Kulmain
23.02.2026 - 12:41 Uhr
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Ehrenamtlicher Tierschützer in Not: Crowdfunding-Aktion für Transporter

Andreas Brucker lebt für den Tierschutz. "Jedem Tier in Not wird geholfen", lautet das Credo des Tröstauers, der sich seit Jahren ehrenamtlich auch um verwilderte Katzen in Kulmain und Haidenaab kümmert. Doch jetzt braucht er selbst Hilfe.

Von Hubert Lukas

16 Jahre ist er alt, der Transporter von Andreas Brucker. Fast 300.000 Kilometer zeigt der Tacho an. Den überwiegenden Teil davon hat der 63-Jährige ehrenamtlich für den Tierschutz zurückgelegt. Unter anderem unzählige illegal transportierte Welpen, Nagetiere, Reptilien oder Exoten, die bei Kontrollen entdeckt worden sind, hat der Gefahrtierbeauftragte für Nordbayern der Reptilienauffangstation München damit in die unterschiedlichsten Tierheime gebracht. Etwa einmal pro Woche werde er zu einen solchen Einsatz oder zu einem verletzt aufgefundenen Tier gerufen, schätzt der Tröstauer, der hierfür "24/7 erreichbar" ist. Zudem versorgt der ehemalige Speichersdorfer jede Nacht verwilderte Katzen rund um Kulmain, Immenreuth und Haidenaab.

Doch die Tage des Transporters sind gezählt. Der TÜV ist abgelaufen. 2000 bis 3000 Euro würde die Reparatur kosten. "Das Auto ist nicht mal mehr so viel wert", erklärt Brucker. Er sucht nun händeringend nach einem Ersatz, um seine Arbeit im Tierschutz fortsetzen zu können. Momentan behilft er sich mit einem Leihwagen. Den sechs Jahre alten Ford Transit würde er sich gerne fest zulegen, der würde jedoch noch etwa ein Drittel des Neupreises von fast 60.000 Euro kosten.

Monatlich 700 Euro für Futter

Geld, das der Pensionär nicht hat. Aus eigener Tasche verfüttere er alleine 600, 700 Euro im Monat an verwilderte Katzen. Da er sich als Tierschützer in den vergangenen 35 Jahren sozusagen schon einen Namen gemacht hat, wird er oft angefordert, wenn verletzte Tiere entdeckt werden. Ein Halter ist da meist nicht feststellbar, falls es überhaupt einen gibt. Dann bleibt er auf den Kosten für Versorgung und Tierarzt sitzen. Auch wenn er ungechippte Katzen bringt, um sie kastrieren zu lassen. Über 200 Euro koste dies pro Tier, berichtet Brucker.

Eine Erstattung gebe es nur, wenn er beispielsweise von einer Gemeinde beauftragt werde, streunende Katzen zu fangen und kastrieren zu lassen, wenn das Veterinäramt anrufe oder ein Halter ermittelt werden kann. "Doch das deckt gerade mal die Unkosten." Deshalb könne er keine Rücklagen für ein neues Auto bilden, zumal auch die Ausstattung wie Transportboxen und Lebendfallen regelmäßig erneut werden müsse.

Einer Bekannten, die ihm hin und wieder mit Futterspenden und Mitarbeit unter die Arme greift, hat der 63-Jährige von seiner Situation erzählt. Diese habe Mitte Januar im Internet eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Das Spendenziel sind 15.000 Euro. "Damit krieg' ich was Vernünftiges", meint der Beamte im Ruhestand.

Da er auch größere Tiere transportieren müsse und alleine eine Lebendfalle für Katzen eine Länge von 1,2 Meter messe, sollte die Ladefläche möglichst groß sein. Und abgetrennt: "Sie wollen kein verletztes Tier mit im Innenraum haben. Das ist lebensgefährlich", warnt Brucker. Zudem benötigt er Platz für sein Equipment. "Das ist wie Feuerwehr- und Rettungswagen in einem Fahrzeug, wenn ich rausfahre." Er müsse seine Ausrüstung, zu der auch Transportboxen oder Dinge zur ersten Versorgung verletzter Tiere gehören und die er regelmäßig benötige, stets dabei haben, "auch für einen Alarm, der reinkommt, wenn ich unterwegs bin".

