11.06.2019 - 16:54 Uhr
Lennesrieth bei WaldthurnOberpfalz

Pfingstschwanzfahrer unter Beschuss

Vermutlich war der "Pfingstschwanz" bei der Flurprozession am Vormittag von Lennesrieth nach Waldthurn nicht dabei, denn bekanntlich kommt der Langschläfer nicht aus den Federn. Dafür wird er entsprechend bestraft.

Die Lennesriether Pfingschwanzfahrer. Weil er nicht aus den Federn kam, wurde der Pfingstschwanz (im Jutesack) zur Strafe mit Wasser attackiert.
von Franz VölklProfil
Lennesriether Pfingstschwanzfahrer 2019

Viele Interessierte wollten den seit über 150 Jahren praktizierten alten Brauch sehen. Auch am vergangenen Pfingstmontag lauerten wagemutige, junge Lennesriether Buben mit Wasserpistole und Wassereimer bewaffnet, um den "Lennesriether Pfingstschwanz" eine gehörige Portion an Nässe zu verpassen.

Zuschauer und Einheimische erlebten wieder traditionelles Brauchtum vor Ort und den "Tanz des Pfingstschwanzes". Hinter vorgehaltener Hand wurde behauptet, dass der diesjährige arme Tropf ein „Haselrankerer“ sei. Die Junggesellen präsentierten den tanzfreudigen mit hübschen Wadeln ausgestatteten Faulpelz, der so manchen Tanzschritt unter den Schifferklavierklängen von Jonas Kraus auf den Dorfplatz legte.

Der Leinensack verhüllte wie üblich die Identität des bettverliebten, faulen Sacks, der an diesem Tag trotz besten Wetters einfach nicht aus den warmen Federn gekommen war. Mit großem Geschrei und vielen ausgelassenen Juchzern wurde er wie seit vielen Jahren vom Mistkarren-Chauffeur Alexander „Luki“ Lukas durch das Dorf gesteuert und vor jedem Haus vom geschmückten Mistgefährt geworfen.

Die Begleiter forderten vor jedem Haus den Pfingstschwanz auf, im Takt der mitgeführten Goisln, feuchtfröhlich zu tanzen. "Pfingstschwanz, Oarschdorm, bist heit Nacht ins Bett eigfrorn. Warst eiher aufgestandn, was das a niat worn. Oier und Schmolz hein mer gern, Kraut und Fleisch essmer gern. Alleluja, Alleluja, da Pfingstschwanz is dou“, schrien die Begleiter aus Leibeskräften vor jedem Haus.

Die Schaulustigen meinten es gut mit der ledigen Burschenschar und rückten so manchen Euro für die Pfingstschwanzkasse heraus. Nach dem Event ging es ins Dorfwirtshaus – ein erlebnisreicher und schöner Brauch.

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