23.07.2019 - 11:09 Uhr
KohlbergOberpfalz

Straßensanierung ein dicker Brocken

Beim vorgesehenen Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße von Kohlberg nach Luhe-Wildenau wird in vier Bereich gegliedert. Und jeder hat so seine Tücken.

Was tun, wenn der Bürgersteig in der Artesgrüner Straße so eng wie ein Hühnersteig ist? Die Lösung laut dem Planungsbüro: die Fahrbahn einengen und den Pkw-Verkehr mit Vorfahrtsschildern regeln.
von Autor JMLProfil

Darüber informierte Christian Faderl vom Ingenieurbüro für Bau- und Umwelttechnik die Kohlberger Markträte.

Teil eins umfasst die Sanierung der Artesgrüner Straße bis zum Kohlberger Ortsende, Teil zwei die Weiterführung durch das Zinkenloch bis zum Beginn von Artesgrün, Teil drei die Durchfahrt des Ortsteils bis zum Dreiländer-Eck und der letzte Abschnitt den Ausbau hin zur Kommunalgrenze am Mühllohbach beim Waldrand. Die weitere Trassenführung liegt dann auf Luhe-Wildenauer Gebiet.

Da ein Teil der Artesgrüner Straße mit im nächsten Bauabschnitt der Dorferneuerung enthalten ist, müssen hier Ausbauplanungen, Zeiträume und Fördermöglichkeiten mit dem Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) abgestimmt werden. In der Praxis bedeutet dies, dass sämtlichen Verrohrungen im Untergrund wie die Kanalsanierung erledigt sein müssen, ehe der Straßenbelag aufgebracht wird. Da macht den Planern die Engstelle beim Gasthaus "Weißer Schwan" Kopfzerbrechen, denn früher lag das Augenmerk auf den Bedürfnissen der motorisierten Verkehrsteilnehmer. Sprich, man trassierte möglichst breite Straßen für ungehinderten Verkehrsfluss, aber das hat sich gewandelt. Jetzt wird Wert auf Sicherheit der Fußgänger gelegt. Vor allem, wenn dort täglich Schulkinder unterwegs sind.

Doch was tun, wenn der Bürgersteig an einigen Stellen eng wie ein Hühnersteig wird und man die Häuser ja nicht einfach beiseite schieben kann? Eine Lösung liegt darin, die sowieso schon schmale Straße mit ausreichend breiten Fußgängerbereichen – teils nur einseitig – noch weiter zu verengen und für den Pkw-Verkehr klare Vorfahrtsregelungen zu schaffen. Also: Wer von außen nach innen will, hat Vorfahrt. Mit den heute überbreiten Landmaschinen geht es dort auch jetzt schon nicht anders.

Im Teil zwei stellten die untersuchenden Ingenieure unterschiedlich starke Teerdecken mit Rissen fest, aber ohne Grundwassereintritt im Bereich der Klingenbach-Senke. Niederschlagswasser muss jedoch bei den Arbeiten effektiver abgeleitet werden als bisher, denn: „Wasser gehört überall hin, aber nicht in den Straßenkörper“, so Faderl. In dem Sektor sind neue Drainageleitungen, tiefere Entwässerungsgräben und mehr Durchlässe zu Vorflutern einzubauen. Dann Frostschutzschichten in den Straßenunterbau, eine moderate Verbreiterung auf 5 Meter Fahrbahn mit 26 Zentimeter Teerauftrag und tragfähige Bankettbefestigungen. Den geringsten Aufwand erfordert die Ortsdurchfahrt Artesgrün. Hier muss nur der Oberbau des Teerkörpers verstärkt werden.

Kniffliger ist das Teilstück vom so genannten Dreiländereck hinauf zur Seebühlkuppe. Hier ist laut Faderl ein Vollausbau nötig. Die Straßenneigung ist in Richtung Artesgrün anzulegen, die Hügelkuppe für bessere Sicht um 1,5 Meter tiefer zu setzen, was sich, auf beiden Seiten abflachend, aber auf jeweils etwa 100 Meter Fahrbahn dehnt. Der Anbinde-Trichter nach Weißenbrunn wird dann etwa 50 Meter in Richtung Luhe versetzt. Die kurze Straßenquerung vom Ort hinüber auf den Feldweg Richtung Hannersgrün ist so für landwirtschaftliche Fahrzeuge nicht mehr gegeben. „Man baut heute eben versetzte Anbindungen“, wurde von Sitzungsteilnehmern argumentiert. Auch wenn an dieser Stelle später eine Geschwindigkeitsbegrenzung mehr Sicherheit bieten soll, ist der Sinn der Maßnahme zu hinterfragen. Christian Lehner erinnerte daran, dass auf der Kuppe in nicht allzu großer Tiefe eine Hauptwasserleitung der Steinwaldgruppe die Straße unterquert. Das restliche Stück bis zur Kommunalgrenze ist, außer bei Drainagefragen, weitgehend problemlos.

Ingenieur Faderl hat auch die Kosten kalkuliert, soweit man sie für die einzelnen Teilstücke angeben kann, da ja noch keinerlei Zeitspannen abzusehen sind. Gesamt wird die Maßnahme brutto, also vor der Mehrwertsteuer, runde 2,4 Millionen Euro kosten. Am Markt Kohlberg bleiben – grob überschlagen – eine Million hängen. Nach oben offen, je länger die Maßnahme hinausgezögert wird. Die Markträte müssen sich also möglichst bald zu einer Entscheidung durchringen. Dass die viel Geld kostet, war allen klar. Die lange Diskussion nach der Planer-Info zeigte, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst waren.

Ein schnelles Überqueren der Gemeindeverbindungsstraße von Kohlberg nach Luhe-Wildenau wird auf der Seebühl-Kuppe bald nicht mehr möglich sein. Die Einmündung nach Weißenbrunn (rechts) soll nach den Vorstellungen des Planungsbüros um etwa fünfzig Meter weiter in Richtung Luhe versetzt werden. Die gefahrenträchtîge Stelle ist mit einer Straßenabsenkung dann übersichtlicher.
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