11.06.2018 - 10:15 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Spannung bis in die Haarspitzen

Autor Jörg Steinleitner zu Gast bei Kunst, Kultur, Kümmersbruck

Jörg Steinleitner vermittelt bei seiner Krimi-Show Spannung bis in die Haarspitzen.

(e) Es passieren merkwürdige Dinge: Karl Zimmerschied, dezent angegraut, ist Präsident des LKA (Landeskriminalamts) in München. Anonym auftauchende Botschaften wie „Fühl dich nicht zu sicher“ oder „Dein Stuhl wackelt“ an seinem Auto lassen den LKA-Chef vermuten, noch dazu wo er ein Sicherheitskonzept für den Staatsbesuch des amerikanischen Präsidenten Donald Trump erarbeiten soll, dass er Opfer des amerikanischen Abhördienstes sein könnte. Wie geht es weiter?

Zimmerschied ermittelt. Mitten in München wurde parallel dazu ein Vertreter des Ministerpräsidenten ermordet. Letztlich gibt es noch weitere Absonderlichkeiten: Handgranaten kommen gar ins Spiel, Maschinengewehre. Daraus konstruierte Autor Jörg Steinleitner, Jahrgang 1971, studierter Jurist, Lehrer, Journalist, geboren in Immenstadt, eine überraschende Krimi-Handlung mit ebenso verblüffenden Wendungen und einen Schuss Humor. Steinleitner war am Freitagabend bei Kunst, Kultur, Kümmersbruck in der gemeindlichen Bibliothek zu Gast, um sein Buch „Blutige Beichte“ vorzustellen. Nicht nur einfach daraus vorlesen, nein, Steinleitner ließ den Besucher der Lesung mit dem Ermittler im Landeskriminalamt auf einer Leinwand fahnden. Auch praktisch bildliche mitgehen ins LKA München. "So sieht es tatsächlich in den Gängen des LKA aus, das lässt sich sagen, wenn man die Örtlichkeit kennt."

Zugleich nutzte Steinleitner temperamentvoll die Möglichkeit der Projektion, um sein Schaffen von real existierenden LKA-Mitarbeitern kritisch beurteilen zu lassen. Ein Hin und Her von Dichtung und Wirklichkeit erwartete die teilnehmenden Besucher bei der „Blutige Beichte“. Texte, Filme, Interviews und akustische Signale bezogen das Publikum in den Fall mit ein. Je nach dem setzte Steinleitner die einzelnen Medien auf der Leinwand geschickt ein, selbst ein Akkordeon wurde von ihm als Effekt genutzt, um den Zuhörer den Fortgang der Verbrechensserie ahnen zu lassen.

Viele Fragen taten sich auf, wie es sie nun mal bei einem (fiktiven) Verbrechen auch gibt, die Frage aller Fragen aber hat Steinleitner dann doch nicht beantwortet: Wie die Sache ausgeht. War auch nicht beabsichtigt, schließlich soll ja sein Buch gekauft und gelesen werden. Kunst, Kultur, Kümmersbruck ist mit dieser Lesung einen anderen Weg einer Buchpräsentation gegangen. Die Krimi-Show kam jedenfalls gut an.

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