20.05.2020 - 12:51 Uhr
Kulz bei ThansteinOberpfalz

Refugium für seltene Tiere und Pflanzen

Pfingsten kommt in Riesenschritten, Urlaubsplanungen rücken Corona bedingt in weite Ferne oder werden durch notwendige Auflagen stark eingeschränkt. Warum nicht einmal „Urlaub dahoam“?

Das Kulzer Moos war früher ein Torfabbaugebiet, heute ist es Rückzugsort für vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
von Alois KöpplProfil

Vor unserer Haustüre schlummern versteckte Naturschönheiten, bei denen es sich lohnt, ihnen einen Besuch abzustatten. Das Prackendorfer und Kulzer Moos ist eine dieser seltenen Perlen im nordöstlichen Landkreis Schwandorf. Das zwischen Winklarn und Dieterskirchen gelegene Moorgebiet mit einer Größe von etwa 80 Hektar ist seit 1987 ausgewiesenes Naturschutzgebiet.

Bei der Moorfläche handelt es sich um eine der ganz wenigen Hochmoorflächen im außeralpinen Siedlungsraum im Süden Deutschlands. Mehr als 100 hochgradig vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten besiedeln dieses Rückzugsparadies in der Nähe von Kulz. Über einen Rundweg, der teilweise über Holzstege führt, kann ein Teil des Biotops umwandert werden. Eine gute Stunde Gehzeit sollte dafür eingeplant werden. Der Ursprung des Prackendorfer und Kulzer Mooses beruht wahrscheinlich auf einer seichteren Wasserfläche, die allmählich aufgrund des wasserstauenden Untergrundes verlandete. Stillgewässer, Flach-, Zwischen-, Niedermoorflächen und Hochmoorgebiete gehören heute zu den seltenen Landschaftselementen in dem einzigartigen Moorgebiet.

Der noch immer in den Himmel ragende Schornstein der alten Ziegelei gibt Zeugnis von einer längst vergangenen Zeit. Über 100 Leute verdienten in den vergangenen zwei Jahrhunderten ihr Brot mit der harten Arbeit in der Torfgewinnung. Die drei bis vier Meter starke Torfdecke wurde auf einer Fläche von über 60 Hektar abgebaut. Vor gut 100 Jahren begann eine Ziegelei am Rande des Kulzer Mooses mit der Produktion von gebrannten Ziegelsteinen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb eingestellt, da sich die Herstellung nicht mehr lohnte. Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts endete dann auch der Torfabbau im Prackendorfer und Kulzer Moos.

Heute ist das Moorgebiet ein Refugium für seltene Tiere und Pflanzen. Nach dem Aufblühen der Natur im Frühjahr zeigt sich eine Vielzahl von Pflanzen von ihrer schönsten Seite. Im ständigen Wechsel der Jahreszeiten gibt es immer wieder Neues zu bestaunen. Der Herbst bildet mit seinem Feuerwerk an Farben den Schlussakkord im Prackendorfer und Kulzer Moos, bevor der Winter Einzug hält. Ein mehrmaliger Besuch - verteilt auf die verschiedenen Jahreszeiten - lohnt sich immer. Vor allem für Kinder ist das ein Erlebnis. Vierbeiner können natürlich auch mitgenommen werden, aber verständlicherweise nur angeleint.

Biegt man an der B 22 bei der Winklarner Kreuzung in Richtung Kulz ab, ist das Moorgebiet leicht zu finden, da der Zufahrtsweg in Kulz gut ausgeschildert ist. Ein Besucherparkplatz mit Informationstafeln bildet den Startpunkt des gut ausgeschilderten Rundweges.

Auf Holzstegen und befestigten Wegen führt ein Rundweg durch einen Teil des Naturparadieses bei Kulz.
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