02.12.2019 - 16:21 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Im Fadenkreuz der Alliierten

"Im Fadenkreuz der Alliierten" stand der geheime Flugplatz in Schafhof vor den Toren Ambergs. Heute erinnert nicht mehr viel an diesen "Einsatzhafen II. Ordnung", wie er im 2. Weltkrieg bezeichnet wurde.

Beide Betonseitenteile einer Flugzeughalle die heute noch zu sehen sind.
von Klaus HöglProfil

Lebendig aber sind die Erinnerungen, die der Amberger Klaus Schriml in jahrelanger, akribischer Forschungsarbeit aus unzähligen Dokumenten, Flugbüchern, Bildern und auch Zeitzeugenberichten zusammen getragen hat. Das alles hat Schriml in seinem Buch "Im Fadenkreuz der Allierten" veröffentlicht. Auf Einladung des Kümmersbrucker Seniorenbeirates war Schriml jetzt Referent im Kümmersbrucker Rathaus - vor einem großen Auditorium.

Vorsitzender Manfred Sulima war wohl über das Interesse selbst überrascht, Besucher waren dabei, die zwar keine direkten Zeitzeugen mehr waren, aber im Kindes- bzw. jugendlichen Alter den Flugplatz sehr wohl noch aus eigener Erinnerung oder Erzählungen kannten. Schriml wollte Antworten auf die Fragen liefern: Welche Bedeutung hatte dieser ehemalige Flugplatz zwischen 1937 und 1945? Und ab wann geriet der Einsatzhafen Schafhof wirklich ins "Fadenkreuz der Alliierten"?. Der Flugplatz vor der Stadt, etwa 1100 mal 1100 Meter groß, war eine ganz wichtige strategische Einrichtung, dort wurden die legendären Jagdflugzeuge Me (Messerschmidt) 109 eingeflogen und unzählige Piloten ausgebildet. Schafhof war erstmals genutzt 1938 durch Aufklärereinheit, 1939 als Arbeits- und Ausbildungsplatz. Schriml hat dokumentiert, dass nachweisbar 800 Me 109 eingeflogen wurden und bisher 5500 Starts und Landungen bei Schulflügen, über 1600 Starts und Landungen beim Einflug festgehalten sind.

Meist war der Flugbetrieb gar nicht sehr im Bewusstsein. Rund 30 Flugzeugunfälle sind bewiesen, davon zwei tödliche. 1944 wurde die Pilotenausbildung durch Segelflug in Schafhof betrieben, weil nur wenige Motorflugzeuge übrig waren.

Es ist ein Kapitel Oberpfälzer bzw. Amberger Kriegsgeschichte, in die Schriml bei seinem Vortrag Einsicht gewährte. Die Frage, wann der gut getarnte, versteckte (Feld-) Flugplatz ins Fadenkreuz alliierter Flugzeuge geriet, beantwortete der Referent mit der Erkenntnis, dass der erste Angriff auf den Flugplatz Schafhof im Oktober 1944, also relativ spät, erfolgte, nach vorhergehenden Luftaufnahmen. Dabei seien zehn Maschinen beschädigt worden. Erneut im Fadenkreuz stand Schafhof durch die RAF (Royal Air Force) im Februar und Frühjahr 1945, da wurden sieben Angriffe durch feindliche Jagdbomber und Jäger auf Schafhof geflogen. Bis Ende Februar 1945 waren noch rund 200 Flugschüler zur Pilotenausbildung stationiert, sowie das Jagdgeschwader 300. Es gab auch Abschüsse von US-Jagdflugzeugen: am 8., 11. und 16. April 1945.

Beim Flugplatz Schafhof, grob gesagt zwischen BAB, B 85 und Verbindungsstraße nach Ebermannsdorf, dem Dorf Schafhof und auf dem jetzigen Gewerbegebiet, wurde mit dem Bau am 1. März 1937 begonnen, er wurde von rund 500 Arbeitern kontinuierlich ausgebaut. Flugzeughallen, getarnte Unterstände, Hangars (die Fundamente sind teils noch zu sehen), Kommandantur, sechs Mannschaftsbaracken, eine Ringstraße, alle erforderlichen Einrichtungen samt Kantine und Betankungsfahrzeuge nebst Gleisanschluss waren vorhanden. Es gab Flugplatzfeuerwehr und ärztliche Versorgung. Die Tarnung der Flugzeuge im Wald war optimal, es wurde ein landwirtschaftlicher Betrieb des damals noch bestehenden Gutshofes vorgetäuscht, rund 800 Angora Hasen wurden in diversen Ställen gehalten, der Boden wurde sogar verschiedenartig gedüngt. Im April/Mai 1945 machten sich Soldaten und Personal davon. Das wiederum half vielen Menschen, um mitzunehmen, was möglich war: Fenster, Türen, Flugzeugreifen, Flugzeugteile, Metall, Holz.

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