30.12.2018 - 14:57 Uhr
Kornthan bei WiesauOberpfalz

1100 Gulden für Kornthaner Fischweiher

Einem Zitat folgend darf sich Kornthan als das wohl „schönste Fischerdorf Altbayerns“ bezeichnen. Seit einigen Monaten darf sich das Dorf auch „Genussort“ nennen. Wohl unbemerkt ging aber ein bedeutendes Jubiläum eher achtlos vorbei.

Das alte Bild zeigt die öffentliche Badeanstalt „Kornthaner Weiher“ mit den Kabinen. Vorne ist das 1935 angeschaffte Ruderboot zu sehen.
von Werner RoblProfil
Durch seine Lage am Weiher gilt Kornthan als das wohl „schönste Fischerdorf Altbayerns“.

Ein Blick in die Ortschronik verrät, dass der Kornthaner Fischweiher 1618, also vor genau 400 Jahren, vom damaligen Besitzer Pfalzgraf Friedrich V. für 1100 Gulden von den Bauern des Ortes zurückgekauft wurde. Der "Winterkönig" genannte Adelige hatte sich um die Böhmische Königskrone beworben und dafür brauchte er angeblich Geld. So wenigstens wurde es erzählt.

Seitdem ist der rund 14 Hektar große Teich in Privatbesitz und wird von vier Landwirten gemeinsam bewirtschaftet. Wenige Jahre lang diente der "Kornthaner" - neben seiner Eigenschaft als Fischweiher - aber auch als beliebtes, heute aber vergessenes Sommer-Naherholungsgebiet.

Schon immer boten sich die zahlreichen Wasserflächen rund um Wiesau auch als Badegelegenheit an. Das sogenannte "wilde Baden" aber war manchem ein Dorn im Auge. Ein prominenter Kritiker war Pfarrer Joseph Wänninger, der sich in einem Schreiben vom 2. Juli 1924 an die Gemeinde Wiesau wandte und dort von Beschwerden seitens der Bevölkerung berichtete.

"Beide Geschlechter baden oft nahe beieinander, nachher laufen Knaben den Mädchen im Freien nach." Diese bedauerlichen Vorkommnisse müssten unbedingt verhindert werden, forderte der Geistliche. Schon damals empfahl Wänninger einen geregelten Badebetrieb, mit "billigen" Eintrittspreisen. Die Gemeinde nahm den Vorschlag auf. Ernsthaft wurde die Idee - wenn auch Jahre später - weiter vorangetrieben. Nach zähen Pachtverhandlungen entschloss man sich schließlich für einen geregelten Badebetrieb am Nordufer des Kornthaner Weihers.

Man ließ Badekabinen und je einem Umkleideraum für Damen und Herren errichten. Das gepachtete Grundstück wurde eingefriedet. Für den Badebetrieb erließ die Gemeinde eine eigene Badeordnung. Beschäftigt wurde danach auch ein Badewärter, der für die Sicherheit und für die Reinigung der Anlage verantwortlich war. Im Zuge der Inbetriebnahme wurde auch eine Gebührenregelung eingeführt: 1935 kostete der Eintritt für Kinder 5 Pfennige. Für die älteren Gäste verlangte man doppelt soviel. Für die Nutzung der Kabinen waren weitere 25 Pfennige zu entrichten. Auf Anregung des Fremdenverkehrsvereins konnte 1935 auch ein Ruderboot (von der Bevölkerung "Kahn" genannt) angeschafft werden, das für 60 Pfennige pro Stunde gemietet werden konnte.

Der Betrieb florierte. Vier Jahre nach Kriegsbeginn jedoch folgte das Aus der beliebten, gemeindlichen Einrichtung, an die heute nur noch einige Bilder erinnern.

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