Weit hinterm Spendenziel

Allerdings läuft die Crowdfunding-Aktion nicht besonders erfolgreich. Nach etwa einem Monat sind lediglich etwas mehr als 500 Euro eingegangen. Er sei keiner, "der als Influencer tätig ist", sagt der 63-Jährige. Dadurch fehlt es ihm an Reichweite. Ohne neues Fahrzeug werde es schwierig, gibt der gelernte Elektriker und frühere Zeitsoldat zu. "Tierschutz nur noch mit Telefon und Internet zu betreiben, das kann ich nicht."

Schließlich kümmert er sich bereits seit über 40 Jahren aktiv um Tiere in Not. Er sei als Kind tier- und naturlieb aufgewachsen. Auch habe er damals immer ein Haustier besessen. Habe er ein verletztes Tier gefunden, sei der erste Gang der zum Tierarzt gewesen, erinnert sich Brucker. Sein erster Berufswunsch sei Tierarzt gewesen. Hierfür habe er sogar ein Vorpraktikum absolviert. "Doch ich habe gemerkt, dass es nichts für mich ist", da zum Beruf auch das Töten gehöre. Er habe aber mit den Jahren viel gelernt, indem er 30 Jahre mit einem Tierarzt zusammengearbeitet, bei ihm hospitiert und ihm assistiert habe.

Als er vor 35 Jahren aus München, wohin es ihn beruflich verschlagen hatte, in "oberfränkische Gefilde" zurückkehrte, übernahm er für acht Jahre im Nebenerwerb die Landwirtschaft der Schwiegereltern. Seitdem widmet er sich auch wildlebenden Katzen, die sich ohne sein Zutun noch stärker unkontrolliert vermehren würden. Aufgrund ihrer Zahl sinke das Nahrungsangebot, folglich "baut der Körper ab, das Immunsystem wird beeinträchtigt und die Katze wird empfänglich für Krankheiten". Um den "Kreis der Unterernährung" zu unterbrechen, betreut er jede Nacht mehrere Futterstationen. Doch alleine dadurch würde die Zahl der Tiere wieder zunehmen, weshalb "es nur funktioniert, wenn ich auch kastrieren lasse". Die Lebenserwartung einer unkastrierten wildlebenden Katze liege bei 2,5 Jahren, die eines unkastrierten Katers bei 1,7 Jahren, verdeutlicht er.

Skorpion und Schlangen

Einige der von ihm aufgegriffenen Katzen versorgt er derzeit bei sich zu Hause. Unter den 25 Vierbeinern sind unter anderem solche mit Katzenschnupfen (kann zu Organschäden und Blindheit führen) oder Jungtiere nach einem Schlaganfall, die nicht oder nur schwer vermittelbar sind, aufgrund ihres Alters noch nicht kastriert werden können oder erst noch die Quarantäne durchlaufen müssen, bevor sie ins Tierheim gebracht werden können. Gleiches gilt momentan auch für zwei Hunde, drei Schlangen, eine Vogelspinne und einen Skorpion. Ebenso zählen fünf mit dem Hof übernommene verwilderte Katzen zu seinen Schützlingen.

Erleichtern würde seine Arbeit schon die Einsicht von Haltern von Freigängern, die ihre Tiere nicht kastrieren lassen. Sie meinten, dass die Katze dann keine Mäuse mehr fangen würde, was falsch sei. Auch würde er ein flächendeckendes Kastrationsgebot und eine Kennzeichnungspflicht begrüßen, was nur wenige Kommunen hätten. "Aber die Politik ist nicht tierfreundlich."

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