28.03.2019 - 15:22 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Langer Weg zur Gleichberechtigung

Der Katholische Frauenbund Luhe feiert im Jahr 2019 sein 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass fand ein Vortrag über „100 Jahre Geschichte der Frauen“ im Pfarrheim statt, der auf große Resonanz stieß.

Die Referentin Historikerin Irmgard Herzog-Deutscher aus Schierling.
von Rita GleißnerProfil

Rita Gleißner begrüßte im Namen des Vorstandsteams über 50 Frauen und Pfarrer Arnold Pirner. Sie freute sich, dass auch Frauen von den Zweigvereinen Oberwildenau, Rothenstadt und Weiden St. Johannes nach Luhe gekommen waren. Ihr besonderer Gruß galt der stellvertreten-den Bezirksvorsitzenden Marta Urban und der Referentin, Historikerin Irmgard Herzog-Deutscher aus Schierling. Gleißner erinnerte an die Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1919, in dem auch der KDFB-Zweigverein Luhe gegründet wurde. Dass beim Thema „Gleichberechtigung“ trotz großer Fortschritte noch längst nicht alles „in Butter“ ist, so Gleißner, beweise jedoch die Notwendigkeit eines „Equal-Pay-Days“. Außerdem sei die Zahl der Frauen in der Politik sogar rückläufig und die meisten Führungspositionen in der Wirtschaft seien nach wie vor von Männern besetzt. Auch in der Kirche gebe es immer noch kaum Frauen in führenden Positionen. Es gebe also noch viel zu tun.

Irmgard Herzog-Deutscher berichtete in ihrem fesselnden Vortrag über die Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts und den gesellschaftlichen Umbruch nach dem Ersten Weltkrieg, der schließlich dazu führte, dass das lange erkämpfte Wahlrecht für Frauen 1919 in Deutschland eingeführt wurde.

Das 20. Jahrhundert habe das Leben der Frauen in allen Bereichen so nachhaltig und schnell verändert wie kaum eine andere Epoche. Das aufblühende Vereinsleben in den Jahren zwischen 1830 und 1840 ermöglichte ein immer stärkeres gesellschaftliches Engagement der Frauen. Obwohl die politische Betätigung von Frauen verboten wurde, entstanden zahlreiche Frauenvereine, die neben sozialen Zielen und dem Recht auf Bildung vermehrt auch den Anspruch auf politische Teilhabe und rechtliche Gleichstellung verfolgten. Erst ab 1908 konnten Frauen Mitglied in politischen Parteien werden.

Bei der ersten Wahl zur Deutschen Nationalversammlung 1919 hatten Frauen erstmals das aktive und passive Wahlrecht. Der Frauenanteil der Abgeordneten lag damals bei 9,7 Prozent – ein Wert, den der Deutsche Bundestag erst 1983 wieder erreichen sollte. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 bedeutete für die erste Frauenbewegung in Deutschland das Ende.

Ein Meilenstein für die Frauen, so die Referentin, sei die Leistung der „vier Mütter des Grundgesetzes“, allen voran Elisabeth Selbert, gewesen, denen es gelungen war, die volle Gleichberechtigung der Frauen auf allen Gebieten verfassungsrechtlich festzuschreiben.Herzog-Deutscher stellte die wichtigsten Persönlichkeiten der Frauenbewegung exemplarisch vor, die mutig und couragiert für die Rechte der Frauen gekämpft hatten.

Zum Abschluss zitierte die Referentin Rita Süßmuth, die ehemalige Präsidentin des Deutschen Bundestages. Sie hatte in der Feierstunde „100 Jahre Frauenwahlrecht“ festgestellt: „Wir sind zwar in der Gegenwart angekommen, aber noch nicht in einer zufriedenstellenden Gegenwart.“

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