14.03.2019 - 14:16 Uhr
KohlbergOberpfalz

Ein wehmütiges Servus für das Beer-Walbrunn-Haus

Über dem Geburtshaus des Komponisten Anton Beer-Walbrunn schwebt die Abrissbirne. Laut Expertenmeinung ist es nicht mehr renovierungsfähig.

In Kürze rollen Radlader an und reißen das marode Beer-Walbrunn-Geburtshaus ab. 160 Jahre stand es an diesem Platz. Was dann weiter geschieht ist nicht bekannt.
von Autor JMLProfil

Nun ist es also amtlich, dass dieses alte Haus an der Frieserkurve in den nächsten Wochen abgerissen wird. Bürgermeister Rudolf Götz informierte die Markträte über seinen Ortstermin mit drei Bausachverständigen. Sie haben das schon lange leerstehende Gebäude außen und innen nochmal in Augenschein genommen. Vom mürbe gewordenen Sandsteinfundament bis zu den nassen Dachbalken, weil die Abdeckung undicht ist.

Das Todesurteil der Architekten lautete: „Abreißen können sie, aber warten sie noch solange, bis sie es schriftlich von uns haben,“ so Götz. In wenigen Wochen ist es nun so weit. Einesteils schade, weil damit wieder ein Stück Heimat- und Ortsgeschichte für immer verschwindet. Andererseits gab es weder für die früheren Besitzer noch die Kommune ein langfristig kostendeckendes Konzept für aufwendige Renovierung und weitere Nutzung des Gebäudes.

Ideen schon etliche, aber keine davon wirklich überzeugend. Ein Tante-Emma-Laden war vor einigen Jahren ebenso im Gespräch wie die Umgestaltung zu einem Beer-Walbrunn-Museum mit Platz für kammermusikalische Konzertreihen. Mitglieder des Anton Beer Kunst- und Kulturvereins haben sich lange und intensiv für den Erhalt des Gebäudes engagiert.

Warum ist dieses Haus in der Weidener Straße 2 so interessant? 1858 wurde es als Wohnhaus mit Stall und Schuppen von der katholischen Kirchen- und Schulstiftung erbaut. Erste Bewohner waren der Lehrer, Kantor, Mesner und Gemeindeschreiber Anton Beer senior mit seiner Frau Margarethe, eine geborene Walbrunn. Vier ihrer fünf Kinder kamen unter dem Dach zur Welt. Dabei war 1864 auch Sohn Anton. Bereits 1866 zog die Familie jedoch nach Mantel weg. Später, in München, wurde Beer ein hochgeachteter Komponist, Dirigent, Musiker und Musiklehrer an der Königlichen Akademie für Tonkunst. Für seine Verdienste ernannte ihn Prinzregent Luitpold 1908 zum königlichen Professor. Bereits seit 1904 führte Beer zur Unterscheidung von anderen Trägern den Doppelnamen Beer-Walbrunn, also den Mädchennamen seiner früh verstorbenen Mutter. Er selbst starb am 22. März 1929, also genau 90 Jahren. Seit einem Jahrzehnt bemüht sich Pfarrer Martin Valeske mit dem Kunst- und Kulturverein erfolgreich, das musikalische Erbe des Komponisten wieder ins Gedächtnis zu rufen. Über 200 Musikstücke von „ABW“ wurden bereits erfasst, katalogisiert, etliche aufgeführt und sind auf mehreren CDs zu kaufen.

Alteingesessene Kohlberger kennen das Gebäude als Doktor-Bowel-Haus, da es von 1954 bis 1993 der Arztfamilie gehörte. So manchen Abend haben sie, dicht gedrängt, im kleinen Warteraum den Dorftratsch durchgehechelt, bis sie ins Arztzimmer durften. Sie werden mit einem etwas wehmütigen Gefühl den Abriss beobachten. Was dann aus der Baulücke werden soll, darüber gab Götz keine Information.

Dass dort ein Landeplatz für Paket-Drohnen mit Lebensmitteln von Amazon entsteht, weil der Dorfladen nicht realisiert wurde, ist sicher nur ein vorgezogener Aprilscherz.

Bekannt ist, dass sich die Markträte eine angemessene Erinnerungsstätte an den hier geborenen Professor vorstellen können. Wie diese aussehen soll, da hofft Götz auch auf kreative Vorschläge aus dem Kulturverein. Auch Vögel, Spinnen, Florfliegen und Wildbienen verlieren beim Abriss des Hauses ihr Zuhause im üppig wuchernden Efeubusch, der wohl auch weichen muss.

So hat wohl das Geburtshaus des Komponisten und Musikprofessors Anton Beer-Walbrunn ausgesehen, als er 1864 darin das Licht der Welt erblickte.
Auch wenn Marktrat Lothar Pöll (hier bei einem Ortstermin letztes Jahr) freundlich schaut, die Tage für das Geburtshaus des Komponisten und Musikprofessors Anton Beer-Walbrunn sind nach 160 Jahren vorbei.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.