12.07.2019 - 09:04 Uhr
Lennesrieth bei WaldthurnOberpfalz

Mehr Freiheit für den Vockhofbach

Wie staatliche Fehler der Vergangenheit und die damit verbundenen fatalen Auswirkungen korrigiert und so die ökologische Verbesserung in Bächen gefördert wird, zeigt ein Projekt in der Marktgemeinde Waldthurn

An dieser Stelle war früher eine Brücke über den Vockhofbach. Von links: Hubert Schmidt, Malvina Hoppe, Bauhofleiter Max Müller, Karsten Heßing (ALE), Bürgermeister Josef Beimler und Marktpraktikantin Dahlia Hoffleuchter-Novarro.
von Franz VölklProfil

„Die Landwirte konnten in den 50er bis 70er Jahren für die rigorose Begradigung und Verrohrung von Bächen nichts dafür“, stellte Bürgermeister Josef Beimler am vergangenen Donnerstagnachmittag klar fest.

Sie wurden vom Staat durch die Flurbereinigung und die Wasserwirtschaft gezwungen, das Wasser möglichst schnell abzuleiten. Bei einem Ortstermin wurden die ersten Maßnahmen vorgestellt, die in dem LBV-Projekt „Lebendige Bäche in Bayern“ und dem kombinierten Dorferneuerungs- und Flurneuordnungsverfahren „Waldthurn 3“ des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberpfalz am Vockhofbach umgesetzt wurden.

Der LBV hat gemeinsam mit den beteiligten Landwirten aus Lennesrieth und Albersrieth, dem Markt Waldthurn und dem ALE Oberpfalz ein Maßnahmenpaket für die naturnähere Umgestaltung des Vockhofbaches beschlossen.

Brücken entfernt

Nach Planung des LBV und durch die Arbeit des Waldthurner Bauhofs, der seit dem Frühjahr tätig war, war es endlich soweit: Der Vockhofbach zwischen Lennesrieth und Albersrieth (am Irlhofer Tiefbrunnen) fließt wieder lebendiger durch das Gemeindegebiet. Ein Großteil der alten Verrohrungen und Brücken, die heute nicht mehr genutzt werden, konnten einfach entfernt werden. An Standorten, wo eine Überquerung des Baches auch weiterhin möglich sein soll, wurden die alten Verrohrungen der Reihe nach durch neue Rohre ersetzt. Die neuen Rohre haben einen größeren Durchmesser, sind tiefer in den Boden gesetzt und zur Hälfte mit dem entstandenen Aushubmaterial verfüllt. „Durch den natürlichen Untergrund in den Rohren können nun selbst die kleinsten Bachlebewesen wieder ungehindert bachaufwärts und -abwärts wandern“, erklärte Malvina Hoppe, LBV-Projektleiterin „Lebendige Bäche in Bayern“.

Am Ende solle der Vockhofbach wieder von all seinen Bewohnern durchwandert werden können, von der flinken Forelle bis zum kleinen Bachflohkrebs.

Ausdrücklich stellte Bürgermeister Beimler und Bauhofleiter Max Müller fest, dass die Arbeiten in Absprache mit den jeweiligen Landwirten sehr kooperativ und problemlos durchgeführt werden konnten. „Wir mussten schließlich mit unseren Maschinen über die Wiesen zum Vockhofbach fahren“, erklärte Müller.

Bachläufe einbremsen

„Der LBV versteht sich auch als Arten- und Naturschutzverband“, erklärte LBV-Ortsvorsitzender Hubert Schmidt aus Pleystein. Früher wollte man möglichst schnell das Wasser ableiten, heute habe man erkannt, dass es besser sei, das wertvolle Nass zu halten und die Bachläufe einzubremsen. Laut Bürgermeister Beimler habe man bereits 2002 erfolgreich die Renaturierung der Luhe im Bereich Irlhof durchgeführt. Beim Vockhofbach habe man auch die Unterstützung des ALE Oberpfalz. „Es war ein kleiner Anfang und wir wollen dranbleiben“ so Karsten Heßing, stellvertretender Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft am ALE Oberpfalz und stellte 75 Prozent Förderung für anfallende Unkosten in Aussicht.

Am Ende soll der komplette Vockhofbach als lebendiger Bach wieder möglichst frei fließen.

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