Fronberg bei Schwandorf
04.10.2022 - 16:17 Uhr
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Von einer Krise in die nächste: Wie kommen Vereine im Landkreis Schwandorf damit zurecht?

Erst Corona-, nun Energiekrise: Die Vereine geraten von einer schwierigen Phase in die nächste. Dazu kommen Anliegen, die Vereinen schon zu "normalen" Zeiten Probleme machen. Oberpfalz-Medien hat nachgefragt, wie die Lage ist.

Schon der ewige Stillstand während der Corona-Pandemie weckte Befürchtungen: Kommen Vereinsmitglieder "auf den Geschmack", dass es auch ohne den Verein ganz schön ist? Werden die Mitglieder wieder als Aktive zurückkehren? Kann man finanzielle Verluste kompensieren? Die Corona-Regeln sind jetzt wieder gelockert, doch für die Vereine geht es vom Regen in die Traufe: Nach Corona kommt die Energiekrise, dazu Probleme, die Vereine zu jeder Zeit beschäftigen. Oberpfalz-Medien hat nachgefragt, wie Vereine im Landkreis Schwandorf das bewältigen – oder auch nicht.

Die Soldaten- und Kriegerkameradschaft (SuKK) Schwarzhofen etwa ist Geschichte. Vor einigen Wochen hat sich der Verein per Mitgliederabstimmung aufgelöst, erzählt Vorsitzender Gerhard Würl. Freilich habe die Corona-Pandemie in den vergangenen Jahren Probleme gemacht: "Keiner wollte sich mehr hinstellen und für die Kriegsgräber sammeln", erzählt er. Die Mitglieder hatten befürchtet, dass sie beim Sammeln in Kontakt mit vielen Menschen kämen und sich mit dem Coronavirus anstecken könnten. "Zu Recht", betont Würl. Und auch beim Volkstrauertag, wenn eigentlich gemeinsam zum Kriegerdenkmal marschiert wird, war weniger los. "Bei diesen Sachen hat Corona schon Nachwirkungen."

Weitere Faktoren

Zur Auflösung haben aber mehrere Gründe beigetragen. Zum einen wäre da die Überalterung, ein Problem, das viele Kriegerkameradschaften teilen. Kein Mitglied der SuKK Schwarzhofen war noch unter 50, Nachwuchs zu begeistern, ist schwierig – das habe sicherlich auch mit dem Aussetzen der Wehrpflicht zu tun, schätzt Gerhard Würl. Der schwerwiegendste Grund für die Auflösung war aber wohl, dass niemand mehr Verantwortung im Verein übernehmen möchte. "Wir haben keine Vorstandschaft mehr gefunden." Wenn im Verein etwas passiert, ist es möglich, dass die Vorstandschaft dafür haften muss. "Es gäbe schon Leute, die gerne ehrenamtlich arbeiten. Aber so sagt doch jeder: 'Ich bin doch nicht blöd'", meint Würl. Wenn bei einem veranstalteten Fest etwas passiert oder jemand bei Arbeiten verletzt wird, können dafür die Vorsitzenden belangt werden – Würl kennt Beispiele, in denen Schmerzensgeld bezahlt werden musste. Dazu wolle sich niemand mehr bereiterklären. "In fünf bis zehn Jahren wird das noch ein viel größeres Problem, mit dem Vereinssterben."

Auch in anderen Vereinen ist Gerhard Würl aktiv, zum Beispiel im Kulturförderkreis Schwarzhofen, der die Trojaburg bei Uckersdorf betreut. Hier ist man ebenso von der Corona-Pandemie betroffen. Das Fest zur Sommer- und Wintersonnenwende fiel während dieser Zeit flach. Theoretisch wollte Würl es danach wieder einführen. "Aber wenn so etwas mal abgerissen ist, ist ein Neustart schwieriger. Ich sehe da jetzt keinen Erfolg", sagt Würl. Die Resonanz der sonst beteiligten Mittelaltergruppen sei momentan nicht allzu groß, vor der Pandemie war da deutlich mehr Motivation. Und auch die Mithelfer haben sich in der Zeit zerstreut. "Man mag es bedauern, aber das kann man nicht ändern."

Wenige Probleme machte die Pandemie dafür dem ASV Fronberg. Der Sportbetrieb war zwar betroffen, finanziell ist der Verein jedoch gut durch die Krise gekommen, auch Mitgliedereinbußen gab es kaum – im Gegenteil, dieses Jahr war die Nachfrage noch größer als vor Corona. Dafür trifft den Verein die nun folgende Energiekrise umso härter. Der ASV mit Abteilungen für Fußball, Gymnastik und Kegeln muss große Gebäude unterhalten – der Gasabschlag stieg im September von vorher gut 500 Euro auf nun über 900 Euro. "Das kann man kaum stemmen", sagt Vorsitzender Manfred Peter.

Der Bayerische Landessportverband (BLSV) gibt Ratschläge und verschickt Poster mit Sprüchen wie "Ich bin kein Warmduscher" oder "Der letzte macht das Licht aus". "Das stößt uns schon sauer auf", sagt Peter. "Sparen ist schön und gut", es brauche jedoch auch Unterstützung für die Vereine. Die Vereinspauschale – während Corona war diese erhöht – wurde aber dieses Jahr wieder gekürzt. "Das hätte beibehalten werden sollen." Stattdessen rät der BLSV, die Mitgliederbeiträge zu erhöhen. "Aber die Leute haben derzeit sowieso mit der Inflation zu kämpfen. Da werden wir viele Austritte bekommen, wenn die Belastung höher wird." So eine Misere hätte es in seinen 55 Jahren als Vereinsfunktionär noch nicht gegeben, sagt Manfred Peter.

Keine Auflösungswelle

Alle eingetragenen Vereine aus dem Landkreis Schwandorf werden beim Amtsgericht in Amberg im Vereinsregister geführt. Dort wird zwar keine Statistik über die Zahl der Auflösungen geführt. "Aber gefühlsmäßig gibt es nicht mehr Auflösungen als früher", sagt eine Sprecherin. Auch eine Nachfrage von Oberpfalz-Medien bei Bürgermeistern im Landkreis Schwandorf ergab nicht das befürchtete Vereinssterben. "In Summe denke ich gehen die Vereine positiv gestimmt aus Corona heraus", sagt etwa Schwarzenfelds Bürgermeister Peter Neumeier. Das sei Tenor eines Vereinsvorständetreffens gewesen. Aber "es gibt mehrere Vereine in Schwarzenfeld, bei denen ein Generationswechsel schon vor Corona anstand". Diesen hätte etwa der Schwarzenfelder Schnupferclub nicht mehr vollziehen können, anderen Vereinen gelang es durchaus wieder, eine neue Vorstandschaft zu finden.

Auch Nabburgs Bürgermeister Frank Zeitler ist kein Verein bekannt, der wegen Corona vor der Auflösung steht. "Die 'Aktiven' sind aktiv geblieben, so ist zumindest mein Eindruck." Sicherlich gebe es Sorgen in den Vereinen – Nachwuchs, Inflation –, dennoch sei das Vereinsleben noch stark. Ähnlich schätzt auch Bürgermeister Richard Tischler die Situation in Pfreimd ein – ja, es gibt Schwierigkeiten, aber zu Auflösungen sei es noch nicht gekommen.

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