08.04.2019 - 15:20 Uhr
KulmainOberpfalz

Glauben als Angebot verstehen

Wie passt der christliche Glaube heute in die digitalisierte Welt? Dieser Frage ging der Katholische Frauenbund Kulmain nach.

Charlotte Dietrich spricht beim Kulmainer Frauenbund über den Glauben in moderner Zeit.
von Arnold KochProfil

"Glaube 4.0 - Das Evangelium im modernen Leben" war das Thema von Theologin Charlotte Dietrich aus Regensburg im Martinsaal. Das Führungsteam des Katholischen Frauenbundes mit Anni Lautenbacher hieß dazu rund 30 Teilnehmerinnen willkommen. Beim Vortrags- und Gesprächsabend begleitete die Referentin sie die Teilnehmerinnen auf einer Spurensuche zur Botschaft, die Jesus Christus erzählt und vorgelebt hat.

"Die Bezeichnung 4.0 steht für umfassende digitale Vernetzung in der Wirtschaft und im Privatleben. Sie steht damit für eine veränderte Art zu leben und zu arbeiten." Ausgehend von der Frage "Passt der christliche Glaube noch in diese Welt 4.0?", spürte Dietrich den Impulse des Evangeliums nach, die wertvoll für das moderne Leben sein können.

Gefühlt mache die Kirche heute zumeist negative Schlagzeilen: Erhöhte Zahl der Kirchenaustritte, Finanz- und Missbrauchsskandal und mehr. "Seid stets bereit jedem Rede und Antwort zu stehen, der von Euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die Euch erfüllt" aus dem Petrus-Evangelium und den Ausspruch von Taizé-Gründer Frêre Roger, "Lebe das, was Du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist, aber lebe es", hob sie als Herausforderung heraus. Mit Verweis auf mehrere Nachbarländer ohne Kirchensteuer berichtete sie, dass die Kirche, Gläubige und Priester dort in einem anderen Verhältnis zueinander stehen. Der Glaube müsse angeboten, nicht angebiedert werden, Hoffnung müsse gelebt werden. Sie fordere dazu auf, mehr Mut als Angst zu haben.

"Der Glaube ist das Fundament der Kirche. Lassen Sie uns die Kirche nicht als Zuschauer, sondern als Beteiligte erleben", bat Dietrich. Die Tendenz gehe dahin in der Gesellschaft, immer mehr Gemeinschaft zu verlieren, die Seelsorge bleibe auf der Strecke, das Bindeglied der Gesellschaft werde schwächer. Es müsse mehr Bereitschaft aufgebracht werden, sich für den Glauben Zeit zu nehmen und in die Kirche einzubringen.

Dietrich erläuterte, dass das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) den Auftrag zur pastoralen Erneuerung erteilt habe, anstatt autoritär wie bisher künftig dialogisch zu handeln und die Gläubigen auf den gemeinsamen Weg im Glauben zu begleiten. Nicht Gleichgültigkeit und Abstumpfung gegenüber dem Nächsten, sondern folgende Leitlinien seien der christliche Weg in die Moderne: positives Denken, solidarisch sein, in Gemeinschaft leben, theologische Haltung, Wagnisse eingeht, am Leben und gefühlt in Beziehung sein, Theologie der Inklusion umsetzen.

Nach Papst Franziskus' Vorgabe soll die Katholische Kirche "an ihre verbeulten Ränder gehen" und Zeugnis geben sowie Gemeinschaft, Dienst am Menschen, Werke der leiblichen und geistigen Barmherzigkeit in die Tat umsetzen. Dies sei der Puls der Menschlichkeit auch im Zukunftsprojekt Glaube 4.0 der Kirche. So gelinge es, das Evangelium im modernen Leben zu integrieren und damit das eigene Leben und das des Nächsten aufzuwerten. Besonders die Jugend müsse zeigen, dass es einfacher ist, Brücken zu bauen als Mauern zu errichten.

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