19.10.2018 - 10:17 Uhr
Letzau bei TheisseilOberpfalz

Kleine Arbeiter und bunte Hingucker

Die Rote Waldameise ist vorerst gerettet. Um ihre Hügel haben die Kinder und Jugendlichen massive Pfeiler in den Boden gerammt, um deutlich zu machen: Hier darf nicht gemäht werden, hier leben Waldameisen!

Noch undurchdringlicher hat der Garten früher ausgesehen; das Foto zeigt schon die ersten Arbeiten auf dem Grundstück.
von Gabi EichlProfil

Die Waldameisen dürfen am Rand eines etwa 1600 Quadratmeter großen Schrebergartens in der Hochstraße ihre Hügel weiterbauen. Ein Grundstück, das seit Jahresbeginn die Gemeinde gepachtet hat und das seit Monaten von Kindern und Jugendlichen mit Hilfe der Gemeinde, vielen Eltern und dem Projekt wohlgesinnten Helfern umgepflügt wird, um daraus einmal einen Naturgarten zu machen, in dem Tiere und Pflanzen ganz unmittelbar kennengelernt, angefasst, bestaunt werden können.

Garten war eine Wildnis

Die Idee hatte Beate Spickenreuther schon länger. Sie ist neben ihrem Sohn Johannes und Martina Heimann eine der drei Kinder- und Jugendbeauftragten der Gemeinde. Als die drei dann die Grundzüge des Projektes ihrer Bürgermeisterin vorstellten, fragte Marianne Rauh sie dann tatsächlich dreimal: „Ihr seid sicher, dass ihr euch das antun wollt?“ Denn das Grundstück war komplett verwuchert mit angeflogenen Büschen und Bäumchen, man konnte nicht von einem Ende zum anderen gehen, ohne sich durch eine Wildnis einen Weg bahnen zu müssen. Und die frühere Kreisbäuerin Rauh konnte ziemlich gut abschätzen, wieviel Arbeit es bedeuten würde, den Garten aus seinem Dornröschenschlaf zu holen. Aber die beiden Spickenreuthers und Martina Heimann ließen sich nicht abschrecken und so pachtete die Gemeinde das Grundstück für das ehrgeizige Projekt. Und um einen ersten Einstieg zu ermöglichen, ließ die Gemeinde von einer Firma nach einem ersten Kahlschlag die Wurzelstöcke entfernen, denn das hätten die freiwilligen Helfer ohne entsprechende Maschinen nicht bewältigt. Ein Bauer ebnete die Fläche etwas ein und schon konnte die erste Aktion auf dem Gelände in Angriff genommen werden: Kartoffeln anbauen. Die Kinder und Jugendlichen haben die Kartoffeln gesetzt, sie monatelang betreut, Käfer von den Pflänzchen gesammelt, Unkraut zwischen den Reihen gezupft und am Ende mit eigenen Händen geerntet. Ganze 50 Kilogramm Kartoffeln! Die Asche des Kartoffelfeuers zeugt noch von dem schönen Nachmittag, als die Kartoffeln mit Eltern und Helfern gebraten worden waren.

Das Projekt erfährt von allen Seiten Unterstützung, nicht nur von den Müttern und Vätern der Kinder und Jugendlichen. Spickenreuther sagt: „Wennst die Leit anredst, san´s dabei.“ Der OWV-Zweigverein hat für den Garten ein Insektenhotel gestiftet, das die Kinder mit unterschiedlichem Nistmaterial befüllt haben. Ein Zimmerer aus dem Dorf wird im Winter mit Hilfe einiger Väter ein Häuschen bauen, das Material bezahlt die Gemeinde. Fundamente sind von einem früheren Gartenhäuschen noch vorhanden.

Kinder im Zaun verewigt

Ein absoluter Hingucker sind die ersten beiden Zaunfelder, für die die Kinder die Bretter eigenhändig bemalt haben. Da der Zaun noch lange nicht fertig ist, sind auch weiterhin Farbreste und Bretter, zum Beispiel aus dem Abbruch einer Scheune, hochwillkommen. Gut brauchen könnten die Macher hinter dem Garten-Projekt auch größere Gefässe, in denen sich Wasser sammeln ließe.

Die Kinder- und Jugendbeauftragten und die Kinder selbst haben noch ungezählte Ideen für ihren Garten. Geplant sind unter anderem eine Streuobstwiese, ein Weiden-Tippi, eine Wildblumenwiese, weitere Totholz- und Steinehaufen als Unterschlupf für allerlei Getier. Und irgendwann soll der Garten auch einen Namen bekommen.

Ein paar Meter Zaun stehen schon, die meisten davon von Kindern aus der Gemeinde bemalt. Im Bild die beiden Kinder- und Jugendbeauftragten Beate Spickenreuther (rechts) und Martina Heimann, die die Idee hatten, sich des Gartens anzunehmen.

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