26.07.2020 - 15:03 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

„Weck die Ellen Ammann in dir!“

Mit einem Gottesdienst und einem Sektempfang am Kirchplatz feiern die Luherinnen den 150. Geburtstag von Ellen Ammann. Sie ist Gründerin des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB).

Der Führungskreis erinnert im Gottesdienst an die Gründerin des Katholischen Frauenbunds.
von Rita GleißnerProfil

Rita Gleißner begrüßte im Namen des Vorstandsteams alle Mitfeiernden und stellte das Motto des Gottesdiensts „Weck die Ellen Ammann in dir!“ vor. Ellen Ammann solle ein Vorbild im persönlichen Leben und für das Engagement im Frauenbund sein. Pfarrer Arnold Pirner stellte diese beeindruckende Frau in der Mittelpunkt der Predigt.

Protestantisch getauft, katholisch erzogen

Ammann wurde am 1. Juli 1870 in Stockholm geboren, protestantisch getauft, aber von ihrer Mutter katholisch erzogen. Sie machte das Abitur, denn Bildung war für sie sehr wichtig, ebenso wie Religion und Politik. Eigentlich wäre Ellen Ammann gern in ein Kloster eingetreten, doch beugte sie sich dem Wunsch ihres Vaters und studierte „Heilgymnastik“. 1890 heiratete sie mit 20 Jahren den deutschen Orthopäden Ottmann Ammann und zog mit ihm nach München. Sie schenkte fünf Söhnen und einer Tochter das Leben, führte den Haushalt, verwaltete die Praxis und die Kliniken ihres Ehemanns und engagierte sich sozial. Durch ihre Arbeit kam Ellen Ammann mit Not und Bedürftigkeit in Kontakt. Das Leben in Bayern veränderte sich zu dieser Zeit stark durch die Entwicklung von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Gerade Frauen litten unter Armut und Unsicherheit.

Katholischer Frauenbund für Seligsprechung Ellen Ammanns

Deutschland & Welt

So wirkte Ammann im „Mädchenschutzverein“ mit und wurde Beisitzerin im Vorstand. Dieser Verein existiert bis heute unter dem Namen „IN VIA München e.V. Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit“. 1897 richtete sie einen „Empfangsdienst“ für Frauen am Münchner Hauptbahnhof ein – die Geburtsstunde der ersten katholischen Bahnhofsmission. Ab 1850 formierten sich die ersten Frauenvereine in Deutschland. Auch Katholikinnen wolten sich in der Frauenbewegung einbringen und so kam es zur Gründung des KDFB. Ammann rief 1904 den Münchner Zweigverein und 1911 den Landesverband Bayern des Frauenbunds ins Leben. Ziele waren unter anderem die Mädchenbildung und die rechtliche Gleichstellung der Frau. Fortan kümmerte sich Ammann um die sozial-caritative Bildung der Frauen und gründete 1916 die „Frauenschule“, die heute „Ellen-Ammann-Schule heißt und in die Katholische Stiftungsfachhochschule München integriert ist. Zum 150. Geburtstag der Gründerin wird 2020 dort ein neuer Bau, das Ellen-Ammann-Seminarhaus eröffnet.

Sehr religiöse Frau

Ammann sei auch eine sehr religiöse Frau gewesen, sagte Pfarrer Pirner. Deshalb trat sie in den „Dritten Orden“ ein und wünschte sich mit anderen Frauen ihrer Gemeinschaft, zur Diakonin geweiht zu werden. 1919 erhielten Frauen in Bayern das Wahlrecht. Bei den Landtagswahlen im gleichen Jahr wurde Ammann als eine von acht Frauen in das Parlament gewählt, wo sie sich 14 Jahre lang besonders für die Belange der Frauen engagierte und sich den Respekt ihrer männlichen Kollegen erwarb. Sie hatte auch großen Anteil an der Niederschlagung des Hitler-Putschs im November 1923 und kämpfte couragiert gegen die Nazis. Am 23. November 1932 starb Ammann in München. Ihre Anliegen seien auch heute noch sehr aktuell, und deshalb lohne es sich, auf das Leben dieser beeindruckenden Frau zu schauen und sich im Frauenbund an ihr zu orientieren.

Mitglieder des Führungskreises beteten in den Fürbitten in den aktuellen Anliegen der Zeit. Gleißner umrahmte den Gottesdienst mit Gitarre und Gesang, Hans Spindler spielte an der Orgel. Nach dem Segen lud Gleißner zum Ellen-Ammann-Geburtstagsumtrunk am Kirchplatz ein.

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