18.09.2019 - 16:31 Uhr
Oberpfalz

Landkreis Tirschenreuth zahlt Prämie für Frischlinge

Für jeden erlegten Frischling bekommen die Jäger im Landkreis Tirschenreuth einen zusätzlichen Obolus von 30 Euro pro Tier. Das beschloss der Kreisausschuss am Montag.

Der Landkreis möchte mit einer Abschussprämie die Jagd auf Frischlinge forcieren.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Die Kreisräte hoffen, mit der Abschussprämie für junge Wildschweine die Gefahr der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) weiter zu verringern. Die Verwaltung schlug vor, diese Finanzspritze rückwirkend ab 1. September 2019 bis zum Ende des Jagdjahres am 31. März 2020 zu gewähren. Das ging der CSU nicht weit genug. Roland Grillmeier beantragte für die Fraktion, die Prämie auf 50 Euro aufzustocken und auch für alle Frischlinge zu zahlen, die seit 1. April 2019 geschossen worden sind. Ansonsten wären ja die Jäger benachteiligt, die von sich aus schon fleißig Jagd auf den Wildschwein-Nachwuchs gemacht hätten, argumentierten die Christsozialen.

Mit der Ausweitung des Zeitraums konnte sich Landrat Wolfgang Lippert durchaus anfreunden, die Erhöhung der Prämie fand er jedoch nicht so gut. Auch der Landkreis Neustadt gebe 30 Euro. "Wir müssen aufpassen, dass wir uns da nicht gegenseitig hochschaukeln", warnte der Landrat. Immerhin rechne die Verwaltung schon bei 30 Euro mit Kosten von etwa 30 000 Euro pro Jahr.

"Ich finde einen finanziellen Anreiz auf jeden Fall gut, wenn man bedenkt, wie lange ein Jäger sitzt, bis er ein Wildschwein erwischt", meinte Ely Eibisch (Freie Wähler). Und schließlich sei die Reduzierung des Wildschweinbestands mittlerweile eine gesamtgesellschaftliche Mammutaufgabe.

Schlüssel zum Erfolg

Der Vorschlag der Verwaltung für die Frischlings-Kopfprämie kommt nicht von ungefähr. Jagdpraktiker sehen in der konsequenten Bejagung des Nachwuchses mittlerweile den Schlüssel zum Erfolg für eine Verringerung des Schwarzwildbestands. Da die Vermarktung von Frischlingen schwierig, oft wenig lukrativ und mit viel Aufwand verbunden ist, sollen die Abschussprämien die Jäger motivieren, in dieser Richtung mehr zu tun.

Konfiskat-Tonnen

Bislang nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat hingegen die Einführung der Konfiskat-Tonnen, über die Jäger Aufbruch, Schwarten und Schlachtabfälle der Wildschweine kostenlos entsorgen können. Der Landkreis übernimmt nach einem Beschluss des Kreisausschusses vom vergangenen Jahr die Abfuhr- und Entsorgungskosten bis zu maximal 20 000 Euro pro Kalenderjahr. Das Modell ist in der Jägerschaft äußerst umstritten. "Hauptsächlich wird kritisiert, dass die Tonnen nicht gekühlt sind, was verständlicherweise zu Geruchs- und Hygieneproblemen führt. Aktuell beteiligt sich nur die Hälfte der Hegegemeinschaften an dem System", informierte die Verwaltung in der Sitzungsvorlage. Im Vorjahr musste der Landkreis deshalb "nur" 2400 Euro für das Modell zahlen. Heuer sind bislang Kosten von 1700 Euro aufgelaufen.

Der Krummennaaber Bürgermeister Uli Roth (SPD) äußerte sich äußerst kritisch zu diesem Modell, das unter anderem vorsieht, die Sammeltonnen für die tierischen Abfälle in den Kläranlagen aufzustellen. Er habe eine entsprechende Anfrage abgelehnt, da damit ein ganzer Rattenschwanz von Problemen verbunden sei, angefangen von der Geruchsbelästigung bis hin zu Ratten, die angezogen würden, sagte Roth. Er sah den Bauernverband und die Jägerschaft in der Pflicht, bessere Standorte vorzuschlagen.

Landrat Lippert war der Meinung, dass sich dieses Problem wohl nur durch gekühlte Sammeltonnen lösen ließe. "Die kosten aber ein Vielfaches." Als Kompromiss regte der Landrat an, vor Beginn der neuen Jagdsaison einen Runden Tisch einzuberufen, um das Problem auch mit Jägern und Veterinären diskutieren zu können. Dann sollen auch die Kosten für gekühlte Sammelbehälter mit auf den Tisch kommen.

Schuldnerberatung:

Einverstanden waren die Kreisräte mit einer Kooperationsvereinbarung für die Insolvenz- und Schuldnerberatung im Landkreis. Damit wird die Zuständigkeit für die Beratung an eine Nordoberpfälzer Arbeitsgemeinschaft übertragen. Dieser AG gehören der Allgemeine Rettungsverband Oberpfalz, der AS Soziale Dienstleistungen Neustadt/WN und der Caritasverband für den Landkreis Tirschenreuth an, die bisher schon die Schuldnerberatung sichergestellt haben. Aufgrund einer Gesetzesänderung war die Neuregelung notwendig geworden. Der Landkreis rechnet nicht damit, dass dies Mehrkosten bringt. Die neue Arbeitsgemeinschaft in der Nordoberpfalz nennt sich "Kasis" - Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Sicherstellung der Insolvenz und Schuldnerberatung.

"Unser Dorf hat Zukunft"

Abgesegnet haben die Kreisräte die Prämien für den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden". Der Sieger Maiersreuth (Gemeinde Neualbenreuth) erhält 2000 Euro, der Zweite Boxdorf (Stadt Erbendorf) bekommt 1000 Euro. Das Preisgeld darf nur für Ortsgestaltungsmaßnahmen im Sinne des Wettbewerbes verwendet werden.

Landrat Lippert gab zudem eine Reihe von Beschlüssen bekannt, die nun nicht mehr der Geheimhaltung unterliegen.

Archivpfleger

Robert Treml aus Waldsassen ist zum 1. September 2019 für weitere fünf Jahre zum Archivpfleger für den Bereich des Altlandkreises Tirschenreuth ernannt worden. Die Aufwandsentschädigung liegt bei monatlich 60 Euro.

Winterdienst

Investiert wird in den Winterdienst. Die bisherigen Aufzeichnungen der gefahrenen Kilometer, des ausgebrachten Streuguts, der geräumten Strecken, der Schneemengen und so weiter werden digitalisiert. Dazu schließt der Landkreis einen Vertrag für mobile Datenerfassung für den Winterdienst für acht Fahrzeuge mit der Firma Consilio Information Management aus Wien zum Brutto-Angebotspreis von 30 738 Euro ab. Die Lizenzkosten betragen 2142 Euro pro Jahr. Der Landkreis erwartet sich davon nicht nur eine Optimierung und Erleichterung des Dienstes, sondern auch mehr Rechtssicherheit bei Unfällen.

Straßenbau

Beim Ausbau der Kreisstraße TIR 14 war bei der Oberbauverstärkung zwischen Pechbrunn und Ochsentränke ein Nachtragsangebot nötig. Dies beläuft sich auf 88 042 Euro und ging an die Firma Rädlinger aus Selbitz.

Robert Treml ist für weitere fünf Jahre zum Kreisarchivpfleger bestellt worden.
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