Kulmain
27.09.2018 - 17:01 Uhr

Fichte nicht mehr wirtschaftlich

Monokulturen mit Fichtenbeständen sind nicht mehr zeitgemäß. Das hat nichts mit irgendwelchen Trends zu tun, sondern mit dem Klimawandel.

Revierleiter Wolfgang Schödel (Zweiter von rechts) zeigt im Witzlasreuther Wald, warum der Klimawandel den Umbau in einen Mischwald erforderlich macht. Bild: exb
Revierleiter Wolfgang Schödel (Zweiter von rechts) zeigt im Witzlasreuther Wald, warum der Klimawandel den Umbau in einen Mischwald erforderlich macht.

Mitglieder und Freunde der Bürgerliste Kulmain informierten sich im Witzlasreuther Wald über die aktuelle Waldbewirtschaftung, vor allem in Bezug auf die fortschreitende Klimaerwärmung. Der verantwortliche Revierleiter der Bayerischen Staatsforsten, Wolfgang Schödel, erläuterte den Teilnehmern um Vorsitzenden Arthur Spörrer die Entwicklungsgeschichte des Waldes seit der letzten Eiszeit und die spätere massive Ausbeutung und Übernutzung durch den Menschen.

Die Folgen zeigten sich noch heute: Statt des von Natur aus wachsenden Bergmischwaldes mit Buche, Tanne und Fichte sowie etwa zehn anderen Baumarten bestünden die Waldungen mittlerweile fast ausschließlich aus Fichten. Der Revierleiter erklärte, wie im 18. Jahrhundert die sogenannte "Bodenreinertragslehre" das Ziel verfolgte, dem Wald mit Kahlschlagswirtschaft und gleichaltrigen Monokulturen den maximalen Gewinn abzuringen. Aufgrund von Unwettern und Insektenkalamitäten sei dies nie gelungen. Daraus entwickelte sich eine gesellschaftliche Gegenbewegung, die die "Naturnahe Waldbewirtschaftung" mit Mischwäldern aus natürlichen Baumarten in den Mittelpunkt stellen wollte. Dies geschah damals nicht aus Naturschutzgründen, sondern um langfristig und nachhaltig Erträge zu erwirtschaften, von denen der Waldbesitzer und dessen Nachfolger dauerhaft leben konnten.

Schödel führte weiter aus, dass dieser Umbau zu Mischwäldern in vollem Gange sei und wegen der fortschreitenden Klimaerwärmung forciert werden müsse. Denn gerade die Fichte leide am meisten unter den wärmeren Temperaturen. Durch den Befall von Borkenkäfern, Hallimasch und immer häufiger auftretende Stürme lasse sie sich mittelfristig nicht mehr wirtschaftlich anbauen. Waldbesitzer müssen im Mittelgebirgsraum auf unter anderem auf Buchen und Weißtannen setzen. Da der Baumartenwechsel so schnell wie möglich erfolgen sollte, um den Wald und seine wichtigen Funktionen weiterhin zu erhalten, müssten - zur Vermeidung von Verbiss - Reh- und Rotwildbestände verringert werden. Die über die reine Waldbewirtschaftung hinausgehenden Naturschutzmaßnahmen wie Biotopbäume, Totholz und Biotop- und Artenschutz wurden ebenso angesprochen wie Maßnahmen, die den Erholungswert des Waldes erhöhen.

 
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