Wenig ist los auf dem Therese-Neumann-Platz, dessen Namensgeberin weltbekannt wurde unter dem Namen Resl von Konnersreuth. Ihr Geburtshaus steht eine Woche vor ihrem 60. Todestag trist im herbstlichen Wetter. Zurzeit hat es keine Ziegel auf dem Dach, es wird saniert. Resl hat dort ihr ganzes Leben verbracht: gelähmt und erblindet als schwerer Pflegefall, in den Augen ihrer Anhänger stigmatisiert mit den Wundmalen Jesu, gestorben als tausendfach verehrte Heilsbringerin und bis heute beschimpft als Täuscherin.
Hatte diese Frau einen besonderen Draht nach oben? Kann sie seliggesprochen werden? Seit 2005 läuft dazu die offizielle Untersuchung der katholischen Kirche. Für Außenstehende macht dieser Vorgang denselben Eindruck wie derzeit das Reslhaus: Er ist in Bearbeitung, aber was genau vorgeht, kann man nicht erkennen: Ist das Verfahren bald abgeschlossen? Wird es von der Kirche absichtlich verlangsamt, weil sie selbst Zweifel hat? Steht der Prozess still?
Erster Anlaufpunkt für diese Fragen ist Domvikar Georg Schwager. Er ist der Leiter der Abteilung Selig- und Heiligsprechungsprozesse der Diözese Regensburg. Mit ruhiger Stimme und geduldigem Ton erklärt er am Telefon den Zweck der Selig- und Heiligsprechungsverfahren für die Kirche: "Der Prozess dient nur der Wahrheitsfindung." Die Nähe zur Gerichtssprache ist dabei kein Zufall. Jeder dieser Vorgänge ist für die Kirche nicht nur ein bürokratischer Akt, sondern ein Gerichtsverfahren, dem auf Ebene der Diözese der Bischof als oberster Richter vorsitzt.
Verfahrenslänge äußerst variabel
Am 13. Februar 2005 verkündete der damalige Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller: "nihil obstat", die Bestätigung aus dem Vatikan, dass einem Seligsprechungsverfahren "nichts im Wege steht". Das Verfahren in der Diözese konnte starten. Das ist über 15 Jahre her. Warum dauert das so lange? Andere Personen sind viel schneller seliggesprochen worden: Der frühere Papst Johannes Paul II wurde 2011 nach sechs Jahren seliggesprochen, Mutter Teresa im Jahr 2003 nach nur vier Jahren. Blickt man auf die Diözese Regensburg, dauerte das letzte erfolgreiche Seligsprechungsverfahren, der Fall Anna Schäffer aus Mindelstetten (Landkreis Eichstätt), 26 Jahre, von 1973 bis 1999. Doch es geht auch noch länger, wie das Informationsportal der katholischen Kirche in Deutschland, "katholisch.de", verdeutlicht: Das Verfahren "kann sich durchaus in die Länge ziehen – Jahrzehnte sind da gar nichts".
"Alles muss erhoben werden"
In Resls Fall laufen die Untersuchungen jedenfalls noch auf Ebene der Diözese. Ein Grund dafür ist laut Domvikar Schwager die Bekanntheit der Konnersreutherin. Vieles wurde ihr zugesendet, viel wurde über sie geschrieben und vieles auf Fotos oder Film festgehalten - nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Anders als bei einem Papst oder einer weltbekannten Ordensschwester wurde bei ihr nicht protokolliert, wer was zum Fall Therese Neumann gesagt oder geschrieben hat. Dies muss die historische Kommission seit 2005 erfassen, sichten und daraufhin beurteilen, ob Resl die christlichen Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung) in außergewöhnlicher Form gelebt hat. Dabei darf die Kommission kein Dokument auslassen, weil es zum Beispiel negativ über die Resl berichtet oder ihre Phänomene anzweifelt. "Auch wenn es manchen nicht schmeckt, alles muss erhoben werden", sagt Domvikar Schwager bestimmt. Wer sich nicht daran hält, breche den Eid, den er für das Seligsprechungsverfahren vor Gott geschworen hat, erklärt der Kirchenmann. Dies gelte auch für das Veröffentlichen von Vorgängen aus der Kommission.
Auch Corona hatte seinen Anteil
Deshalb hüllt sich auch Toni Siegert, früherer Journalist und Mitglied der historischen Kommission, in Schweigen, wenn es um irgendwelche Mengenangaben oder Zeiteinschätzungen zum Verfahren geht. Im Jahr 2019 sagte er Oberpfalz-Medien, dass es noch 25000 Blatt gebe, die teilweise schwer zu entziffern seien. Jetzt sagt er: "Viele Dinge sind erst die letzten zweieinhalb Jahre aufgetaucht." Zusätzlich verweist er auf einen Verzögerungsgrund, den mittlerweile wohl jeder erlebt hat - Corona. Denn auch die Archive seien geschlossen gewesen. Deshalb würden immer noch Akten aus verschieden Archiven, zum Beispiel aus Kolumbien oder dem Vatikan fehlen.
Abbruch des Verfahrens noch möglich
Selbst wenn die Kommission schnell ist, ist damit das Seligsprechungsverfahren noch lange nicht abgeschlossen. Ist der Vorgang im Bistum Regensburg beendet, werden die Akten nach Rom geschickt und im Vatikan noch einmal gesichtet und geprüft. Wie akribisch und genau diese Prüfung sein kann, musste im Sommer dieses Jahres das Erzbistum Paderborn erfahren: Das Verfahren für seinen Kandidaten zur Seligsprechung, Franz Stock, wurde vom Vatikan eingestellt.
An Resls Geburtshaus in der Mitte von Konnersreuth ist noch einiges zu sanieren. Auch dieser Prozess wurde durch Corona verzögert und wird noch ein bis zwei Jahre dauern. Doch ob es nach der Sanierung schon das Geburtshaus einer Seligen sein wird, bleibt fraglich.
Therese Neumann
- Geboren am 8. April 1898 in Konnersreuth, im Taufregister ist ihr Name bayerisch eingetragen: "Theres Neumann"
- Von 1904 bis 1911 Besuch der Volksschule, frühzeitig Wunsch nach Wirken als Missionsschwester in Afrika
- 1918 begann sie, nach einem Arbeitsunfall krank zu werden. Resl wurde zu einem Pflegefall, war gelähmt, blind
- 1919 lautet der Befund ihres Hausarztes Dr. Otto Seidl im Gutachten für die Unfallrente: hysterische
Neurose; Befund wird später immer wieder aufgegriffen - 1923 wird sie von der Blindheit geheilt, 1925 von den Lähmungen
- Ab Frühjahr1926 treten Phänomene und Visionen auf, ab Weihnachten ist tägliche Kommunion angeblich einzige Nahrung
- 1927 erstellt Seidl Gutachten zur Nahrungslosigkeit für Regensburger Bischof: Nach der Untersuchung vom 13. bis 28. Juli 1927 stellt der Arzt fest, dass im Beobachtungszeitraum keine Nahrungsaufnahme stattfand.
- Zwischen 1933 bis 1945 leistet sie Widerstand gegen die Nazis
- Am 18. September 1962 stirbt sie an einem Herzinfarkt
- 2022 äußert Otmar Seidl, Enkel des Hausarztes, in einem Bayern2-Radiobeitrag Zweifel an Resl Nahrungslosigkeit, da die Untersuchung 1927 Lücken in der Beobachtung aufweise.

























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