26.04.2019 - 15:39 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Männerchor Haselmühl-Kümmersbruck will weitermachen

Wer singt es noch, das Lied über das "Ännchen von Tharau" oder "Wem Gott will rechte Gunst erweisen"? Es sind die Chöre, die dieses Liedgut lebendig halten. Aber viele Sänger haben eine große Sorge: das Nachwuchsproblem.

Der Männerchor Haselmühl-Kümmersbruck hat mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, doch die Freude am Singen ist ungebrochen groß.
von Klaus HöglProfil

Der Altersdurchschnitt steigt immer mehr, die Chöre müssen improvisieren, manche "Stimmen" sind nur mehr einfach zu besetzen. So steht zu befürchten, dass es irgendwann mal heißt "Nun ade, du mein lieb Heimat(-Lied)". Als jüngstes Beispiel wurde bei der Jahreshauptversammlung des Männerchores Haselmühl-Kümmersbruck der Abgesang des Ensdorfer Chores genannt. Adolf Gassner, Vorsitzender der Haselmühler und Kümmersbrucker, sagte eine schwierige Zukunft voraus: "Die Zeiten der Mammut-Chöre sind vorbei, man muss dann auch mal ein Doppelquartett singen können." Zumindest in Bezug auf die Finanzen gibt es - nach dem Vortrag von Schatzmeister Thomas Gerl - keine Bedenken.

Dann brachte Schatzmeister Thomas Gerl die Sängerbrust in Wallung: "Ich stelle den Antrag, zu diskutieren, ob man nach der Sommerpause mit öffentlichen Auftritten aufhören sollte." Nicht die Auflösung des Vereins sei gemeint, denn das Singen mache immer noch Freude, es gehe darum, öffentliche Auftritte in Ermangelung des Personals einzustellen. Auf diesen Vorschlag reagierte die Mehrzahl der Sänger mit einem entschiedenen Nein. "Ein Chor, der nicht auftritt, hat kein Leistungsziel mehr. Dafür geht man doch in die Singstunde", sagte Adolf Gassner. Chorleiterin Jana Müller war der gleichen Meinung: "Der Chor klingt noch, hat eine gute Ausstrahlung, also sollten wir auch weitermachen." Nur ein Mitglied war dafür, die Auftritte einzuschränken. Ein anderes sagte: "Das wäre wie Fußballtraining ohne Spiel." Das Schlusswort hatte der Vorsitzende: "Das war ein Test. Solange wir anderen Freude machen, solange die Signale von außen gut sind, solange wird weitergemacht."

Der Männerchor, der 2020 also wohl seinen 100. Geburtstag feiert, kann immerhin noch einen Sängerstand von 22 vorweisen (plus drei Gastsänger) - im Schnitt 70,3 Jahre alt. 98 Mitglieder gehören dem Verein an, sie weisen einen Altersschnitt von 77,3 Jahren auf. Die Anwesenden, darunter auch Präsidiums- und Ehrenmitglied Erich Hiltl sowie eine ganze Reihe weiterer Ehrenmitglieder, hörten bei der Versammlung von der regen Aktivität des Chores sowie von dessen gutem Ruf und Klang. Gassner sprach angesichts von 28 Chorproben und 12 öffentlichen Auftritten noch von einem "ruhigen, gemütlichen Jahr 2018".

Müller richtete einen Appell an alle Sänger: "Singen macht Freude. Wir singen weiter solange es geht, lernen immer neue Lieder, haben weitere Ziele." Als "kulturellen Träger" bezeichnete Bürgermeister Roland Strehl den Gesangsverein. Die personelle Lage müsse man akzeptieren wie sie ist. Den Worten des Rathauschefs schloss sich auch SPD-Fraktionssprecher Werner Cermak an.

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