25.01.2019 - 14:06 Uhr
KulmainOberpfalz

Mit Seele in Verbindung bleiben

Märchen - sind das nicht alte, längst überholte Geschichten? Dass das Interesse daran aber auch heute noch groß ist, zeigte der Erzählnachmittag des Katholischen Frauenbundes in Kulmain.

Edeltraud Forster spricht beim Erzählnachmittag über die Funktion von Märchen. Für ihre Zuhörer hat sich auch einige Geschichten dabei.
von Arnold KochProfil

38 Mitglieder und Gäste wollten bei der zweiten Veranstaltung des laufenden Jahres von Edeltraud Forster aus Wörth an der Donau mehr darüber hören. Sie ist Wildkräuter- sowie Märchen-Pädagogin und ist seit Juni 2016 Mitglied der Gilde der Europäischen Märchengesellschaft, die sich um den Erhalt und Verbreitung von Märchen kümmert. Für die Aufnahme in die Gilde hatte Forster in Rheine eine Aufnahmeprüfung absolviert.

Märchen in einer Erwachsenenrunde erzählen, bedeutet zumeist, den anderen etwas vorzuflunkern. Nicht so beim Erzählabend. Die Referentin ging zunächst der Frage nach, was können uns diese alten Geschichten immer wieder sagen können. Sie erklärte, dass Kinder, aber vor allem auch Erwachsene Märchen und Geschichten bräuchten und liebten, um die Verbindung zur Seele nicht zu verlieren. Mancher merke erst oft nach langer Zeit, wenn er ein Märchen hört, dass sich eine tiefe Vertrautheit und eine längst vergessene Wärme erneut spüren lässt.

"Der Klang der Märchensprache, der meist sichere Sieg des Guten, der Lebensgewinn, den auch der Dummling bekommt, das alles weckt unsere Seele auf und lässt sie altbekannte und doch neue Welten entdecken", meinte die Märchenerzählerin.

Nach der reich gedeckten Kaffee- und Kuchentafel starteten die Teilnehmer in eine wahrhaft märchenhafte Erzählstunde. Es ist mancher Orts Tradition, dass an besonderen Tagen eine Märchenfrau ins Haus kommt und erzählt: von Freundschaft und Betrug, von Liebe und Leid, vom Essen und vom Trinken, vom Leben und vom Tod.

In ersten poetischen Märchen "Morgen ist Morgen" aus Afghanistan geht es um das Gewicht der Welt und die Leichtigkeit des Augenblicks. Ein König sucht seinen Schlaf, ein Flickschuster feiert das Heute und ein angeblicher Dieb steht vor dem Scharfrichter.

Im keltisch-englischen Märchen "Lumpenkind" findet sich die deutsche Geschichte vom Aschenputtel wieder. Die verstoßene Enkelin eines Edelmanns wächst in Armut auf. Mit ihrer Kinderfrau besucht sie ein großes Fest in der Stadt und wird vom Königssohn als seine Braut auserwählt. Das Grimm-Märchen "Die drei Spinnerinnen" berichtet von einem armen, faulen Mädchen, das nicht spinnen will. Sie erhält die Aufgabe von der Königin, drei Kammern voll Flachs zu spinnen, dann könnte sie ihren Sohn heiraten. Drei alte Frauen spinnen für sie und werden dafür zur Hochzeit einladen. Der Prinz ist über die drei hässlichen Basen seiner Braut verwundert und beschließt, dass seine Frau nie wieder spinnen muss.

Dem bekannten "Rumpelstilzchen" der Gebrüder Grimm schloss das Märchen "Wie die Katze zu den Menschen kam" an. Es beschreibt die Beziehung zwischen Mensch und dem "Tier mit dem eigenen Köpfchen". Anschließend fanden sich die Teilnehmer noch zu einem Gespräch in gemütlicher Runde zusammen.

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