15.09.2019 - 10:20 Uhr
Kötzersdorf bei KemnathOberpfalz

Bienen-Betreuung A und O

Beim Stammtisch der Imker Kemnath wurden die Bienenzüchter über Bienenkrankheiten und deren Heilung aufgeklärt.

Vereinsvorstand Andreas Schultes gab einige Informationen an seine Stammtischfreunde weiter.
von C. & W. RupprechtProfil

Der Stammtisch der Bienenzüchter in Kötzersdorf ist eine monatliche Veranstaltung des Zuchtvereins Kemnath und Umgebung. Während der aktiven Monate von Frühjahr bis Herbst sind diese Zusammenkünfte mit lehrreichen Vorträgen verbunden. Auch dieses Mal war Josef Seidl als Referent zu Gast bei der Versammlung.

Vorsitzender Andreas Schultes gab vorab einige Informationen an seine Vereinskameraden weiter. Die Jahreshauptversammlung des Imkerbundes der Region ist am Freitag, 4. Oktober, in Falkenberg. Außerdem bat Schultes, sich bei ihm zu melden, wenn noch Beuten gebraucht werden.

Josef Seidl unterschied in seinem Vortrag Bienenkrankheiten, die die Brut befällt, und solche, die die erwachsene Biene und den Bienenstock heimsuchen.

Bienenkrankheiten könnten nur erkannt werden, wenn die Bienenvölker regelmäßig beobachtet werden. Um Krankheiten zu erkennen, benötige man eine Pinzette und ein Vergrößerungsglas. Erst einmal müsse der Imker wissen, wie gesunde Bienen und gesunde Maden aussehen. Dazu könne er vorsichtig den Deckel auf einer Brutwabe öffnen.

Manche Krankheiten seien jahreszeitlich abzugrenzen. Im Frühjahr müssten vor allem die schwachen Völker genau beobachtet werden.

Die Tracheenmilbe nistet sich in die Atemwege der Biene ein, sticht sie an und versorgt sich mit dem Blut der Biene. Die Eier werden in die Tracheen der Biene gelegt, der Befall vergrößert sich rasch und erfolgt durch Übertragung von Biene zu Biene. Die Wunden der Bienen können sich infizieren, sind Eintrittspforten für Viren und Folgekrankheiten. Die Bienen sind extrem geschwächt und werden dadurch flugunfähig. Zum Glück komme diese Erkrankung kaum mehr vor. Feuchte Winterquartiere förderten den Milbenbefall. Standorte mit früher Sonne im Frühjahr helfen, den Reinigungsflug des Bienenvolkes vorzuverlegen und das Volk erstarken zu lassen.

Eine typische Frühjahrskrankheit wird durch den Nosema-Erreger ausgelöst. Dies ist ein Bakterium, das eine Darmkrankheit verursacht. Oft tritt sie auf, wenn es im Winter zu wenig Wasser für die Bienen oder lange kein Flugwetter gibt. Erkennenbar sei es am Kot der Bienen: Der Kotfaden ist gelb und abwechselnd als Knoten und Faden zu erkennen. Viel Kot hängt dann außen an der Beute und auch innen. Auch reine Waldtracht könne Durchfall der Bienen auslösen. Es helfe lauwarmes Zucker- oder Honigwasser zum Füttern (30 Grad).

Die Maikrankheit ist eine Art Verstopfung bei den Bienen. Sie entsteht, wenn es schon früh eine gute Pollenernte gibt, aber die Biene wegen schlechten Wetters nicht abkoten kann. Man kann sie auch an aufgetriebenen Hinterleibern erkennen. Auch hier kann man Zuckerwasser geben. Ohne Hilfe könne die Maikrankheit zum Tod der Biene führen.

Kalkbrut entsteht durch einen Pilzbefall. Er sieht wie ein feines graues Spinnennetz aus. Die Brutfläche sieht löchrig aus.

Durch einen Genfehler der Bienenkönigin wird die Brut anfällig für Virenbefall. Die Brut ist grau mumifiziert und fest wie Kalk. Sie stirbt im Stadium der Steckmade oder Vorpuppen ab. Das Bienenvolk räumt die Brut aus. Der Erreger kann sich 15 Jahre im Bienenstock halten. Eine neue Königin zuzuführen, kann helfen.

