22.04.2020 - 18:10 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Kommentar: Mindestlöhnen in der Pflege reichen nicht als Anerkennung

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In der Coronakrise gelten Pflegekräfte für viele Menschen als Helden. Nun erhalten sie einen Mindestlohn. Doch als Anerkennung für diesen Knochenjob reicht das noch lange nicht, kommentiert Elisabeth Saller.

Eine Pflegekraft geht mit einer älteren Frau über einen Korridor in einem Pflegeheim. Viele Pflegekräfte erhalten nun einen Mindestlohn.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil
Kommentar

Applaus, Applaus: Pflegekräfte zählen für viele Menschen zu den Helden in der Coronakrise. Das ist schön, aber das Geklatsche trägt keinen Cent dazu bei, wenn Krankenschwestern und Altenpfleger ihre Miete bezahlen, ein leckeres Essen oder nur eine gute Handcreme kaufen wollen. Die Politik hat das Problem der Niedriglöhne erkannt. Gelöst ist es noch nicht.

Um gegen Lohndumping vorzugehen, gibt es nun einen Mindestlohn für qualifizierte Pflegehilfskräfte und Pflegefachkräfte. Das ist eine gute Idee. Doch um diese Arbeit attraktiver zu machen, muss deutlich mehr Geld rausspringen für Frauen und Männer, die mit so viel Liebe, Empathie und Kraft ihre Aufgaben erfüllen, die auch spätnachts Alte und Kranke umsorgen, die sich für andere aufopfern. 0,80 Euro mehr Lohn für qualifizierte Hilfskräfte - das wirkt wie ein schlechter Witz.

Noch peinlicher wird die Sache beim Bonus, mit dem die Bundesregierung die Leistung der Pflegekräfte in der Coronakrise anerkennen will. Seit Wochen wird darum gestritten, wer das bezahlt. Eine ehrlich gemeinte Anerkennung für das Engagement dieser systemrelevanten Menschen sieht anders aus.

Deutschland ist ein reiches Land, leider kommt bei denen, die es verdient haben, immer noch zu wenig Geld an. Kann nicht ein Wirtschaftswissenschaftler ein gerechteres Entlohnungssystem entwickeln? Mir würden einige Berufe einfallen, in denen ein zu hohes Gehalt üblich ist.

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Kommentare

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Diana Mois

Ich bin auch kein Freund dieser sogenannten "Bonuszahlungen"
Ein angemessener Lohn für einen Ausbildungsberuf in dermassen sensiblen Bereichen-sprich Pflege und Hilfe für Kranke,Alte,Behinderte,etc sollte selbstverständlich sein und wird ja auch schon lange eingefordert,aber nicht erhört.
Aber nicht nur der schnöde Mammon macht diese Berufe immer unattraktiver!
Mit welcher Motivation interessieren sich denn die jungen Leute für eine Ausbildung in den verschiedenen Pflegeberufen?Sie wollen Menschen helfen und sich um sie kümmern.
Was machen sie in der Realität?
Sie hetzen von einem zum anderen,alles muß minutiös geplant und eingehalten werden,
für Menschlichkeit ist kein Platz und keine Zeit mehr.
Anschließend muß auch noch alles dokumentiert und aufgeschlüsselt werden-der Patient/Mensch wird zur Nummer und oft fast schon zum Störfaktor!
So schmeißt manche Pflegekraft das Handtuch oder macht weiter bis sie/er völlig desillusioniert und selber krank wird.
Nicht nur bessere Bezahlung ist wichtig und richtig,sondern die ganzen Grundlagen müssen verbessert werden!

Doris Mois

22.04.2020