in der Fichtelgebirgsgemeinde aus. Nagel hat einen großen Höhenunterschied in seinem Gemeindegebiet, von 580 bis 654 Meter auf dem Wurmlohpass.

Das Kräuterdorf läuft gut, berichtet Theo Bauer und nannte 1500 Teilnehmer an verschiedenen Workshops, Seminaren und Kräuterwanderungen. Das Kräuterdorf war gedacht als Wirtschaftsförderer. Es gab eine deutliche Steigerung der Übernachtungszahlen von 7300 in 2013 auf 12 400 in 2019. Außer dem Erfolg seiner beharrlichen Mühe und Arbeit Nagel zu einem Kräuterdorf – inzwischen zu einem überregionalen Anziehungspunkt im Fichtelgebirge geworden – auszubauen, blickt Bauer kurz auch auf einige herausragende bauliche Erfolge in der Kommune zurück.

Während seiner Amtszeit sei die Wasserversorgung auf Vordermann gebracht und die Kläranlage saniert worden. Weiter nennt er die erfolgte Dorferneuerung des Ortsteil Reichenbach, Mühlbühl und Wurmloh. Die vom Wasserwirtschaftsamt geforderte Dammsanierung des Nageler Sees konnte mit 90 Prozent Förderung umgesetzt werden, ansonsten hätte der Wasserspiegel abgesenkt werden müssen, erklärt Bauer.

Nicht mehr geglückt zum Umsetzen in seiner Amtszeit als Bürgermeister sei die Beseitigung des Leerstands der ehemaligen Gaststätte „Heide“ und des ehemaligen „Hotel Hohe Mätze“ mit der "Förderoffensive Nord-Ost-Bayern". Auch hätte Theo Bauer gerne noch einige Straßen saniert, dies habe sich aber wegen Kanaluntersuchungen hinausgezogen. Die Sanierung des Quellgebietes habe sich ebenfalls verzögert. Die Radweganbindung nach Tröstau und Ebnath sowie nach Brand hätte eigentlich schon im vergangenen Jahr gebaut werden sollen, aber wegen Grunderwerbsproblemen musste diese Maßnahme leider verschoben werden. Theo Bauer hofft aber doch, dass das Straßenbauamt Bayreuth dieses Jahr noch beginnen kann. Das Projekt „Kohlschlagbrücke mit Straßenanbindungen“ werde in 2021 umgesetzt. Und der Neubau des Bauhof ist offen.

Als Negativpunkt in seiner Amtszeit nennt Bauer das Bürgerbegehren für das "Kräuterdorf" in 2011 mit negativem Ausgang. Das zweite Bürgerbegehren in 2012 ist positiv ausgegangen und 2013 konnte der erste der Kräutergärten, der Duft- und Schmetterlingsgarten, eingeweiht werden.

Welche Erinnerung ihn an seine Zeit als Bürgermeister ein Lächeln schenke, beantwortete Theo Bauer mit den Worten: „Ach, ich bin ein humorvoller Mensch, ich kann über vieles lachen und mache auch gerne einen Scherz.“

Aber dann erinnerte er sich mit einem Lachen an etwas Besonderes: "1998, das Schreiben habe ich heute noch, hat die Feuerwehr Nagel eine Drehleiter bei der Gemeinde beantragt. Zunächst hat es mich niedergesetzt. Ich habe überlegt was die Nageler Feuerwehr mit einer Drehleiter will? Dann habe ich auf das Datum des ganz offiziell gestalteten Schreibens der Kommandanten geschaut: Es war war der 1. April".

Die Familie sei aufgrund seiner vielen Ämter in der Gemeinde schon etwas zu kurz gekommen. Seine Ehefrau Erika ist stark engagiert für das Kräuterdorf. Bis 2002 fungierte Bauer als Vorsitzender des 1. FC Nagel. Unter seiner Regie wurde das Sportheim und der Sportplatz mit den Parkplätzen gebaut. Dazu war er Kreisspielleiter der Fußballvereine, die zum Kreis Marktredwitz gehören.

1994 stieg er in das Amt des Bürgermeisters ein und 1995 habe er dann endlich einen Nachfolger für den Vorsitz des FC gefunden. Im Juli 2012 habe er beruflich die Altersteilzeit in Anspruch genommen und 2015 in Pension gegangen. „Weil die Aufgaben als Bürgermeister zugenommen haben, habe ich beruflich die Reißleine gezogen“, erklärte Bauer.

Die Amtsübergabe an seinen Nachfolger Helmut Voit hat gut geklappt. Eine Woche lang hat Bauer die Schränke im Gemeindezentrum aufgeräumt und er hat aussortiert, was sich im Laufe der Jahre angesammelt hat. Die letzten sechs Wochen im Dienst seien durch die "Coronakrise" sehr ruhig, der Terminkalender leer gewesen. „Die Luft war draußen, das Leben im Amt gebremst. So hatte ich schon mehr Zeit und konnte mich auf meinen Ruhestand einstimmen“, stellte Bauer fest. "Aber wenn die Coronakrise besiegt ist, wird es mir schon wehmütig werden".

Für seinen Ruhestand habe er noch keine Pläne, er lasse alles auf sich zu kommen, blickt Theo Bauer entspannt in die Zukunft.

Vom "Natur- und Kräuterdorfverein Nagel" wolle er sich nicht ausklinken. Dabei informierte er, dass das für dieses Jahr geplante Kräuterfest aus aktuellen Gründen ausfallen müsse und nicht nachgeholt werde, weil für das nächste Jahr der zweite Ausbildungslehrgang zum Kräuterführer geplant ist. Das nächste Kräuterfest wird erst 2022 stattfinden.

Michael Ponader, ein Musiker mit Herzblut aus dem Ortsteil Mühlbühl hatte ein ganz besonderes Dankeschön für Bürgermeister Theo Bauer zu seinem Amtsende erarbeitet. Ponader schrieb den „Kräuterdorfsong“. Im „Nogler Dialekt“ erzählt er den holprigen Weg der Entstehung des Kräuterdorfs. Auch kommunalpolitisch wird kein Blatt vor den Mund genommen. Am Ende steht ein dickes Lob für den Bürgermeister a. D. Es lohn sich, einmal auf der Homepage der Gemeinde vorbeizuschauen.

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