04.04.2019 - 09:59 Uhr
KrummennaabOberpfalz

"Schockstarre" in der SPD

Während in anderen Gemeinde schon fleißig die Kandidaten für den Kommunalwahlkampf in Stellung gebracht werden, wird in Krummennaab noch taktiert. Der Rückzug des bisherigen Bürgermeisters Roth hat für verhärtete Fronten gesorgt.

Lehrer, Bürgermeister und Familienvater – das geht auf Dauer an die Substanz. Im Zuge der Kommunalwahl im nächsten Jahr will Uli Roth die Verantwortung in Krummennaab abgeben.
von PMLProfil

Nach zwölf Jahren tritt der bisherige Bürgermeister Uli Roth nicht mehr zur Kommunalwahl an. Seine Ankündigung hat den SPD-Ortsverein und die anderen Gemeinderatsfraktionen "in Schockstarre" versetzt. Roth, der auch Vorsitzender der örtlichen SPD ist, berichtet von einer geradezu depressiven Stimmung in seiner Truppe. Er selbst habe in den 18 Jahren, in denen er in der Kommunalpolitik aktiv war, "so viel Zeug bewegt. Da dürfen gerne mal wieder andere ran".

Genauere Gründe möchte er nicht nennen: "Es gibt über 1000, aber da ist nichts Presse-Relevantes dabei." Über einen möglichen Nachfolger aus den Reihen der SPD weiß er auch noch nichts zu berichten. Im Gegenteil: "Einige der Gemeinderäte haben jetzt ebenfalls angekündigt, sich nicht mehr aufstellen zu lassen - es gärt und rumort überall." Einen Wunschnachfolger habe er nicht, und bislang habe auch noch niemand aus der SPD-Fraktion signalisiert, dass er sich die Position des Listenführers für die Kommunalwahl im nächsten Jahr zutraut.

Das Problem sei hausgemacht: Die Kommunalpolitik im Ort habe die Verjüngung verpasst und "wenn jetzt die Alten auf einmal alle weg sind, haben die Jungen zu viel Respekt davor, sich für ein Amt aufstellen zu lassen", beschreibt Roth die aktuelle Situation. Dabei bräuchte es nur zwei oder drei "der alten Haudegen", die weitermachen wollen, dann würde es schon besser werden und würden sich Freiwillige finden lassen. Aber aktuell sei keiner zu einer definitiven Äußerung bereit.

"Eigentlich zu alt"

Auch in der Fraktion der Freien Wähler, die Herbert Mattes vertritt, gibt es noch keine Entscheidung, ob und mit welchen Kandidaten sie zur Kommunalwahl antreten werden. Für den 27. April ist eine Versammlung geplant, "nach der wir eine Klärung haben werden, inwieweit wir antreten werden", berichtet der Gemeinderat. Überrascht war Mattes von Roths Rückzug nicht: "Er hat das im letzten Jahr ja eigentlich schon angekündigt. Zumindest ab Oktober war es klar. Wahrscheinlich reicht es ihm, dass er nach zwei Amtsperioden die Pensionsansprüche erfüllt hat." Ob er selbst kandidieren werde, lässt Mattes offen: "Eigentlich bin ich zu alt dafür." Wenn er antreten sollte, würde das die Kraft der ganzen Familie erfordern. Mit der habe er aber noch nicht darüber geredet. Auch die Gemeinde sieht Mattes in der Pflicht: "Sie muss dahinter stehen."

Reinhard Naber, CSU-Ortsvorsitzender und zweiter Bürgermeister, ist dagegen vom Ende der Epoche Roth überrascht: "Er hat es zwar schon mal angedeutet, aber wir haben es dann erst aus der Zeitung erfahren." Die Pläne seiner Fraktion für die Kommunalwahl lässt er allerdings auch noch im Dunkeln: "Wir haben Ende April oder Anfang Mai ein offenes Gespräch im Ortsverband. Dann schauen wir mal weiter, ob wir einen Kandidaten aufstellen." Seine eigenen Pläne macht auch er von anderen abhängig: "Eigentlich bin ich schon zu alt dafür, aber wenn die Partei es wünscht, trete ich an. Ich will der Partei helfen."

Noch-Bürgermeister Roth wundert sich nicht über die Situation in den anderen Fraktionen: "Die spielen alle gerade Mikado: Wer sich zuerst bewegt, verliert." Die bisherigen Gemeinderatsmitglieder und Lokalpolitiker täten so, als ob nichts wäre, "dabei wird drumherum schon heftig nominiert". Aber in Krummennaab sei sich keiner der möglichen Kandidaten sicher, ob er überhaupt eine Chance habe, "deswegen taktieren die gerade alle".

Klarheit am 27. April?

Uli Roth ist sich in einem auf jeden Fall sicher: "Ich habe keine Lust mehr, von 5.30 Uhr in der Früh bis um 22.30 Uhr am Abend ständig gefordert zu sein. Kein Leben unter einem Termindiktat mehr." In Zukunft möchte er sich wieder voll und ganz auf seine Arbeit als Lehrer konzentrieren. Ganz wird er sich aus der Kommunalpolitik nicht zurückziehen: "Für den Kreistag möchte ich noch einmal antreten - wenn man mich noch will." Wie es im SPD-Ortsverband weiter gehen wird, soll sich ebenfalls am 27. April zeigen. Für diesen Tag ist die Jahreshauptversammlung im Sportheim geplant, und dabei dürften einige ins Schwitzen kommen.

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