17.04.2019 - 17:18 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Überraschend: Schüler-Kreuze in Kümmersbruck

Das Kreuz kann Schüler zur persönlichen Auseinandersetzung mit "dem" Symbol des christlichen Glaubens anregen. Mit überraschenden Ergebnissen. Das zeigte eine Aktion, der Religions- und Kunstlehrer an der Mittelschule Kümmersbruck.

Maika (links) erklärt Kunslehrerin Felicitas Berger ihre Interpretation.
von Autor POPProfil

"An Grenzen stoßen - die Hoffnung nicht aufgeben": Dieses Thema im Lehrplan der Bayerischen Mittelschulen bot den Anlass für eine wohl einmalige Aktion: Die 9. und 10. Klassen sollten ihr eigenes Kreuz gestalten und die Ergebnisse in einer Ausstellung zeigen. Sie ist auch in den kommenden Wochen noch zu sehen.

Gemeinsam begleiteten die Religionslehrer Ferdinand Holler, Markus Bleyer und Kunstlehrerin Felicitas Berger die Jugendlichen. Sie sollten ein Kreuz entwickeln, das so noch keiner gemalt hat - aus ihrer eigenen Fantasie und persönlichen Deutung heraus. Kunst- und Religionsstunden während der Fastenzeit wurden genutzt, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Gerade zu Ostern steht das Kreuz im Mittelpunkt der Liturgie: In wenigen Tagen spannt sich der Bogen von Verzweiflung, Tod und Hoffnungslosigkeit hin zu Hoffnung und Zuversicht.

Dies künstlerisch zu verarbeiten, war für die Jugendlichen eine große Herausforderung. Entsprechend unterschiedlich waren die Interpretationen. "Die Deutung ist hier sehr wichtig, da sieht man auch die Fantasie", berichtet Ferdinand Holler, der die Aktion angestoßen hatte. Bei der Gestaltung hatten die Jugendlichen freie Hand. So stellten sie Kreuze mit unterschiedlichen Mal- und Basteltechniken und Materialien, etwa Holz oder LED-Lichter, her. Die Kreuze wurden in der Aula der Mittelschule ausgestellt. Ein guter Abschluss der Aktion war eine Vernissage, zu der auch der katholische Pfarrer Wolfgang Bauer sowie sein evangelischer Kollege Bernd Schindler sowie Konrektor Peter Rösch kamen.

Hier stellten einige Schüler ihre Kreuze und ihre Interpretationen dazu vor. Max fertigte sein Kreuz aus Plexiglas - mit Licht, weil "selbst in der dunkelsten Stunde ein Licht durch den Glauben leuchtet". Laura zeichnete eines mit einem Band. "Für mich ist das Kreuz eine Bindung an liebe Verstorbene", das Band gebe "mit dem Kreuz auch einen Halt im Leben". Maika bezieht sich auf einem Psalm aus dem Buch Jesaja. Sie zeichnete eine Hand und ein Kreuz: Glaube hilft, auch wenn man sich vergessen fühlt. Blickpunkt

Die Ausstellung ist auch noch in den nächsten Wochen in der Aula der Mittelschule zu sehen.
Marco entschied sich für ein Kreuz aus Holz, bei dem er die Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, hervorgehoben hat.
Hintergrund:

Das Kreuz ist deutbar

„Es ist schwer für die Kinder, zu begreifen, dass das Kreuz deutbar ist“, weiß Religionslehrer Ferdinand Holler. Vielen Schülern sei nicht bewusst gewesen, dass ein Kreuz auch positiv sein kann. Die Formen sind sehr unterschiedlich. Am bekanntesten sind das Griechische Kreuz (Quadrat-Kreuz) und das Schrägkreuz (Andreaskreuz). Das Dreifachkreuz (Orthodoxes Kreuz) mit der dreifachen Horizontale verweist auf tiefe Gläubigkeit, das Leidenskreuz (gebrochenes Kreuz) deutet auf den Tod Christi hin.

Die Kümmersbrucker Schüler entwickelten viel Fantasie bei der Gestaltung ihrer Kreuze.
Im Blickpunkt:

Das Kreuz als Lebenshilfe

Ferdinand Holler und seine Religionslehrer-Kollegen sind überzeugt, dass die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Kreuz eine echte Lebenshilfe sein kann. Dies sieht man an vielen der in Kümmersbruck ausgestellten Kreuze: Freundschaft, Liebeskummer, Angst vor Krieg, aber auch Hoffnung auf „ein gutes Leben in einer intakten Natur“ waren hier Themen. Die Pfarrer Bernd Schindler und Wolfgang Bauer würdigten die Schülerarbeiten als besonders wertvollen Beitrag zum Osterfest. Den Theologen war bei eine Botschaft wichtig: „Das Kreuz steht ja nicht automatisch für Tod.“ Für Christen sei es im Gegenteil ein Zeichen für Leben.

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