20.10.2019 - 15:50 Uhr
KrummennaabOberpfalz

100 Jahre innere Kraft der SPD

Arbeitern war es zu verdanken, dass vor 100 Jahren der SPD-Ortsverein gegründet wurde. Gefeiert wurde jetzt mit einem großen Festakt in der Mehrzweckhalle. „Wir kennen jetzt auch unseren Patenverein“, wurde eine Überraschung angekündigt.

von Werner RoblProfil

Bereits im Vorfeld hatte Bürgermeister und SPD-Vorsitzender Uli Roth angedeutet, dass es Überraschendes und Wissenswertes über die Geschichte des SPD-Ortsvereins zu sehen und hören geben wird. Roth hatte viele Stunden am Schreibtisch verbracht, um das vorhandene Material zusammenzutragen und zu sichten und in eine Präsentation zu packen. Vorstellen wollte er sein Ergebnis erst später.

Der Festakt startete mit einem Bayerischen Abend mit viel Musik, dargeboten von der Reuther Jugendblaskapelle unter der Leitung von Peter Dotzauer. Verbunden wurde der Anlass mit einer Ausstellung historischer Exponate, darunter auch ein blaues Schulschreibheft mit Mitgliedernamen, Fotos, Dokumente und sogar ein Parteibuch, in dem sich Herbert Wehner verewigt hatte. Man könne das alles in Ruhe anschauen, verwies Roth auf "sein" kleines Museum der SPD-Ortsgeschichte.

Pate des Ortsvereins

Die Krummennaaber Sozialdemokraten hatten alles aufgeboten, um aus dem Jubiläum einen großen Tag zu machen. Gekommen waren, neben vielen anderen, MdB Uli Grötsch, MdEP Ismail Ertug, MdL Annette Karl, Bezirksrätin Brigitte Scharf und Vertreter aus den Reihen der Kommunalpolitik rund um Krummennaab. Gekommen, um mit der SPD mitzufeiern, war auch eine ansehnliche Delegation des CSU-Ortsverbandes mit zweitem Bürgermeister Reinhard Naber.

"Seit wenigen Tagen - aufgrund meiner Recherchen - wissen wir auch, dass der Ortsverein einen Paten hat", erklärte Roth und zeigte auf die Gäste von der Windischeschenbacher SPD. "Vielleicht gelingt es uns, die Patenschaft und die Freundschaft wieder aufleben zu lassen", bat er den Vorsitzenden des Nachbarvereins, Stefan Seitz, nach vorne zu kommen.

"Die gesamte politische Spitze gibt sich heute ein Stelldichein", sagte Roth. Die wochenlangen Vorbereitungen hatten sich gelohnt. "Wir haben alle Kanäle bespielt, um dem Anlass einen würdigen Rahmen zu verleihen." Ihm war es anzusehen, dass er zufrieden war. "Trinken Sie heute am Kirchweihsamstag eine Geburtstags-Mass mit uns mit."

Applaus brandete auf, als die Landesvorsitzende und MdL Natascha Kohnen händeschüttelnd durch die Reihen ging und wenig später die Bühne betrat. "Hier zu sein ist auch ein Zeichen von Respekt vor den Säulen der Demokratie", bekannte Kohnen, um in eine rund 20 Minuten dauernde Rede einzutauchen.

"Freunde in der Not"

"Herzlichen Dank, dass ich hier und heute die Festrede halten darf. Es ist mir eine große Ehre", sagte Kohnen. Man nenne sich Genossen, erklärte die Rednerin. Das Wort bedeute "Freund in der Not" .

Kohnen schilderte ihre Beweggründe, Sozialdemokratin zu werden. "Dazu gehörten auch die Erlebnisse in Wackersdorf", warf sie einen Blick zurück. Besucht habe sie das Baugelände seinerzeit als Jugendliche, um sich mit Freunden lediglich ein Bild davon zu machen. "Wir wussten nicht was uns dort erwartet. Was ich dort gesehen habe, war für mich unvorstellbar. In dem Moment ist mir klar gewesen, dass wir unser Land mitgestalten wollten, denn so wollten wir es nicht haben." Wenn jemand dieses Land verändern könne, dann können es nur die Sozialdemokraten sein. Es gebe auch einen weiteren Grund dabeizubleiben: "Den feiern wir heute, das ist die Geschichte der SPD. Heute befassen sich die Schulen viel zu wenig mit der politischen Bildung." Das sei bedauerlich.

