12.03.2020 - 15:50 Uhr
KulmainOberpfalz

Bahn lässt Gemeinde Kulmain zappeln

Ohne Antwort blieb die Stellungsnahme der Gemeinde Kulmain vom Januar zur geplanten Elektrifizierung der Bahnstrecke von Nürnberg bis Marktredwitz. Sie befürchtet gravierende Auswirkungen auf die Natur und durch die Lärmemission.

von Bernhard KreuzerProfil

Zwei Ordner mit den sogenannten Scoping-Unterlagen der Bahn sind der Gemeinde zugesandt worden. CSU-Fraktionssprecher Albert Sollfrank hat sie durchgearbeitet. Er vermisste darin die nördlich von Lenau einmal vorgesehenen Alternativstrecken. Er ging deshalb von einer nicht weiter verfolgten Untertunnelung des Schwarzberges und die nun komplette Elektrifizierung auf der Bestandstrasse aus. Die Gemeinde fordert hierzu eine klärende Aussage.

In der Stellungnahme des Gemeinderats vom Dienstag heißt es unter anderem: "Die Gemeinde Kulmain ist bestürzt über die in den Scoping-Unterlagen unter Punkt 2.4 aufgelisteten ,Wesentlichen Projektwirkungen' und fordert, dass die hier angesprochenen möglichen Wirkungen vollumfänglich untersucht und alle Möglichkeiten zu deren Vermeidung ergriffen werden. Das Gleiche gilt für die von 5.2.1.1 bis einschließlich 5.2.1.7 angesprochenen Schutzgutfragen und hier insbesondere für das Thema ,Lärmschutz'".

Unverzügliche Informationen fordert das Gremium über die Auswirkung der Planungen auf die Gemeindeverbindungsstraße Lenau-Döberein. Die Stellungnahme wird jetzt per Einschreiben der Deutschen Bahn übergeben, nachdem sie noch keine Antwort auf die vorhergehende erhalten hat.

Kritische Töne richteten sich Richtung Bahn und Verkehrsministerium in Berlin. Letztem wurde vorgeworfen, Dinge anzuleiern, die von den Bürgern vor Ort ausgebadet werden müssten. Dazu gehörten auch Lärmbelastungen. Nach den aktuellen Informationen werde der Deutschen Bahn trotz aller Beteuerungen nicht zugetraut, in Zukunft leiser zu fahren. Große Nachteile werden durch das Gesetz zur weiteren Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren im Verkehrsbereich befürchtet.

Die Scoping-Unterlagen unterteilen die "Wesentlichen Projektwirkungen" in bau-, anlage- und betriebsbedingte Projektwirkungen. Bereits bei den baubedingten Projektwirkungen wird von nachhaltigen Einwirkungen durch Bodenverdichtungen, -bewegungen, der möglichen Einleitung von Schadstoffen in das Grundwasser und dessen Absenkung gesprochen. Dauerhafte Wirkungen sind beim Betrieb der elektrifizierten Strecke zu erwarten. Vom vollständigen Verlust vorhandener Biotopstrukturen ist ebenso zu lesen wie vom möglichen Verlust der Versickerungsfähigkeit des Bodens.

Brücken- und Tunnelbauwerke können Grundwässerverhältnisse verändern. Technische Bauwerke können Tierlebensräume oder das Landschaftsbild beeinträchtigen, Vögel durch Anflug an Drähte gefährden. Nicht auszuschließen sind mögliche gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen durch magnetische Wellen. Zu erwarten sind zudem höhere Lärmemissionen, Erschütterungen und visuelle Störungen durch ein höheres Verkehrsaufkommen auf den Schienen und durch höhere Geschwindigkeiten.

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