15.02.2019 - 14:02 Uhr
LeuchtenbergOberpfalz

Mehrfach erste Frau

Die Stimme klingt kräftig und direkt, als ob es die schwere Krankheit nicht gäbe, von der sich Waltraud Benner-Post gerade in München bei ihrer Tochter erholt. Die frühere Leuchtenberger Bürgermeisterin feiert am Montag 70. Geburtstag.

Waltraud Benner-Post wird am Montag 70 Jahre alt.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Nach einer großen Feier ist ihr nach zahlreichen Bestrahlungen und Therapien nicht zumute, obwohl sie schon wieder nach vorn blickt. Mit ihrer Tochter Christina, einer Anwältin, die in einer internationalen Wirtschaftsprüfungskanzlei arbeitet, will sie Mitte März in die Karibik reisen. "Ich war doch zuvor nie im Leben krank", sagt die geborene Forster, als ob ein längerer Klinikaufenthalt eine Art Betriebsunfall sei.

Die Tochter eines Leuchtenberger Zimmerers und einer Hausfrau wollte es zeitlebens immer wissen. Zunächst lernte sie Bankangestellte, später Erzieherin. Dann kamen die Kinder Tobias (1974), Florian (1981, heute SPD-Bundestagsabgeordneter) und Christina (1981). Tobias leidet unter Autismus und ist heute in einer Einrichtung der Barmherzigen Brüder in Reichenbach in Oberfranken untergebracht. 1992 trennte sie sich von ihrem ersten Mann, einem Oberstudienrat.

Dazwischen liegt der Einstieg in die Politik. Willy Brandt begeisterte die junge Frau für die Sozialdemokratie. "Und dann hat mir Vieles in Leuchtenberg nicht gefallen." Also musste sie selbst etwas ändern. Sie gründete 1987 den SPD-Ortsverein mit und kandidierte 1990 für den Gemeinderat. "Damit war ich nicht nur die erste SPDlerin, sondern auf Anhieb die erste Frau überhaupt im Gremium." Zudem vertrat sie ihre Partei 1990 bis 1996 im Kreistag. Daran erinnert sich dreifache Mutter gern: "Ich habe mit allen Fraktionen und mit Landrat Anton Binner gut zusammengearbeitet. Von 12 oder 14 Anträgen habe ich 8 trotz CSU-Mehrheit durchgebracht."

Doch dann geriet sie mit SPD-Kreischef Fritz Möstl aneinander, der ihr 1996 nur einen hintern Listenplatz anbot. Aus diesem Ärger macht sie kein Hehl. Auch privat standen in jenen Jahren Veränderungen an. 1997 heiratete sie einen Parteifreund, den früheren Landtagsabgeordneten Otto Benner, der inzwischen verstorben ist. Zudem kandidierte sie 2002 als Bürgermeisterin von Leuchtenberg gegen drei Mitbewerber, darunter den mächtigen Amtsinhaber Hermann Lindner (CSU).

Daraus entwickelte sich ein Drama. Benner-Post unterlag Lindner mit nur einer Stimme in der Stichwahl. Die Nachzählung ergab, dass es nicht mit rechten Dingen zugegangen war. Die Wahl wurde unter großem Medieninteresse annulliert und ein halbes Jahr später wiederholt. Benner-Post gewann und war danach lange die einzige Bürgermeisterin im Landkreis. Bis 2014 blieb sie im Amt. Rückblickend ist sie vor allem stolz, die Pro-Kopf-Verschuldung von über 2000 Euro auf 59 Euro heruntergefahren zu haben. "Auch dank der Hilfe von Gustl Lang", räumt sie ein. Die renovierte Schule, der Kindergarten, die neue Kläranlage und einige neue Feuerwehrautos verbucht sie ebenfalls auf der Habenseite.

Erst Ende Februar kehrt die Jubilarin nach einem längeren Aufenthalt im Klinikum Bogenhausen wieder zurück in ihre Heimatgemeinde. "Ich freu mich drauf, aber nochmal: Mir ist nicht nach großer Feier."

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