08.08.2019 - 13:07 Uhr
KulmainOberpfalz

Mit Sterbendem vertraut werden

Schwerkranke und Sterbende an die Hand nehmen - dieses Fundament der Nächstenliebe greift der ehrenamtliche Hospizdienst auf. Wie? - Das erklärte Angelika Wegmann in Kulmain.

Bei der Begleitung und Betreuung Sterbender oder Schwerstkranker ist ein Kuscheltier ein wichtiges Arbeitsmittel für Angelika Wegmann.
von Arnold KochProfil

Beim Seniorenkreis der Pfarrei hörten die 25 Teilnehmer einen Vortrag von Angelika Wegmann zum Thema Hospizdienst. Die Organisatorin des Seniorenkreises, Brigitte Stich, selbst mit Sabine Zehrer im ehrenamtlichen Hospizdienst tätig, hieß die Referentin nach Kaffee und Kuchen im Pfarrheim willkommen. Ein Gruß galt Pater Joseph aus Indien, der für drei Wochen in Kulmain weilt. Er unterhielt die Runde mit Gesang und Gitarre.

Der Tod kommt nicht immer plötzlich, oft schleichend auf einer langen Wegestrecke für den Sterbenden und seinen Angehörigen. Die Hospiz-Bewegung im Landkreis Tirschenreuth hat sich zur Aufgabe gemacht, Schwerstkranke, Sterbende und ihre Angehörigen auf diesem letzten Lebensabschnitt zu begleiten.

Die Referentin gab einen Überblick über Hilfestellungen und Leistungen unter der Trägerschaft des Kreis-Caritas-Verbandes Tirschenreuth. "Hospiz heißt Herberge, Gastfreundschaft und bedeutet heute den Dienst an unheilbar Kranken", verdeutlichte Wegmann. Auf Landesebene sei diese Caritas-Einrichtung 1967 gegründet worden. 2018 zählte der Hospizdienst im Landkreis 110 Begleitungen im Alter von 57 bis 102 Jahren, davon 69 im Altenheim und 23 in der eigenen Wohnung mit rund 1500 ehrenamtlichen Stunden. Dabei nehme die Zahl der Konfessionslosen zu. "Unsere Hilfe wird mehr und mehr angenommen."

Jeder sollte sich über das eigene Sterben Gedanken machen. Nur fünf Prozent der Menschen sterben unerwartet, 95 Prozent erst nach langer Krankheit. Sterben ist kein Tabu-Thema, der Tod gehöre zum Leben. Keiner sollte dabei alleine gelassen werden, meinte Wegmann. Die Hospiz-Bewegung nehme Sterbende mit all ihren Ängsten und Sorgen wahr und gehe mit ihnen. Auch stärke sie die Hinterbliebenen.

Kranken müsse mit dem Für-Sie-Dasein auch oft ohne Worte gezeigt werden: "Du bist nicht alleine, ich habe Zeit zum Zuhören und verstehe dich in deiner Krankheit und werde vertraut mit dir." Weiter erklärte die Referentin: "Schwerkranke weisen uns den Weg; beim Sterben dabei sein ist ein Geschenk, bei dem wir ihnen auch Freiraum lassen müssen."

Wegmann verdeutlichte, dass Offenheit die Chance zu einer intensiven Beziehung zum Sterbenden und das endgültige Loslassen des nahen Angehörigen ein Kraftakt sei. Jeder Kranke wünsche sich in schweren Stunden, nicht allein gelassen zu werden, keine unerträglichen Schmerzen zu erleiden, letzte Dinge erledigen zu können und mit seinen Ängsten angenommen zu werden. Er wolle sich mitteilen, als mündiger Mensch behandelt werden und sein Leben in eigener Weise vollenden.

Um diese Weg gehen zu können, biete die Caritas-Hospiz-Bewegung Hilfe und Begleitung an. Sie arbeite ehrenamtlich und unentgeltlich. Sachkosten werden durch Spenden gedenkt. Alle Mitarbeiter seien für ihren Einsatz geschult und unterlägen der Schweigepflicht.

Der Caritas-Dienst verstehe sich nicht als Ersatz oder Konkurrenz von ambulanten Pflegediensten, betonte Wegmann. Abschließend informierte sie über die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) als ergänzendes Angebot durch Haus- und Fachärzte sowie Pflegedienste. Diese ermögliche die von den Krankenkassen übernommene häusliche Versorgung von unheilbar Kranken im häuslichen Umfeld. Die Hospiz-Bewegung ist am Kirchplatz 6 in Tirschenreuth unter Telefon 09631/798 920 oder 0151-74309155 zu erreichen.

Brigitte Stich hatte Angelika Wegmann (von rechts) eingeladen, damit sie beim Seniorenkreis den ehrenamtlichen Hospizdienst im Landkreis Tirschenreuth vorstellt.
Pater Joseph aus Indien, der derzeit in Kulmain weilt, unterhielt mit Gesang und Gitarre.
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