04.03.2020 - 13:32 Uhr
Kötzersdorf bei KemnathOberpfalz

Imker fleißig wie die Bienchen

Es besteht noch Hoffnung: Zum Anfängerkurs der Bienenzüchter Kemnath und Umgebung sind wieder Interessierte gekommen. Josef Seidl informierte über die schöne, aber auch verantwortungsvolle Tätigkeit des Imkerns.

von C. & W. RupprechtProfil

Der Bienenzuchtverein Kemnath und Umgebung bietet regelmäßig Fortbildungen für seine Mitglieder an, bildet aber auch jährlich Jungimker aus. Am Dienstag startete ein neuer Kurs für Interessierte. Fachwart Josef Seidl führte die Anfänger in das umfangreiche Wissen der Imker ein.

Er erläuterte die Vielzahl der 560 Wildbienenarten, die unter anderem unter den Namen Sandbiene, Mauerbiene und Erdbiene bekannt sind. Diese kommen mit jeder Behausung zurecht, egal ob diese rund oder eckig geformt ist. Meist leben sie in Baumhöhlen.

Seidl betonte, dass die Bienen einen enormen Einfluss auf das Ökosystem haben. Denn viele Pflanzen, Tiere und auch der Mensch könnten nur überleben, weil es Bienen gibt. Sie brauchen den Menschen aber nicht. Doch seit 1980 benötige sie wegen des Einfalls der Varroamilbe die Fürsorge des Imkers. "Die Tätigkeit des Imkers ist spannend. Man betrachtet die Natur vor der eigenen Haustür mit anderen Augen und passt auf die Zeichen der Jahreszeiten genauer auf. Außerdem erfüllt es mich mit Freude und Ruhe", schwärmte Seidel.

Seidl zeigte den Anfängern, wie sich eine Beute, also der Bienenkasten aufbaut. Sie teilt sich in Brutraum und Honigraum auf. Dabei kann das Einflugloch für den Winter verkleinert werden, während des Jahres kann der Bienenraum an das größer werdende Volk angepasst und erweitert werden. Das Varroasieb ist ein Muss. Darunter befindet sich ein Schieber, der die toten Milben auffängt. So kann der Befall kontrolliert werden. Ein Absperrgitter hindert die größere Königin später daran, ihre Eier in dem Honigraum abzulegen.

Auch das Einhängen der Rähmchen für Kalt- und Warmbau will gelernt sein. Dabei sind Abstände einzuhalten. Auch die Abdeckung der Bienenstände, der richtige Standort und der Wetterschutz waren Thema. Dabei sollte das Flugloch nach Ost/Südost zeigen, denn die Bienen fliegen mit den ersten Sonnenstrahlen aus. Unter Hochspannungsleitungen sollten keine Bienenbeuten aufgestellt werden. Auch die Erschütterung von Zuggleisen mag das Bienenvolk nicht.

Die Fortpflanzung der Bienen und die Aufzucht der Larven, die sich auf die spätere Tätigkeit als Königin, Arbeiterbiene oder Drohne auswirkt, wurde vorgestellt. Beim Ankauf von Bienenvölkern sollte darauf geachtet werden, ausschließlich Völker mit Gesundheitszeugnis zu übernehmen. Seidl appellierte an die Jungimker, nur von bekannten Imkern und Imkern aus der Region zu kaufen. Auf keinen Fall sollten Importe gekauft werden, um die Einschleppung des Beutenkäfers zu verhindern. Der Zweite Teil des Kurses folgt im Frühjahr und wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Info:

Richtige Bienenart

In Bayern werden zwei Bienenarten in der Imkerei eingesetzt. In der Hobbyimkerei ist das meistens die Rasse „carnica“. Diese bevorzugen auch die Kemnather Imker. Die zweite Bienenrasse stammt aus England und heißt „Buckfast“, die hauptsächlich Berufsimker nutzen, da sie mehr Honig liefert. Für die Hobbyimkerei ist diese Rasse nicht gut geeignet, da sie einen höheren Betreuungsaufwand erfordert. Die Königin von „Buckfast“ legt auch bei schlechtem Wetter weiter Eier, das Volk wächst schneller. Für den Hobbyimker ist es schwieriger, die Reinzucht zu erhalten. Er muss teuer neue Königinnen nachkaufen.

Info:

Tipps für Anfänger

Meldepflicht:

Wer imkern möchte, braucht eine Betriebsnummer, die das Amt für Landwirtschaft vergibt. Beim Veterinäramt des Landkreises muss der Imker die Flurnummer des Bienenstandes melden, damit der Veterinär seinen Aufgaben nachkommen und zum Beispiel bei Faulbrut in der Region alle Imker warnen und betreuen kann. Um imkern zu dürfen, ist der Nachweis von Kursen wichtig.

Beitritt zu einem Verein:

Seidel betonte, dass es nur Vorteile bei einer Mitgliedschaft im Bienenzuchtverein gibt. Im Vereinsbeitrag sei eine Versicherung enthalten, die unter anderem Haftpflicht, Diebstahl, Sturmschäden und Vandalismus abdeckt. Man könne an der Erfahrung der älteren Imker teilhaben. Im Einkauf über den Verein seien manche Materialien günstiger zu bekommen.

Betreuung von Anfängern:

Jungimker bekommen einen erfahrenen Imker als Paten zur Seite gestellt. Er begleitet alle Arbeiten, die im Laufe des Jahres anfallen. Der Verein stellt das erste Volk zur Verfügung: ein Ableger, der im Mai/Juni an die Jungimker übergeben wird.

Allergiker und die Imkerei:

Allergiker können Imker werden, denn es gibt Schutzkleidung, Rauch beruhigt die Tiere. Man sollte auf jeden Fall vorab vom Arzt klären lassen, ob und wie stark man allergisch auf Bienenstiche reagiert. Eine Allergie kann sich auch erst im Nachhinein und nach Jahren einstellen. Es gibt auch einige Vorsichtsmaßnahmen, die zu beachten sind, wenn man sich Bienen nähert: Ist man ärgerlich und aggressiv, spüren das die Tiere und stechen eher zu. Schweiß zieht sie magisch an. Vor allem in der Nähe von Brille, Ring, Piercing, Kette, Uhrenband stechen sie bevorzugt zu. Sie riechen auch, wenn jemand schon gestochen wurde und setzen gerne ihren Stachel daneben. Auch Stallgeruch an Kleidung, Parfum und Haarspray ziehen Bienen an und verleiten sie zum Stich.

Was tun bei Stichen?

Sofort den Stachel entfernen, denn meist hängt das Giftorgan noch daran und pumpt weiter Gift in die Wunde. Eine gute Hilfe ist kleingeschnittener Spitzwegerich mit Alkohol angesetzt. Er mildert die Schwellung und den Juckreiz nach dem Stich.

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