25.10.2018 - 13:43 Uhr
KulmainOberpfalz

Warten hat sich gelohnt

Noch längst sind nicht alle Umzugskisten und –kartons geleert und viele Akten noch nicht am richtigen Platz. Doch der gröbste Teil des Umzugs der Gemeindeverwaltung von der Schule ins generalsanierte Rathaus ist geschafft.

von Arnold KochProfil

Nach exakt sieben Jahren und zwölf Tagen bekam das "Alte Schloss" inmitten von Kulmain als Sitz der Gemeindeverwaltung wieder neues Leben eingehaucht. Drei Tage lang zogen die Mitarbeiter von ihrem Interimsquartier im ersten Stock des Schulgebäudes in ihr angestammtes Heim in der Hauptstraße 28 zurück.

Modern, schmuck und funktionell ist das alte/neue Rathaus geworden. "Jetzt schaut's gleich wieder nach was aus", ist die Meinung vieler Gemeindebürger, die das komplett sanierte Anwesen bereits besucht haben. Die kritischen Meinungen, die die 1,7 Millionen Euro Sanierungskosten lieber für etwas anderes ausgegeben hätten, sind großteils verstummt.

Erster Sanierungspunkt waren der verformte Dachstuhl und die Decke des Obergeschosses. Nach der Stabilisierung und Eindecken mit neuem Biberschwanzdach folgte die Entkernung des gesamten Gebäudes. Besonderes Augenmerk legte man auf die Belüftung, Trockenlegung und Ableiten des Schichtenwassers in den Felsenkellern vor und unterhalb des Rathauses.

"Unser Einzug war leichter als der Auszug. Wir transportierten letzte Woche nur Akten, Büromaterial und EDV-Technik. 2011 war eine Umzugsfirma zwei Tage lang einschließlich des Mobiliars damit beschäftigt. Jetzt schafften wir es mit Hilfe des Bauhofes ohne großes Mobiliar selbst", erzählt Bürgermeister Günter Kopp. Alle Verwaltungsräume sind mit ergonomischen neuen Büro- und Sitzmöbeln ausgestattet, die Schreibtische höhenverstellbar. Die Schrankfronten in den beiden Erdgeschossräumen (EG) sind schallabsorbierend, um die Raumakustik zu optimieren.

Vorausschauend ist schon vor einem Jahr die gesamte EDV-Anlage erneuert worden, um gleich mit einem funktionierenden System, unterstützt durch das Landkreisservicecenter, nutzen zu können. Dazu kamen eine neue Telefonanlage und moderne Peripheriegeräten.

Im Kassenraum (Erdgeschoss) sind die beiden zugemauerten Fenster auf der Nordseite und im Obergeschoss eines zur Ostseite hingeöffnet worden, um bessere Lichtverhältnisse zu schaffen. Zwei zusätzliche Büroräume sind im Dachgeschoss entstanden. Dort war vorher Gerümpel gelagert. Sie stehen künftig für Prüfer und den Rentenberater zur Verfügung. Das Archiv findet wieder daneben Platz, wenn die Regale eingebaut sind.

Besonderen Wert legten die Zuschussgeber auf die Barrierefreiheit. Dazu wurde der Zugangsbereich höhenmäßig abgeflacht, um die vorgeschriebenen Neigung von höchsten drei Prozent zum Behindertenparkplatz einzuhalten. Sowohl die Eingangs- als auch die WC-Tür im Erdgeschoss öffnen und schließen sich motorisch. Die LED-Beleuchtung hat der Bund über ein Energieeinsparprogramm für Kommunen mit rund 32 Prozent gefördert. Den Bediensteten steht zudem ein komplett eingerichteter Küchen- und Aufenthaltsraum zur Verfügung.

Die hohen Feuchtigkeitswerte im Erdgeschoss machten den durchgängigen Betrieb der Fußboden- und Wandheizung erforderlich. Zusätzlich sollen Luftentfeuchter und konstantes Lüften für die restliche Austrocknung sorgen. "Eigentlich war geplant, das Gebäude Ende 2017 wieder in Betrieb zu nehmen, aber die Feuchtigkeitswerte in dem Räumen und Lieferschwierigkeiten bei den Bodenbelägen machten uns einen Strich durch unsere Terminplanung", erzählt Kopp.

Jetzt fehlt noch die ergänzende Möblierung im Bürgermeisterzimmer, wo auch künftig die Ausschusssitzungen am zehnsitzigen Konferenztisch mit Großbildschirm stattfinden. Zudem sind noch Raumschilder anzubringen und die Anpflanzung im Außenbereich zu erledigen. Die der Ortsdurchfahrt zugewandte Auffahrtsseite wird noch mit einer hölzernen Leitplanke ergänzt. Die aus Brandschutzgründen aus Stein gefertigte, aber zu Bruch gegangene Sitzbank für Bürger im Eingangsbereich muss ersetzt werden.Wann ein Tag der offenen Tür und die Einweihung des renovierten Rathauses geplant sind, steht noch nicht fest. Diese Termine werden aber rechtzeitig bekannt gegeben. Hintergrund

Hintergrund:

Kulmain. (ak) Bürgermeister Günter Kopp erinnert sich an die zwangsweise Räumung des durchfeuchteten und mit Schimmel befallenen Rathauses im Oktober 2011. Zum Schutz der Gesundheit der Bediensteten zog die Verwaltung kurzerhand samt Akten, Büromöbel und Technik in behelfsmäßig umgebaute Räume des Schulgebäudes ein. „Sowohl Schul- als auch Rathausbetrieb ließen sich miteinander vereinbaren. Im Miteinander unter gemeinsamen Dach gab es kaum Probleme“, betont das Gemeindeoberhaupt. Keiner habe damals geglaubt, dass über sieben Jahre vergehen müssen, bis das denkmalgeschützte „Alte Schloss“ wieder Sitz der Gemeindeverwaltung ist.

Durch die 2010 begonnene Trockenlegung der Ostseite des Gebäudes habe man gehofft, dem Feuchtigkeitsproblem Herr zu werden, berichtet Kopp. Zudem sollten die auseinander driftenden Grundmauern durch Zuganker in Ost-Westrichtung stabilisiert werden. Doch eine gründliche Bestandsaufnahme zeigte, dass eine weitaus umfassendere Sanierung unabdingbar war. Bis zum Baubeginn sollte es bis Mai 2015 dauern. Die Gemeinde musst dafür vorab nicht nur Bestandsuntersuchungen, Schadensumfangsermittlungen, archäologische Aufnahmen und denkmalschützerische Dokumentationen abwarten, sondern hatte auch für eine gesicherte Finanzierung des mit 1,7 Millionen Euro veranschlagten Gesamtprojektes zu sorgen. So flossen unter anderem aus der Städtebauförderung, des Denkmalschutzes, des Bezirks und Landkreises 975 000 Euro an Zuschüssen.

Aufgrund der besonderen Konstellation Rathaus – Denkmalschutz – Städtebauförderung waren erhebliche Abstimmungen zwischen den beteiligten Behörden, Architekt, Statiker, Fachplaner der Gewerke sowie der Kommune notwendig. Sie übernahm die Freilegung der Innenflächen. Vor allem Bauhofmitarbeiter Josef Reindl befreite mit Schaufel, Kelle und Besen die Kellergewölbe, Zwischendecken und den Dachboden von weit über 500 Tonnen Schüttmaterial, Unrat und Gerümpel.

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