11.04.2021 - 14:39 Uhr
Lennesrieth bei WaldthurnOberpfalz

Mechanik statt Chemie auf Waldthurner Böden

Für konventionelle Landwirte wird es immer wichtiger, sich mit der sogenannten mechanischen Beikrautregulierung auseinanderzusetzen. Elf Waldthurner Bauern machen vor, wie es geht.

Mechanische Beikrautregulierung durch Wasserberater Michael Lukas mit der Celli - Fräse. Landwirt Georg Bocka (rechts) und Christine Griesbach vom Sachgebiet Wasserschutz der Marktgemeinde Waldthurn beobachten die Feldarbeiten.
von Franz VölklProfil

„Der Frühling ist da, die Untersaat hat ihre Winterarbeit getan“, erklärte Christine Griesbach vom Sachgebiet Wasserschutz der Marktgemeinde auf dem Feld von Georg Bocka. Die Untersaat habe man angelegt, um über den Winter und auch in den Frühjahrsmonaten eine mögliche Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser zu verhindern. Elf Landwirte nennt Griesbach „ihre Wasserbauern“, die das zwischen dem Lennesriether Kreuz und Irlhof liegenden 89 Hektar Wasserschutzgebiet bewirtschaften. Diese Landwirte haben eine Kooperationsvereinbarung zur grundwasserschonenden Landbewirtschaftung geschlossen. Ziel dieser Vereinbarung ist es auf freiwilliger Basis, diese Flächen so zu bewirtschaften, dass das gewonnene Wasser frei von Rückständen ist und einen niedrigen Nitratgehalt aufweist.

Nach dem Winter steht im Frühjahr die Aussaat der nächsten Kultur im Wasserschutzgebiet an. Auf der Fläche des Landwirts Bocka folgt nach dem Silomais nun die Sommergerste. „Die Untersaat ist zu diesem Zeitpunkt gut entwickelt und würde für die neu keimenden Gerstenpflanzen eine Konkurrenz um Licht, Wurzelraum, Wasser und Nährstoffe bedeuten und somit zu Ertrags- und Qualitätsverlusten führen. Daher muss die Untersaat reguliert werden“, erklärte Wasserberater Michael Lukas vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Weiden in Anwesenheit von Referentin Alexandra Inzenhofer. Grundsätzlich wird zwischen mechanischer und chemischer Beikrautregulierung unterschieden. Im konventionellen Landbau erfolgt meist eine chemische Art. Jedoch begrenzen die verschärften Zulassungsverfahren von chemischen Pflanzenschutzmitteln, zunehmende Anwendungsbeschränkungen sowie immer häufiger auftretende Herbizidresistenzen deren Einsatz. Daher hält auch die mechanische Beikrautregulierung in der konventionellen Landwirtschaft immer mehr Einzug, erklärte Lukas. Sie erfolgt durch das Herausreißen und Vertrocknen sowie das Verschütten der Unkräuter und -gräser.

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Waldthurn

Hierbei spielt der richtige Einsatzzeitpunkt eine große Rolle: trockene Bedingungen und ein schüttfähiger Boden sowie auch eine nachfolgend trocken-warme Witterung erhöhen den Bekämpfungserfolg. Bei optimalen Bedingungen könne laut Lukas eine Wirkung von bis zu 70 Prozent erreicht werden. Im Vergleich dazu kann mit der chemischen Beikrautregulierung ein deutlich größerer Erfolg von rund 90 Prozent erzielen, dies spiegelt sich auch in der geringeren Wirtschaftlichkeit der mechanischen wider. Der Striegel und die Hacke zählen zu den klassischen Geräten der mechanischen Beikrautregulierung. Zur Beseitigung dieser im Dezember einbrachten Untersaat wurde nun in Lennesrieth eine sogenannte Celli-Fräse eingesetzt. Hierbei werden die Wurzeln der Pflanzen durchtrennt und locker ausgeworfen. Auch wegen des anstehenden Verbots des Totalherbizides Glyphosat wird es auch für konventionelle Landwirte immer wichtiger, sich mit der mechanischen Beikrautregulierung auseinanderzusetzen. Wenngleich dies im direkten Vergleich zum chemischen Pflanzenschutz Mehrkosten verursacht. Das Förderprogramm Agrarumweltmaßnahmen der Staatsregierung gleicht finanzielle Nachteile einer mechanischen Unkrautbekämpfung für konventionelle Landwirte aus.

 

 

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