Luhe/Luhe-Wildenau
28.09.2018 - 17:46 Uhr

Sagenumwobener Koppelberg

Der Koppelberg über Luhe ist nicht nur eine Naturidylle. Es ranken sich viele Geschichten um den Ort, nicht nur über den Einsiedler Arsenius Graf und die Nikolauskirche.

Die uralte Linde bei der Nikolauskirche ist ein Wunderwerk der Natur. Bild: sef
Die uralte Linde bei der Nikolauskirche ist ein Wunderwerk der Natur.

1935 begab sich ein Reporter des „Oberpfälzischen Kuriers“ nach Luhe, um auf den 450 Meter hohen Koppelberg zu steigen und über den legendären Einsiedler Arsenius Graf zu berichten: „Die Haustüre der Klause steht offen. Im einzigen Raum befinden sich nur Ofen, Tisch und Bett. Eine knorrige Gestalt in brauner Kutte steht vor mir. Das Gesicht des 81-Jährigen ist vom Alter tief zerfurcht und von einem weißen Bart eingerahmt.“ Bald nach der überraschenden Visite schied Arsenius Graf am 5. April 1935 aus dem Leben. Sein Grab wird bis heute gepflegt. Sogar eine Straße ist nach ihm benannt. Allerdings wurde die baufällige Klause nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. Erhalten blieb durch die Initiative des OWV Luhe die Hauskapelle nahe der Nikolauskirche.

Ablass von 1376

Ein Heiligtum auf dem Koppelberg gibt es mindestens seit 1376. In diesem Jahr gewährte nämlich der Prager Erzbischof Johannes der Kapelle Sankt Mariä und Sankt Nicolai auf dem Berg bei der Stadt Luhe einen Ablass für bußfertige Pilger. Offensichtlich galt damals der Andachtsort an einer Altstraße als bedeutende Wallfahrtsstätte.

Kirchenpatron St. Nikolaus

Ins 14. Jahrhundert reichen auch Überlieferungen zurück, nach denen ein böhmischer Kaufmann auf dem Koppelberg eine Kapelle erstellen ließ. St. Nikolaus ist unter anderem der Patron der Handelsleute. Im Morgenland war der Bischof von Myra der beliebteste Heilige, wurde bei uns aber erst im Hochmittelalter zum großen Volks- und vor allem Kinderpatron. Daneben erflehten Pilger, Fischer, Wirte, Notare, Lehrer, Schüler, Gefangene, Schiffsleute, Bäcker, Apotheker und viele andere Berufsgruppen seinen Beistand. Diese Entwicklung förderten Legenden, von denen vier auf dem Hochaltarbild in Szene gesetzt wurden: Hinter dem Bischof schwebt ein Engel, der drei goldene Kugeln hält. Sie schenkte Nikolaus armen Mädchen als Aussteuer. Ein reichlich makabres Vorkommnis erzählt die Szene links unten: Drei Studenten wurden von einem habgierigen Wirt ermordet und in Fässern verstaut. Nikolaus erweckte sie mit Gottes Hilfe wieder zum Leben. Eine Frau hält ihr Kind auf dem Schoß. Es war entführt worden und konnte nach Anrufung des Heiligen heimkehren. Schließlich werden wir an das Getreidewunder im Hafen von Myra erinnert.

Wallfahrten

Es ist davon auszugehen, dass die Nikolauskirche weiterhin Ziel von Wallfahrern aus nah und fern blieb. Nach dem 30-jährigen Krieg wurde sie für den Andrang der Gläubigen zu klein. Deshalb entschloss man sich zum Einbau einer Doppelempore. Die Innenausstattung mit drei Rokoko-Altären ging 100 Jahre später über die Bühne. Dem Zeitgeschmack entsprechend setzte man dem Turm eine „Zwiebel“ auf. Zuletzt ließ Pfarrer Josef Schön von 2004 bis 2008 eine Außen- und Innenrenovierung durchführen.

Feste

In Bayern gehören Kirche und Wirtshaus zusammen. Letzteres fehlt zwar, doch lädt der von 300-jährigen Linden umsäumte Platz um die Nikolauskirche zum Rasten ein und eignet sich optimal für Festivitäten und Hochzeiten. Da kann es nicht verwundern, dass bereits im Sommer 1921 der Gesangverein Lyra ein Waldfest veranstaltete. Diese Idee griff 1928 Oberlehrer Johann Huber, Gründer des OWV Luhe, auf. Mitten in der Natur genießen seither die Gäste jeweils am zweiten Wochenende im Juli die einzigartige Atmosphäre auf dem Koppelberg.

Wanderwege

Vor 20 Jahren wurde die Volksschule Luhe-Wildenau vom Oberpfälzer Waldverein eingeladen, in einem gemeinsamen Projekt Rundwanderwege am Koppelberg zu markieren. Ziel war es, den wachsenden Besucherverkehr in geordnete Bahnen zu lenken, die Lebensräume von Flora und Fauna zu schonen und attraktive Angebote zur Freizeitgestaltung in unverwechselbarer Umgebung zu eröffnen. Mittlerweile laden sechs Rundwanderwege von zwei bis zehn Kilometern Länge zum Ausprobieren - auch für Familien mit Kindern - ein. Start und Ziel befinden sich an der Nikolauskirche. Eine übersichtliche Wandertafel bei der OWV-Hütte erklärt Wegstrecke, Schwierigkeitsgrad und Kennzeichnung. An klaren Tagen bietet sich unterwegs ein Ausblick auf den Feistel- und Buchberg, Parkstein, Rauen Kulm und das Fichtelgebirge.

Blick durch das Absperrgitter in die Nikolauskirche. Bild: sef
Blick durch das Absperrgitter in die Nikolauskirche.
Letzter Einsiedler und ehemalige Eremitenklause: Jorg-Georg Gruber, Zahnarzt, Maler und Bildhauer, schuf dieses Bild 1982 und hängte des an einen Baum bei der verbliebenen Hauskapelle. Bild: sef
Letzter Einsiedler und ehemalige Eremitenklause: Jorg-Georg Gruber, Zahnarzt, Maler und Bildhauer, schuf dieses Bild 1982 und hängte des an einen Baum bei der verbliebenen Hauskapelle.
 
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