Sackbrut erkennt man leicht, wenn man die Brutwabe öffnet und die Made herausholt. Sie ist kein Madentier, sondern ein Flüssigkeitsgefüllter verfärbter Sack. Verursacher ist ein Virus. Die Made ist schon in einem frühen Entwicklungsstadium für den Virus anfällig, stirbt ab und zersetzt sich in ihrer intakten Hülle. Sie trocknet schließlich zu einem dunklen Flecken in der Wabe ein. Adulte Bienen vertragen den Virus besser und können ihn auf die Brut übertragen. Oft ist Futtermangel ein schwächender Faktor. Bei ausreichender Tracht kann sich das Bienenvolk in der Regel schnell selbst heilen. Gegenmaßnahmen sind Reinigungs- und Pflegemaßnahmen, die durch Anregung des Putztriebes durch Reizfüttern, Einengen des Bienenvolkes, Umweiseln und Austausch von stark befallenen Waben bestehen. Der Honig ist trotzdem genießbar.

Die Schwarzsucht hat ihren Namen vom veränderten Aussehen der Biene. Sie verliert bei dieser Krankheit ihre Haare und wirkt dadurch dunkler.

Die Ursachen sind nicht sicher erforscht. Man vermutet Pollenmangel oder die Zusammensetzung des Honigtaus, den die Bienen von der Fichtenlaus aufnehmen, als Ursache. Sie wird daher auch als Waldtrachtkrankheit bezeichnet. Verschiedene Bakterien und Rußtaupilze, die den Honigtau besiedeln, sollen ebenfalls Einfluss auf den Ausbruch der Krankheit haben. Doch auch verschiedene Viren sorgen für den Verlust des Haarkleides.

Tritt gleichzeitig ein schwarzes Flugloch auf, weist das auf einen Pilz hin, den man abbürsten sollte.

Bei Vergiftungen fliegen die Bienen wahllos im Kreis, sind orientierungslos, wirken betrunken. Die Wächterbienen lassen sie nicht in den Stock.

Am meisten gefürchtet wird hierzulande die amerikanische Faulbrut. Man erkennt sie schon am fauligen Geruch in der Beute und am eingefallenen Brutwabendeckel. Wenn man eine Brutwabe öffnet und mit einem Streichholz die Made entnimmt, entsteht ein Flüssigkeitsfaden. Reißt er ab, dann handelt es sich um die europäische Faulbrut, die nicht so gefährlich ist.

Zieht sich aber dieser Faden, handelt es sich um die amerikanische Faulbrut.

Diese ist leicht zu übertragen. Sporen bleiben im Honig enthalten. Deshalb reicht es schon, wenn Bienen an ein Honigglas mit Honigresten gelangen. Sie schlecken es aus und tragen die Erreger mit ins Volk heim. Deshalb ist diese Krankheit meldepflichtig. Das Veterinäramt kontrolliert das Volk und entscheidet, ob es saniert werden kann oder vernichtet wird. Ein Sperrbezirk wird eingerichtet, um andere Bienenvölker zu schützen. Derzeit ist das Gebiet um Speichersdorf und auch Weiden belastet.

"Es kommt also darauf an, dass der Imker sein Volk gut betreut und beobachtet", sagte Seidl. Bei einer erkannten Krankheit sei schnelles Handeln ratsam, manche Krankheiten seien meldepflichtig. Die Bienenkrankheiten seien auf den Menschen in der Regel nicht übertragbar. Große Sauberkeit müsse bei den Werkzeugen herrschen: Es müsse in Wasser mit einem ätznatronähnlichen Mittel ausgekocht werden. Die Beuten und Rähmchen müssten sauber abgeflammt werden. Nicht bei jeder Bienenerkrankung könnten die Rähmchen weiterverwendet werden. Bei einem erkrankten Bienenvolk sollte der Imker die Anflugbretter entfernen, damit die kranken Bienen nicht in den Stock zurückkrabbeln können. Anflugbretter sollten deshalb auch nie bis zum Boden gehen. Keinesfalls dürfe ein erkranktes Volk mit einem gesunden vereint werden. Deshalb sollte man nur Völker mit vom Veterinäramt ausgestelltem Zeugnis kaufen. Der Faulbruterreger könne sich in etwa zehn Jahre im Volk halten. "Der Imker kann diese Krankheit nicht verursachen. Sie wird meistens von den Futterplätzen mitgebracht."

Im Spätsommer und Herbst nisteten sich gerne Motten in den Beuten ein und auch Spitzmäuse kämen, um die toten Bienen zu fressen. "Oft werden sie dabei so dickleibig, dass sie den Bienenstock nicht mehr verlassen können." Mäusegitter bieten Schutz oder auch Fluglöcher, die unter acht Millimeter groß sind.

Zum Schluss gab Seidl den Zuhörern den Tipp, jetzt umzuweiseln. Die Bienenvölker sollten jetzt eingewintert sein.

Der nächste Bienenstammtisch ist am Montag, 14. Oktober, um 19 Uhr wieder in Kötzersdorf im Landgasthof Busch.

Josef Seidl referierte zum Thema Bienengesundheit und hatte wertvolle Tipps im Gepäck.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.