27.06.2019 - 18:21 Uhr
Kornthan bei WiesauOberpfalz

Teichwirte im Stiftland wollen Bio-Karpfen auf den Weg bringen

Die Öko-Modellregion Stiftland soll nun langsam mit Leben gefüllt werden. Eine wichtige Rolle bei den Überlegungen spielt der Fisch, und hier natürlich der Karpfen. Die Teichwirte wollen das Thema mit einem ranghohen Politiker erörtern.

Karpfen wachsen langsam heran. Drei Jahre dauert es, bis aus einem Setzling ein schlachtreifer Fisch geworden ist. Doch um ein Bio-Siegel zu erhalten, müssen noch mehr Faktoren erfüllt sein.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Umweltminister Thorsten Glauber kommt am Freitag, 28. Juni, zu Gesprächen in den Landkreis. Der gebürtige Forchheimer wird sich in Kornthan und Friedenfels mit Erzeugern aus der Region treffen. Der Besuch kommt auf Initiative des Landtagsabgeordneten Tobias Gotthardt zustande, der den Stimmkreis für die Freien Wähler mit betreut. Ziel ist es, bei der Fischzucht Betriebe ganz auf biologische Produktion umzustellen.

Bestand gefährdet

Die Erwartungen der Teichwirte an den Besuch sind hoch. Sie hoffen auf konkrete Ergebnisse, denn die wirtschaftliche Situation spitzt sich in vielen Betrieben weiter zu. Die Oberpfalz ist eines der europäischen Zentren der Karpfenteichwirtschaft. "Seit fast 1000 Jahren prägt diese Sonderkultur die Region und viele Generationen von Teichwirten verdienten sich so ihren Lebensunterhalt. Seit mehreren Jahren sind der Bestand der Fischereibetriebe in der Oberpfalz und die Weiterführung in der nächsten Generation stark gefährdet", erklärt Hans Klupp, Vorsitzender des Fischerzeugerrings in der Oberpfalz. Im Landkreis Tirschenreuth bestehen derzeit nach seinen Angaben immer noch mehr als 800 Fischereibetriebe.

"Ranger" im Einsatz

Steigende Preise für Betriebsmittel und ein seit Jahren fast gleichbleibender Karpfenpreis hätten die wirtschaftliche Situation der Teichwirtschaft deutlich verschlechtert. "Eine rentable Produktion von Speisekarpfen ist kaum mehr möglich", beklagt Klupp. Der Landkreis Tirschenreuth versuche deshalb seit Jahren, den Teichwirten zu helfen und die traditionelle Bewirtschaftungsform zu bewahren. Sogar ein Wildtiermanager sei auf Kosten des Landkreises eingestellt worden. Dieser "Ranger" kümmere sich im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten um ein Bestandsmanagement der "Problemarten" Biber und Kormoran. Für ein derartiges Modell sollte künftig der Freistaat Mittel bereitstellen, heißt es von den Teichwirten.

Der Minister wird zuerst am Kornthaner Weiher erwartet. Anschließend sind Gespräche in der Schlossschänke in Friedenfels geplant. Erwartet werden dazu auch Hubert Heigl von Naturland Deutschland und BBV-Kreisobmann Ely Eibisch.

Tobias Gotthardt ist zuversichtlich, dass der Austausch wichtige Impulse in die Landeshauptstadt bringt. "Minister Glauber ist es ein Anliegen, die Probleme der Teichwirte direkt vor Ort an der Basis zu erfahren und dann geeignete Lösungsmodelle entwickeln zu können." Als er bei Glauber wegen des Termins angefragt habe, habe dieser nicht lange überlegt. "Er sagte mir sofort für dieses wichtige Themenfeld zu." Der Minister räumt nach eigenen Angaben der Teichwirtschaft einen hohen Stellenwert ein. Sie sei nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern leiste auch einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in Bayern. Glauber: "Teiche können wertvolle Kulturlandschaften und einzigartige Ökosysteme sein."

 

 

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