26.09.2019 - 16:01 Uhr
KulmainOberpfalz

Zwei "gleichrangige" Varianten

"Drastische Veränderungen" oder "Alles grotesk" sind einige der Äußerungen im Kulmainer Gemeinderat zur Vorplanung zur Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Immenreuth und Marktredwitz. Dazu meldet sich nun die Deutsche Bahn zu Wort.

Blick zum Portal des Armannsberg-Tunnels in Fahrtrichtung Neusorg: Um die Strecke fit für die Elektrifizierung zu machen, favorisiert die Deutsche Bahn derzeit zwei Varianten: eine Aufweitung der bestehenden Röhre oder eine weitere, die rechts von den Schienen durchs Gestein getrieben werden würde.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Insgesamt sechs Varianten umfasst die Vorplanung für die vorgesehene Elektrifizierung der Strecke zwischen Immenreuth und Marktredwitz (Planungsabschnitt 5), über die die Kulmainer Gemeinderäte in ihrer Sitzung heftig diskutierten (wir berichteten). Wie ein Bahnsprecher jetzt gegenüber Oberpfalz-Medien auf Nachfrage erklärt, werden derzeit zwei Möglichkeiten "gleichrangig behandelt, es gibt hier keine Präferenz".

Zu wenig Platz

Im Bereich des Tunnels Armannsberg bei Oberwappenöst hätten sich zunächst verschiedene Lösungsmöglichkeiten ergeben. Die Alternative ohne bauliche Eingriffe dort werde nach eingehender technischer Prüfung voraussichtlich nicht realisierbar sein, da der Raum für die Oberleitungsanlage nicht ausreicht. Eine Möglichkeit sei daher eine sogenannte Tunnelaufweitung. Eine Tunnel-in-Tunnel-Bauweise würde eine lange Sperrung der Bahnstrecke verhindern, erläutert der Bahnsprecher. Dabei würde eines der beiden Gleise entfernt und das verbliebene mehr in die Mitte gerückt werden. Somit ergebe sich mehr Platz, um im Randbereich zu arbeiten. Auf den verbliebenen Schienen könnte der Zugverkehr "dann weitestgehend stattfinden". Nur gelegentlich müsste dann die Strecke, zum Beispiel bei der Einrichtung der Baustelle, gesperrt werden. Als aktuell gleichrangige Lösungsmöglichkeit bewertet die Bahn das Anlegen einer parallel zum Armannsberg-Tunnel verlaufenden Röhre.

Bei den Überlegungen zu anderen Lösungsmöglichkeiten hat sich laut einer Pressemitteilung des Unternehmens schon frühzeitig gezeigt, dass schwerwiegende Punkte gegen diese Varianten sprechen, insbesondere Aspekte des Naturschutzes. "Fast alle möglichen Trassenverläufe sind daher bereits als nicht realisierbar ausgeschieden", heißt es in dem Schreiben an Oberpfalz-Medien. Die Variante einer neuen Röhre durch den Schwarzberg zeichne sich nach derzeitiger Einschätzung als äußerst unwahrscheinlich ab. Dies bestätigt auch der Bahnsprecher im Gespräch. Diese Möglichkeit könne weitgehend ausgeschlossen werden.

Nächstes Jahr Infomärkte

Die Vorplanung im Abschnitt Immenreuth-Marktredwitz möchte das Unternehmen in den nächsten Monaten abschließen. Die Ergebnisse sollen dann im Laufe des folgenden Jahres in verschiedenen Orten entlang dieses Streckenabschnitts vorgestellt werden. Bei diesen Infomärkten hätten alle Bürger die Möglichkeit, die Planungen einzusehen und mit Bahnvertretern darüber zu sprechen, heißt es in der Mitteilung. Mit dem Abschluss der letzten Vorplanungen für die gesamte Strecke der Elektrifizierung ab Nürnberg Ende 2020 werde ein "wichtiger Meilenstein" erreicht. Über das weitere Vorgehen und die zu realisierende Variante entscheide anschließend der Deutsche Bundestag.

Bei der Vorplanung suche die Deutsche Bahn die beste technische sowie eine wirtschaftlich tragfeste Lösung, versichert der Sprecher. "Zudem wollen wir die Auswirkungen des Projektes auf Menschen, Natur und andere schützenswerte Güter so gering wie möglich halten. Dies können wir nur sicherstellen, indem wir auch geeignete Alternativen mitbetrachten."

Hintergrund:

Neubau von Straßenbrücken

Den Unmut bei den Gemeinderäten hatte auch die Feststellung geweckt, dass die Kommune den Kostenanteil für die Anpassung der von der Elektrifizierung betroffenen Brückenbauwerke in Lenau und Oberwappenöst zu tragen habe. Laut dem Bahnsprecher ist der Neubau einiger Straßenbrücken über die Gleise erforderlich, weil deren Höhe für die Oberleitungsanlage nicht ausreicht.

Beim Neubau von Kreuzungen zwischen Straße und Schiene komme das Eisenbahnkreuzungsgesetz zur Anwendung. Demnach werde in bestimmten Fällen der Eigentümer der Brücke – beispielsweise die Kommune – an den Kosten beteiligt. Oftmals könnten diese Ausgaben aber durch eine Förderung von Bund oder Land kompensiert werden.

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