15.04.2020 - 13:40 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Trauer um Wendelin Sperl

Seine Arbeiten hatten sehr oft einen Bezug zur Ewigkeit im christlichen Sinn. Vor wenigen Tagen ist der bekannte Holzbildhauer Wendelin Sperl im Alter von 85 Jahren gestorben.

Wendelin Sperl.
von Redaktion ONETZProfil

Mit seinen Werken in allein 23 Oberpfälzer Kirchen hat sich Sperl, der zuletzt in Hirschau wohnte, sich schon zu Lebzeiten einen Namen gemacht. Fast 25 Jahre hat er in Luhe in einem unscheinbaren, kleinen Häuschen gelebt und gewirkt. Sehr oft stand das Auto auf der Straße, weil die Garage aus Platzgründen als Werkstatt herhalten musste. Eine der letzten großen Arbeiten war eine mannshohe Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die in der zweckentfremdeten Unterkunft entstand.

Täglich schauten Luher vorbei, dem bodenständigen Künstler über die Schulter, spitzten von der Straße aus in die Garage, wenn die Holzspäne unter den Händen des kräftigen Mannes nur so zu Boden fielen, und das scharfe Werkzeug nach und nach wieder ein Detail aus dem Holzklotz herausschälte. Gelernt hat der gebürtige Sudetendeutsche sein Handwerk von der Pike auf in Oberammergau, der Heimat der Holzschnitzer.

Seine Arbeiten stehen in zahlreichen Gotteshäusern in der Oberpfalz. Angefangen von Einzelfiguren bis hin zu Gruppendarstellungen. In Luhe hat er für die Koppelbergkirche zwei Engel gefertigt. Im Pfarrbüro ist ein großes Kreuz mit einem armlosen Jesus. Das hat er restauriert. Auch das Primizkreuz des gebürtigen Luhers und jetzigen Michldorfer Pfarrers Alfons Forster stammt von ihm.

Eine Leidenschaft von Sperl war das Schnitzen von Miniaturen, besonders von Krippen. So kam der große Mann mit der kleinsten Krippe der Welt, sie ist in einem Traubenkern (!) dargestellt, auch in das Guinessbuch der Rekorde. Für die feinen Arbeiten brauchte er nicht nur eine ruhige Hand, sondern auch eine Spezialbrille und eigenes Werkzeug.

Für die Regensburger Altötting-Pilger hat Sperl 2006 das päpstliche Wappen geschnitzt. Es wurde mit Gold, Weißgold und leuchtendem Rot gefasst. Es diente als Pilgerabzeichen. Für die Helfer wurde es in Wachs nachgefertigt, für die Wallfahrer in Metall. Pilgerführer Bernhard Meiler hat zusammen mit Pilgerpfarrer Hannes Lorenz die in Luhe geschnitzte Originalvorlage in einer Schatulle in Rom Papst Benedikt überreicht. Aber auch in Amerika ist Sperl vertreten. In einem Privatauftrag hat er drei Engel für eine Familienkapelle im US-Bundesstaat Maryland angefertigt, sie mit 24-karätigem Blattgold versehen und auf die Reise geschickt. In Luhe hat er für das Familiengrab den auferstandenen Christus geschaffen, den ein Marmor-Grabstein beherbergt.

Ein Werk von Wendelin Sperl.
Wendelin Sperl bei der Arbeit.

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