12.05.2021 - 15:15 Uhr
LeonbergOberpfalz

Süd-Ost-Link: Kritische Fragen an Tennet-Vertreter im Gemeinderat Leonberg

Mit kritischen Fragen aus dem Gemeinderat Leonberg sahen sich jetzt Tennet-Vertreter konfrontiert. In einem Gespräch zum Süd-Ost-Link ging es um Entschädigungen und mögliche Folgen für das Grundwasser ebenso wie um die Sperrung von Wegen.

Im Bereich Leonberg fanden kürzlich Bohrungen statt, um die Bodenbeschaffenheit für die Gleichstromtrasse zu untersuchen. Auch dazu gab es jetzt kritische Anmerkungen bei der Diskussion mit Vertretern des Unternehmens.
von Josef RosnerProfil

70 Minuten dauerte jetzt ein Gespräch des Gemeinderats mit Vertretern von Tennet. Teilprojektleiter Thomas Arnold und Torsten Grampp, Referent für Bürgerbeteiligung, waren per Videoübertragung in den Sitzungssaal zugeschaltet. Dabei hatten sie zahlreiche Fragen zu beantworten und mussten auch Kritik einstecken. Vier Gemeinderäte fehlten allerdings entschuldigt.

Bis zu 1,80 Meter tief

Vor der Fragerunde ging Torsten Grampp auf den aktuellen Projektstand ein und gab einen kurzen Ausblick auf die Zukunft. Der grobe Streckenverlauf stehe fest, im Bereich Themenreuth seien nach wie vor zwei Varianten möglich. Das Gesamtprojekt sehe vor, dass zwei Gräben ausgehoben werden. In einem Graben würden gleich Kabel verlegt, im anderen Leerrohre. Diese würden dann fünf Jahre später in Phase zwei des Projekts mit Leitungen gefüllt. Laut Thomas Arnold werden die Gräben mit einer Tiefe zwischen 1,60 bis 1,80 Metern mit einer speziellen Baggerschaufel ausgehoben. Die Arbeitsstreifenbreite betrage zwischen 40 und 45 Meter. Arnold versicherte, dass alle Flächen wieder so hergestellt würden wie vor dem Kabelbau. Torsten Grampp sagte, dass es Ziel von Tennet sei, die Kommunen auf diesem Weg mitzunehmen. "Wir setzen weiter auf Dialog", so Grampp.

Erwärmung ohne Auswirkungen

Bürgermeister Johann Burger griff eine Aussage auf, wonach eine landwirtschaftliche Nutzung nach den Bauarbeiten wieder möglich sei. "Wie ist das genau gemeint?", wollte er wissen. Torsten Grampp räumte ein, dass es zu einer Erwärmung beim Kanalgraben kommen könne, aber dies hätte keinerlei Auswirkungen auf die Erträge. Nur direkt nach den Bauarbeiten könne es etwas dauern mit dem Pflanzenwachstum. Aber dafür würden Entschädigungen bezahlt.

"Das kann den Landwirten nicht zugemutet werden."

Zweiter Bürgermeister Max Ernstberger zum erneuten Leitungseinbau nach fünf Jahren

Zweiter Bürgermeister Max Ernstberger (CSU) übte heftige Kritik an einem erneuten Eingriff zum Füllen der Leerrohre nach fünf Jahren. "Das kann den Landwirten nicht zugemutet werden", schimpfte Ernstberger. Torsten Grampp verwies hierzu auf Beschlüsse der Bundesregierung vom März dieses Jahres. Aufgebaggert werden müsse aber nicht überall, sondern nur bei den sogenannten Muffenstandorten, die zwischen 1,5 und 3 Kilometer auseinander liegen. Dort werden dann die Kabel eingezogen. Grampp räumte eine durchaus starke Belastung an diesen Stellen ein. Bürgermeister Johann Burger sprach von einer unverhältnismäßig hohen Belastung für die Landwirte. Grampp erwiderte, dass die Landwirtschaft entschädigt werde.

Max Ernstberger kam auch auf Drainagen zu sprechen, die bei der Flurbereinigung in die Felder eingebaut wurden. Diese seien nur rund 80 Zentimeter tief verlegt worden. Torsten Grampp dazu: "Unser Ziel ist es, die Drainagen nicht zu beschädigen, wenngleich das kaum zu realisieren sein wird." Allerdings sei Tennet dafür verantwortlich, dass die Drainagen nach den Arbeiten wieder so funktionieren wie vorher.