Aus Geschichte lernen

"Die SPD hat viel erreicht." Sie sei aus einer Arbeiterbewegung heraus entstanden. Das Frauenwahlrecht sei von den Sozialdemokraten erkämpft worden. Es sei an der Zeit, sich an die sozialen Instrumente der SPD zurückzuerinnern. Den Angstmachern müsse Einhalt geboten, das Vertrauen der Bürger zurückgewonnen werden. "Ich bin in tiefer Sorge, wie sich die Demokratie in unserem Land entwickelt", beleuchtete sie zudem auch die Wahlen in Brandenburg und Sachsen. "Das sind Vorläufer." Kohnen forderte: "Wir müssen den Staat wieder ins Gleichgewicht bringen und ihn wieder zu einem Sozialstaat machen." Man könne nicht die Zukunft gestalten, ohne die Vergangenheit zu kennen. "Wir müssen aus der Geschichte lernen, die Fehler benennen und klarstellen."

Den demokratiegefährdenden Strömungen erteilte sie eine deutliche Absage. "Schauen wir in unser eigenes Land, erkennen wir, was hier passiert", erinnerte die Sprecherin auch an die jüngsten Nachrichten aus Halle. "Gesundheit, Pflege, Mobilität muss man sich auch weiterhin leisten können. Ein Sozialstaat muss seine Bürger umarmen und tragen", fasste sie zusammen. "Die innere Kraft der SPD ist der Ortsverein", gratulierte Kohnen der Krummennaaber SPD zum 100. Geburtstag.

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Rückschau

Zweifellos ein weiterer Höhepunkt war der anschließende Rückblick auf die bewegte Geschichte des Ortsverein. Uli Roth hatte sich viel Mühe gegeben, sogar das Vereinsbanner hatte er aufstellen lassen. Daten und Fakten, Namen und Ereignisse hatte er zusammengetragen, um sie Revue passieren zu lassen. Die Chronik war aber nicht vollständig. „Ein Ordner ist wohl verschollen“, bedauerte Bürgermeister Roth.

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Roth und seine Spieluhr

Uli Roth ließ eine Spieluhr ablaufen, die er mit folgenden Worten begleitete: „Auch in politisch schwierigen Zeiten darf man zurecht darauf verweisen, dass die SPD mit ihrer einmaligen Geschichte eine stolze Partei ist. Wir setzen uns ein für Grundwerte, die zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort wichtig sind: Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit. Ohne die SPD gäbe es kein friedliches, freiheitliches, demokratisches und wiedervereintes Deutschland. Doch entgegen aller Unkenrufe: Wir werden weiterhin gebraucht. Die SPD hat an vielerlei Stellen zur Verbesserung des Lebens der Menschen beigetragen. Daran werden wir auch in Zukunft weiter mitarbeiten.“ Mahnend sagte Roth. „An Euch: Ihr Hater, Klimaleugner, Anti-Europäer und Rechtspopulisten: Die Sozialdemokratie war und ist ein Garant für Frieden und die Einigung Europas, die SPD wird sich auch weiterhin einsetzen für ein gegenseitiges Zusammenleben ohne Vorurteile, Vorverurteilungen und Ausgrenzungen. Auf weitere 100 Jahre SPD in Krummennaab.“

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Ehrungen

In den weiteren Mittelpunkt rückte die Ehrung verdienter Mitglieder: Ausgezeichnet für 55 Jahre Mitgliedschaft wurde Ehrenmitglied Josef Fenzl, der am 1. Januar 1964 eingetreten war. Für 60 Jahre Treue wurde Fritz Lehner geehrt. Er konnte der Feier aber nicht beiwohnen. Eingetreten sei er am 1. Januar 1959, informierte Uli Roth. „Wir werden die Ehrung nachreichen“, versprach der SPD-Vorsitzende und Bürgermeister.

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