15.11.2019 - 14:34 Uhr
KohlbergOberpfalz

Langhaus und Schloss verfallen

Die letzte Bürgerversammlung unter Leitung von Rudolf Götz wird dank vieler Infos und lockerer Sprüche der selbstbewussten Röthenbacher zum amüsanten Abend. Dabei gibt es einige Stellen im Ort, die Kritik auslösen.

Verkaufen oder gleich abreißen? Die Tage des 1873 oder 1888 erbauten Langhauses sind wohl gezählt. Es ist nur noch ein Schandfleck im Ortsbild, so die Kritik.
von Autor JMLProfil

Knapp 30 Besucher kamen zur Bürgerversammlung ins Gasthaus Bauer. Mit dabei waren auch etliche Gemeinderäte aus zwei Fraktionen. Nach dem Infoteil von Bürgermeister Rudolf Götz legten die Anwesenden gleich munter los. Auch mit kernigen Anmerkungen, die öfter mal Gelächter auslösten. Da ging es zum Beispiel darum, wer um die Signale herum die an der Bahnlinie liegenden Flächen mäht: „Da kommen die Bauhofleute, putzen aus und drei Tage später sind die von der Bahn da und mähen nochmal“, so die Ansage. Götz klärte auf: „Die Signale sind Sache der Bahn, das Umfeld mäht die Gemeinde.“

Deutliche Kritik formulierten die Anwesenden am Aussehen und baulichem Zustand von Langhaus, Schloss, unbewohnten Häusern und etlichen Grundstücken. „Alles zerfällt und verwildert. Was macht denn das für ein trauriges Erscheinungsbild auf Besucher“, fragte ein Anwohner. Götz: „Beim Langhaus hält sich jetzt der Denkmalschutz raus. Das könnte abgerissen werden“.

An Bauplätzen bestehe laut Sprechern zwar Bedarf, aber es gebe keine oder aber es gebe Probleme mit der Abwasser-Entsorgung. Die Lösung sei eine Querungsleitung unter den Gleisen durch. „Aber die Bundesbahn ist für alle ein rotes Tuch, weil sie die Macht hat, nein zu sagen“, lautete eine Meinung. Nachts sei der Ortsteil eine Rennstrecke für den Schwerlastverkehr. „Oft fliegen zehn und mehr Lkws beim Bahnübergang nur so drüber“, ärgerte sich eine Anwohnerin.

Das neu erstellte Bushäuschen wurde gelobt, habe aber Beleuchtungsprobleme und der Zugang sei nicht behindertengerecht. Dezentrale Energieversorgung war für eine Bürgerin wichtig. Götz: „Wir haben ja versucht, vier Windräder am Eichelberg zu bauen, aber bei den Weihern unten nistet ein Fischadler und der holt sich vom Berg droben sein Futter!“

Am Spielplatzrand verdirbt ein Erdhaufen die Spazierfreude. „Man merkt, ich bin rasend, aber das geht so nicht weiter, denn mir haben heuer zehn verschiedene Leute zehn verschiedene Gründe erzählt, warum der da liegt “, empörte sich eine Frau. Ja, die Röthenbacher nehmen kein Blatt vor den Mund. Aber sie loben auch: „Rudi, es ist schade, dass du aufhörst! Du hast uns immer zugehört und unsere Probleme verstanden!“ Applaus von den Anwesenden.

Götz erklärte, dass bei der Kohlberger Dorferneuerung die Kanalkosten auf alle Bürger umgelegt werden, reine Maßnahmesummen aber nicht mit auf die Röthenbacher. Er berichtete, dass trotz Baugebieten die Bevölkerung im vergangenen Jahr um 37 Personen auf jetzt 1188 Köpfe gesunken sei. Alle gemeindeeigenen Bauplätze seien aktuell verkauft oder reserviert, so dass die 25 unbebauten Grundstücke in Privathand für Interessenten verfügbar gemacht werden sollten. Eine diesbezügliche Umfrage des Marktes ergab aber nur eine positive Rückmeldung.

Der Schuldenstand lag Ende 2018 bei 1 052 000 Euro, wird 2019 bei 946 000 Euro liegen, pro Kopf also knapp unter 800 Euro. Götz: „Das Problem unserer Gemeinde ist, dass wir nur über geringe Einnahmequellen und damit Steuerkraft verfügen!“

Kostenträchtige Posten waren 2019 Straßensanierungen sowie die Ausgaben für Kindergartenanbau und Betrieb. Für 2020 steht der nächste Dorferneuerungsabschnitt an, Kanalsanierungen, Hochwasserschutz-Maßnahmen und einiges mehr.

Im Kohlberger Ortsteil Röthenbach verbinden sich Nostalgie und Moderne mit viel Natur. Und die Bewohner sagen selbstbewusst: „Du musst erst ein gewisses Alter erreicht haben, bis du merkst, du bist ein echter Röihmbecker!“
Auch das steht auf der Wunschliste einiger Röthenbacher: Ein sicherer Steg über die Mauerreste des Rablühlweiher-Wehrs, so wie es vor 1984 war. Denn am linken Ufer sprudelt ein Brünnerl mit besonders gutem Wasser aus dem Wurzelwerk.
Im Kohlberger Ortsteil Röthenbach verbindet sich viel Geschichte mit modernen Siedlungsgebäuden, in denen engagierte und zugleich heimatverbundene Menschen leben. Die Dampflokomotive am Bahnhof bot vor einigen Wochen ein gutes Fotomotiv.
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Kommentare

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Hilde Lindner-Hausner

Danke Johann Müller für die gute Zusammenfassung der vielseitigen Themen, Anregungen, Kritik und Anträge aus unserer Bürgerversammlung. Egal ob 3 oder 30 Besucher_innen - eine Bürgerversammlung ohne Wortmeldungen ist in Röthenbach nicht vorstellbar. Der entspannte Versammlungs-Charakter im Gasthaus Bauer ist vielleicht ein Grund dafür. Die Ortsteilbürgerversammlung sollte unbedingt beibehalten werden, da kann das Auto, ohne das man in so einem kleinen Ort kaum auskommt, auch mal stehen bleiben.

17.11.2019