Eigentümer nicht informiert

Bürgermeister Burger wollte weiter wissen, wer die Arbeiten überwacht. Thomas Arnold berichtete von seinen Erfahrungen, wonach genügend Personal vor Ort sein werde, um die Maßnahmen zu begleiten. "Freilich, eine 100-prozentige Sicherheit, dass alle Arbeiten problemlos vonstatten gehen, gibt es nicht", erklärte Arnold. Torsten Grampp ergänzte, dass es für jeden Planungsabschnitt einen Ansprechpartner geben werde und bei Schäden Gutachter beauftragt würden. Bürgermeister Burger erinnerte an die kürzlich durchgeführten Probebohrungen und kritisierte, dass manche Eigentümer darüber nicht informiert worden seien. "Die Arbeiten sind nicht so wie geplant abgelaufen", gab Torsten Grampp zu und bat dafür um Entschuldigung. Bei der Vielzahl an Bohrungen habe es mit der Kontaktherstellung nicht in jedem Fall geklappt.

Entscheidung erst 2022

Weiter hakte der Bürgermeister in Sachen Trassenwahl nach und wollte wissen, wie es in Themenreuth weitergeht. Thomas Arnold erklärte, dass beide Varianten noch geprüft würden. Am Ende werde ein Vorschlag übrig bleiben und der Bundesnetzagentur mitgeteilt. Diese werde dann letztlich die Entscheidung fällen. Torsten Grampp ergänzte, dass dies erst im zweiten Quartal 2022 feststehen werde.

Bauphase maximal sechs Monate

Auf die Frage von Max Ernstberger, ob schon die Höhe der Entschädigungen festgelegt sei, antwortete Torsten Grampp: "Wir befinden uns in Verhandlungen mit dem Bauernverband. Nach dem Abschluss der Gespräche werden die Ergebnisse öffentlich einsehbar sein." Thomas Arnold ergänzte, dass Tennet mit den Landwirten im zweiten Quartal 2022 entsprechende Verträge abschließen wolle. Torsten Grampp sagte, dass die Bauphase mehrere Monate dauern könne, maximal ein halbes Jahr. Er bestätigte, dass einzelne Landwirte auf einer betroffenen Fläche wohl für ein ganzes Jahr die Ernte verlieren könnten. Aber dafür würde es einen monetären Ausgleich geben.

"Die Oberpfalz vertrocknet", betonte Max Ernstberger und befürchtete eine Verstärkung dieser Entwicklung durch die Wärme der Leitungen. Bürgermeister Burger trieb die Sorge vor einem weiteren Absinken des Grundwasserspiegels, zumal die Quellschüttungen ohnehin schon stark rückläufig seien. Torsten Grampp meinte dazu, dass man diese Negativszenarien nicht heraufbeschwören sollte.

Keine Wegerecht

Auf die Frage von Bürgermeister Burger zum Gewicht der Kabeltrommeln informierte Thomas Arnold, dass diese zwischen 80 und 100 Tonnen wiegen. Für den Einbau der Leitungen werde neben dem Kabelgraben eine eigene, vier bis fünf Meter breite provisorische Straße gebaut, die nach Beendigung der Arbeiten wieder entfernt werde. Johann Burger betonte zum wiederholten Mal, dass er den schweren Baustellenfahrzeugen kein Wegerecht für die Flurbereinigungsstraßen einräumen werde. Diese Aussagen nannten die Tennet-Vertreter "sonderbar". Auf die Frage Burgers, ob Leonberg denn die einzige Kommune sei, die den schweren Baufahrzeugen die Zufahrt verweigert, antwortete Grampp: "Mit Rücksicht auf andere Kommunen will ich das nicht mitteilen."

"Wir setzen weiter auf den Dialog."

Torsten Grampp, Referent für Bürgerbeteiligung bei Tennet

Blick in den Saal des Pfarr- und Jugendheims: Vier Gremiumsmitglieder haben bei der Gemeinderatssitzung entschuldigt gefehlt.
Live zur Leonberger Gemeinderatssitzung hinzugeschaltet waren die Tennet-Vertreter Torsten Grampp und Thomas Arnold. Beide mussten sich vielen kritischen Fragen stellen.

Die Vorbereitungen für den Trassenbau beinhalten auch Probebohrungen

Leonberg

 

 

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