13.08.2019 - 13:29 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Die Freude, ein Leben zu retten

Tom Wenisch ist ein Lebensretter. Der gebürtige Konnersreuther hat Stammzellen gespendet. Mittlerweile weiß er auch, welche Nationalität sein genetischer Zwilling hat.

Tom Wenisch hat vor einigen Tagen in einer Dresdner Klinik Stammzellen gespendet. Über drei Stunden saß er an einer Art Dialysegerät, das ihm aus dem Blut die Stammzellen filterte.
von Martin Maier Kontakt Profil

Damit hatte Tom Wenisch nicht gerechnet: Nachdem er Ende Juli zur Stammzellenspende in einer Dresdner Klinik war, postete er kurz darauf ein Foto von sich mit dem Hinweis "Stäbchen rein - Spender sein" auf Facebook. "Die Reaktionen waren überwältigend. Das war Wahnsinn", freut sich der gebürtige Konnersreuther, der mittlerweile in Oberndorf (Gemeinde Störnstein) wohnt.

Wenisch spricht von einer "völlig neuen Erfahrung" und "großem Glück", wenn er an seine Stammzellenspende denkt. "Ich durfte einem Menschen helfen", bringt es der 30-Jährige auf den Punkt. Er hatte sich schon vor über zehn Jahren während seiner Bundeswehrzeit bei der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) registrieren lassen. Schon vor einigen Jahren war er einmal in der engeren Auswahl, "aber das war damals leider kein Treffer".

Genetischer Zwilling

Umso glücklicher ist der Stiftländer, dass er nun helfen konnte. Laut DKMS erhält alle 15 Minuten ein Mensch in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Viele Patienten sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellspende ist. Doch jeder zehnte Patient findet keinen Spender. "Das ist schon krass. Daher sollten sich noch viel mehr Leute in die Datenbank aufnehmen lassen."

Vor rund drei Monaten kontaktierte ihn die DKMS und eröffnete, dass er möglicherweise als Spender infrage kommt. Sein Hausarzt zapfte ihm Blut ab und Wenisch schickte die Proben ein. Vier Wochen später meldete sich die Organisation wieder, dass sein Blut zu 100 Prozent übereinstimme. Der 30-Jährige, der bei Hatico in Tirschenreuth im Vertrieb arbeitet, hatte seinen genetischen Zwilling gefunden.

"Das hat mich am Anfang schon ein wenig überfordert", erinnert er sich an den Anruf. "Aber ich war happy, dass ich jemandem helfen kann." Kurz darauf schickte die DKMS ihm noch einiges an Informationsmaterial zu. Danach stand für ihn fest: "Ich spende." Zur Voruntersuchung ging es in eine Klinik nach Dresden. Dort überprüften die Ärzte die körperliche Fitness von Wenisch. Für den Sportler, er spielt für die VGF Marktredwitz in der Regionalliga Volleyball, stellte dies keine hohe Hürde dar.

Zwei Wochen später, Ende Juli, fuhr Wenisch mit einer Begleitperson wieder in die sächsische Landeshauptstadt. Über drei Stunden saß er an einer Art Dialysegerät, das ihm aus dem Blut die Stammzellen filterte. Schon vier Tage vorher hatte sich der Stiftländer immer wieder ein spezielles Mittel spritzen müssen, das die Stammzellen mobilisiert.

"Danach war ich schon ein bisschen k.o., aber es war auszuhalten. Es war nicht schlimm. Vor allem wenn man bedenkt, was der Patient schon hinter sich hat und auch noch vor sich hat." Letztendlich habe er keinerlei Einschränkungen gehabt.

Mittlerweile weiß er, dass sein genetischer Zwilling in Amerika wohnt. Das wurde ihm nach der Spende mitgeteilt. Eine Kontaktaufnahme ist erst nach zwei Jahren erlaubt. Voraussetzung ist beidseitiges Einverständnis. "Vorher wäre das für den Patienten zu emotional", weiß Wenisch. Er bekommt aber schon jetzt immer wieder Updates, wie es dem Patienten geht. "Was ich noch sehr wichtig finde, dass bei einer Stammzellenspende die Herkunft einer Person keinerlei Rolle spielt", setzt der 30-Jährige auch ein Zeichen gegen Rassismus.

Wichtig ist es dem Volleyballer zudem, auf den Unterschied zwischen Stammzellen- und Knochenmarkspende hinzuweisen. Denn auch in seinem Bekanntenkreis habe er feststellen müssen, dass dies vielen nicht ganz klar sei. Er vermutet, dass sich deswegen einige nicht registrieren lassen (Hintergrund).

Sehr gute Betreuung

Die Betreuung durch die DKMS während der vergangenen Wochen bezeichnet Wenisch als sehr gut. Alles sei top organisiert gewesen. "Sie hat meine Erwartungen vollkommen übertroffen." Auch würde sich die DKMS um alle anfallenden Kosten von Unterkunft bis Verdienstausfall kümmern. "Die Abrechnung läuft komplett über sie. Aber man kann natürlich auch etwas spenden."

Zum Abschluss des Gesprächs mit dem "Neuen Tag" ruft er noch einmal auf, sich registrieren zu lassen. "Das ist erstmal nur eine Aufnahme in die Kartei ohne jegliche Zusage einer Spende. Das ist das mindeste, was man machen kann." Wenn man sich vorstelle, welche Strapazen der Empfänger der Stammzellen bereits auf sich genommen beziehungsweise noch vor sich habe, "ist das der einfachste Weg, jemandem Lebenszeit zu schenken. Zeit mit seiner Familie, Freunden oder Angehörigen".

Hintergrund:

Stammzellen und Knochenmark

In rund 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen laut DKMS-Homepage der Blutbahn entnommen. Es ist keine Operation notwendig. Bei der Knochenmarkspende wird dem Spender unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel aus dem Beckenkamm Knochenmark entnommen. Dabei genügen normal zwei kleine Einschnitte im Bereich des hinteren Beckenknochens.

Welches Entnahmeverfahren gewählt wird, richtet sich in erster Linie nach den Bedürfnissen des Patienten beziehungsweise der sich daraus ergebenden Anforderung seiner Ärzte. Beide Transplantate enthalten die gleichen Blutstammzellen, aber auch andere Zellen wie Lymphozyten und andere Stammzellen, und deren Zusammensetzung ist unterschiedlich.

Knochenmark verursacht weniger Abstoßungsreaktionen, damit aber auch weniger erwünschte Immunreaktionen gegen die Leukämie und die Zeit der fehlenden Immunabwehr nach der Spende ist länger. Daraus ergibt sich als grobe Regel: Je jünger der Patient (Abstoßung problematischer), und je weniger bösartig die Erkrankung ist, desto eher will man mit Knochenmark transplantieren.

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