Kohlberg
27.04.2023 - 08:02 Uhr
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Wegen Deutschlandticket Odyssee für Senioren aus dem Landkreis Neustadt

Viele haben auf das 49-Euro-Ticket gewartet. Es ist seit April zu haben. Oder auch nicht. In Weiden stößt ein Ehepaar aus dem Landkreis Neustadt auf Probleme.

Eine Frau löst am Fahrkartenschalter im Bahnhof Weiden ein Zugticket. Das 49-Euro-Ticket ist nur digital zu bekommen. Bild: Gabi Schönberger
Eine Frau löst am Fahrkartenschalter im Bahnhof Weiden ein Zugticket. Das 49-Euro-Ticket ist nur digital zu bekommen.

Karl Prösl und seine Frau Ursula aus Kohlberg sind nach eigenen Angaben "Vielfahrer mit der Bahn". Heuer geht es bereits zum siebten Mal mit dem Zug auf die Insel Rügen. Die Städte Dresden und Leipzig besuchen die Senioren mehrmals im Jahr, und auch Aachen und Hamburg haben sie schon mit der Bahn bereist. Das eigene Auto sei 23 Jahre alt, stehe in der Garage und "dümpelt vor sich hin", sagt Karl Prösl. Das 49-Euro-Ticket der Deutschen Bahn scheint also perfekt für das Ehepaar. Der Gedanke künftig mit Bussen, S-Bahnen und mit Zügen günstig von A nach B zu kommen, löst sich beim Versuch, das Ticket am Bahnhof Weiden zu kaufen jäh in Wohlgefallen auf.

Ein Unding

Als Ursula Prösl am Infoschalter der Deutschen Bahn das 49-Euro-Ticket in Form einer Chipkarte verlangt, wird sie von der Mitarbeiterin informiert, dass diese Ticketvariante in Weiden nicht erhältlich sei. Freundlich verweist die Servicekraft an ihre Kollegen. Die sitzen an einem eigens dafür eingerichteten Schalter im Bahnhof Nürnberg. "Im Klartext heißt das: Wenn wir die Chipkarte wollen, müssen wir mit dem Bayernticket extra nach Nürnberg fahren", wundert sich Prösl. Das kostet das Paar 36 Euro. "Das ist ein Unding", sagt der 80-Jährige. Bayernticket plus Deutschlandticket kosten zusammen also 85 Euro. Günstig, klimafreundlich, unkompliziert? Wohl eher nicht. Auch ein Ehepaar aus Schwandorf hatte sich massiv beklagt und sich diskriminiert gefühlt, weil die Ticketvariante für das Handy nur über ein Smartphone funktioniert.

Nach Angaben der Deutschen Bahn führt der schnellste Weg zum Deutschland-Ticket über die App DB Navigator. Ein Handy haben die Prösls. Allerdings kein Smartphone. Somit ist das digitale Bahnticket keine Lösung für die Senioren. In Papierform ist die Fahrkarte in der Regel nicht zu bekommen.

In sauren Apfel beißen

In Verkehrsverbünden, in denen Chipkarten bereits etabliert seien, und in denen die DB als Vertriebspartnerin für den Verbund fungiere, sei auch der Kauf des Tickets als Chipkarte möglich, teilt eine Sprecherin der Bahn auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit. In Weiden ist das dann also nicht der Fall. Zu dem konkreten Fall des Ehepaars aus Kohlberg antwortet die Bahnsprecherin: "Im DB Reisezentrum unterstützen unsere Mitarbeitenden die Kunden beim Abschließen des digitalen Abonnements. Beim Abschluss erhalten sie eine Auftragsnummer, mit der sie ihr Deutschland-Ticket in den DB Navigator laden können." Karl Prösl, der 45 Jahre lang bei der Justiz gearbeitet hat und Bürgermeister der Marktgemeinde Kohlberg war, wundert sich nur über dieses "Beamtendeutsch". Befriedigend sei diese Antwort für ihn nicht, sagt er. "Wir beißen halt in den sauren Apfel und fahren nach Nürnberg. Was bleibt uns denn anderes übrig?", sagt Prösl.

Die Frage, ob das Ehepaar das Bayernticket ersetzt bekommt, lässt die Bahnsprecherin unbeantwortet. Sie verweist auf die Fahrgastrechte von Bahnreisenden, die geltend gemacht werden können. Was Bahnreisende bei Problemen rund um das 49-Euro-Ticket tun können, sucht man so kurz nach Verkaufsstart beim Punkt Fahrgastrechte auf der Internetseite vergeblich.

Hintergrund:

Das Deutschland-Ticket

  • Kosten: 49 Euro im Monat
  • monatlich kündbar
  • als Handy-Ticket verfügbar
  • auch als Chipkarte erhältlich, falls am Verkaufsort ein Verkehrsverbund mit Chipkarte etabliert ist
  • nur in DB-Reisezentren, per App DB Navigator oder auf bahn.de erhältlich
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