27.11.2019 - 16:45 Uhr
KulmainOberpfalz

Harte Tarifrunde erwartet

Der Bauwirtschaft geht es weiter gut. Davon sollen auch die Arbeitnehmer profitieren. Doch die Forderungen des Arbeitgeberverbandes und der IG Bau liegen weit auseinander, wie Karl Toth dem Kulmainer Ortsverband berichtete.

Karl Toth vom IG-Bau-Bezirksverband stellte die Forderungen der Gewerkschaft in der Tarifrunde 2020 denen der Arbeitgeber gegenüber.
von Arnold KochProfil

Die Forderungen der IG Bauen - Agrar- Umwelt (IG Bau) für die Tarifrunde 2020 untermauerte der Vertreter des Bezirksverbandes und Rechtsschutzverantwortlicher Karl Toth mit Zahlen. Demnach liege in Bayern der Umsatz jedes Baubeschäftigten bei rund 180 000 Euro, der baugewerbliche Umsatz bei 250 000 Euro. Das Betriebsergebnis in 2018 steige um 14, der Umsatz um 6 Prozent. Die Beschäftigtenzahl habe seit 2009 um 20 Prozent auf 855 000 zugelegt.

Toth berichtete, dass die Fachgruppenkonferenz der Oberpfalz folgende Forderung für die Tarifrunde 2020 beschlossen hat: Kündigung der Einkommenstarifverträge, Steigerung der Entgelte in einer Diskussionsbandbreite von 6 bis 6,5 Prozent, mindestens jedoch 250 Euro pro Monat mit einer Laufzeit von 12 Monaten, sowie Entschädigung für Baustellenan- und abreise. "Wir wollen die Mindestlöhne deutlich erhöhen und auch im Osten den Mindestlohn II einführen. Die Verhandlungen sind abgebrochen", teilte Toth mit.

Derzeit berate die IG Bau über den Fall des Scheiterns, denn der Arbeitgeberverbandes beharre auf mehr Flexibilität für Firmen, größere Stundenkonten, längere Ausgleichszeiträume und weniger Überstundenzuschläge. Auch soll weiterhin keine Wegezeit von und zur Baustelle bezahlt und Leiharbeit für den Bau eingeführt werden. Diese Maßnahmen sollen Flexibilität der Arbeitnehmer ermöglichen und den Fachkräftebedarf decken. "Moderne Tarifverträge auf dem Niveau der 1950er Jahre; nicht mit uns", war dazu die Aussage des Gewerkschaftlers. Arbeit müsse sich lohnen und müsse familienfreundlich sowie selbstbestimmt gestaltbar sein. Dazu zählten auch sichere und gesunde Arbeitsbedingungen.

Toth informierte ebnso über die Leistungen IG Bau. "Nicht nur in Krisenzeiten ist es wichtig, einer Gewerkschaft anzugehören, die in der Lage ist Tarifverträge abzuschließen." Gerade die Einflussnahme auf politische Entscheidungen sei überaus wichtig und nur durch eine starke Gemeinschaft möglich.

IG-Bau-Mitglieder genössen Rechtsschutz im Arbeits- sowie Sozialrecht und könnten eine kompetente Rechtsvertretung und -beratung kostenlos in Anspruch nehmen. Auch seien sie in der Freizeit bei Unfälle abgesichert. Es bestehe Anspruch auf Krankenhaustagegeld, Invaliditäts- und Todesfallentschädigung nach 12-monatiger Mitgliedschaft. Bei Wegfall der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall gebe es bis zu zehn Wochen einen Zuschuss zum Krankengeld.

Kinder von IG-Mitgliedern seien auch über deren Tod hinaus abgesichert. Schulpflichtige Halb- und Vollwaisen, die sich noch in der Ausbildung oder im Studium befinden, erhalten ein Stipendium bis zu maximal 306 Euro monatlich. Auch ein bezahlbarer Urlaub, zum Beispiel in Kärnten und Südfrankreich, werde ermöglicht. Die Ferienzentren und -hotels hielten jeden Vergleich mit 2- bis 3-Sterne-Hotels Stand, allerdings zu wesentlich günstigeren Preisen.

Karl Toth vom IG-Bau-Bezirksverband stellte die Forderungen der Gewerkschaft in der Tarifrunde 2020 denen der Arbeitgeber gegenüber.
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