12.05.2020 - 18:44 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Kommentar zum Streit um Palmer: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

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Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer provoziert gerne. Regelmäßig kritisieren ihn die Grünen deswegen. Doch eine Partei, bei der heftige Diskussionen Tradition haben, sollte das aushalten, kommentiert Elisabeth Saller.

„Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären“, sagte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer. Die Grünen kritisieren deswegen ihn heftig.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil
Kommentar

Boris Palmer ist den Grünen wie Thilo Sarrazin der SPD: ein Parteimitglied ohne extrem bedeutendes Amt, aufmüpfig, gar rebellisch - und nicht still zu bekommen. Nach seiner Aussage über ältere Corona-Patienten will sich der baden-württembergische Landesverband von Palmer trennen. Er passt nicht mehr ins Programm.

Kaum eine andere Partei wirbt so sehr für Offenheit, Vielfalt, Toleranz für Minderheiten und Meinungen wie die Grünen. Doch der Tübinger Oberbürgermeister hat wohl eine Grenze überschritten. Die Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck versuchen, die Grünen in der politischen Mitte zu etablieren, bemühen sich, eine Volkspartei zu werden. Wähler über 60 darf man da nicht gegen sich aufbringen, gerade wenn die Umfragewerte sinken. Die Aussage eines Kommunalpolitikers - ob richtig oder falsch - stört da enorm. Doch die Grünen vergessen, dass es Palmers Art ist, immer wieder zu provozieren: Er kritisierte die Bahn-Werbung mit Menschen dunkler Haut, vergriff sich während der Flüchtlingskrise mehrmals im Ton.

Vielen Menschen im Südwesten kommt das bekannt vor. Palmers Vater Helmut, ein Obstbauer, war Querulant und Bürgerrechtler, trat als Einzelkandidat bei verschiedenen Wahlen an. Sein Spitzname: Remstal-Rebell. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das sollten die Grünen wissen. Und als Partei, in der leidenschaftlich geführte Debatten Tradition haben, einen Quertreiber aushalten.

Zum Artikel über den Aufruf zum Parteiaustritt von Boris Palmer

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