13.02.2019 - 14:10 Uhr
Luhe-WildenauOberpfalz

Ware unter falschem Namen bestellt? Schirmitzer stellt Anzeige bei der Polizei

Sebastian Meier will sensibilisieren, vorsichtig mit Daten umzugehen. Nicht ohne Grund: Er hat bei der Polizei Anzeige erstattet, weil ihm zufolge jemand anderes auf seinen Namen Waren bestellt hat. Dafür zahlen soll er.

Der Schirmitzer Sebastian Meier bekam eine Zahlungsaufforderung über mehr als 700 Euro von einem Inkasso-Unternehmen, das von der Otto GmbH & Co KG beauftragt wurde. Meier sagt: "Ich habe dort meines Wissens keine Ware bestellt."
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Zum Jahreswechsel trudelte bei Meiers Eltern in Luhe-Wildenau eine zweite Zahlungsaufforderung der EOS Deutscher Inkasso-Dienst GmbH ein. Darin wurde er aufgefordert, eine offene Rechnung der Otto GmbH und Co. KG in Höhe von 708,45 Euro (inklusive Mahngebühren) zu begleichen. Der Inkasso-Dienst bot ihm eine Ratenzahlung an. „Ich habe dort meines Wissens keine Ware bestellt“, sagt Meier. „Ich habe überhaupt noch nie bei Otto bestellt.“ Deshalb kommt er zu dem Schluss: „Es ist auf jeden Fall ein Betrugsfall.“

Eine erste Zahlungsaufforderung liege weder ihm, noch seinen Eltern vor. Auch wisse er nicht, was überhaupt bestellt und wohin es geliefert worden sei. „Ich höre öfter aus dem Bekanntenkreis, dass Mahnungen eintrudeln, obwohl überhaupt nichts bestellt wurde.“ Zuerst dachte er, das Schreiben der Inkasso-Firma sei gefälscht, „aber diese Firma ist existent und telefonisch erreichbar“.

Warten auf Lieferdaten

Meier stellte eine Anzeige bei der Polizei Weiden und forderte nach eigener Aussage beim Inkasso-Dienst einen Mahnstopp sowie die Unterlagen zu seiner angeblichen Bestellung ein. „Man sagte mir, es solle sich um einen reinen Warenwert von rund 500 Euro handeln.“ Der Rest der Forderung setze sich aus Mahngebühren zusammen. „Bisher habe ich nichts Weiteres gehört. Ich warte nun auf die Rechnung und die Lieferdaten.“

Thomas Fritsch, Sprecher der Polizei Weiden, bestätigt den Eingang der Anzeige und „den groben Sachverhalt“. Mehr könne er aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht sagen.

Sebastian Meiers Verdacht: Die Daten (Adresse und Telefonnummer) seiner Eltern wurden gestohlen. „Ich wohne seit vier Jahren nicht mehr bei meinen Eltern in Luhe-Wildenau, sondern in Schirmitz. Und die Festnetz-Telefonnummer, die benutzt wurde, hat normal keiner. Die steht auch nicht im Telefonbuch.“ Er glaubt, jemand habe Ware bestellt, eine erste Zahlungsaufforderung bekommen und dann die Daten auf seinen Namen und die Adresse seiner Eltern geändert. Die polizeilichen Ermittlungen dürften Klarheit bringen.

Thomas Fritsch weist darauf hin, dass der Fall nicht mehr von der Weidener Polizei bearbeitet wird, sondern von einer Dienststelle „außerhalb Bayerns“. Die Frage, ob dies an der Lieferadresse der Ware liege, beantwortet er mit „Ja“.

Mahnstopp verhängt

Der Inkasso-Dienst kam Meiers Forderung nach einem Mahnstopp seiner Aussage zufolge nach. Vom Unternehmen selbst gibt es mit Verweis auf den Datenschutz keine Angaben. Meier rechnet damit, dass der Mahnstopp beibehalten wird, bis die Rechnungs- und die Lieferdokumente vorliegen.

Der Schirmitzer mahnt, vorsichtig mit Daten umzugehen. Thomas Fritsch bestätigt, dass es „hin und wieder“ vorkomme, „dass personenbezogene Daten missbraucht werden, um auf den Namen einer realexistierenden Person Waren zu bestellen und woanders hinliefern zu lassen“.

Info:

Identitätsdiebstahl: Tipps von der Polizei

Bei Identitätsdiebstahl, wie er möglicherweise im geschilderten Fall vorliegt, spähen Betrüger personenbezogene Daten aus, um diese missbräuchlich zu verwenden. Dies könne unter anderem durch den Besuch infizierter Websites, E-Mails zum Abgleich von Bankdaten oder über aus den sozialen Netzwerken gelangte Informationen geschehen, informiert Thomas Fritsch. Ziel sei es, sich finanziell zu bereichern oder den rechtmäßigen Inhaber der Daten in Misskredit zu bringen.

Folgende Tipps gibt die Polizei:

Zugangsdaten geheim halten.

Bei der Anmeldung für einen Online-Dienst auf die Datenschutzerklärung und die AGB achten.

Sparsam mit Daten umgehen: Nur so viel preisgeben, wie unbedingt notwendig.

Passwörter nur einmal verwenden und nicht auf dem Computer speichern oder per Mail weiterleiten.

Internetadresse der Bank nur händisch in den Browser eingeben und nicht aus dem Verlauf oder übermittelten Links.

Auf eine verschlüsselte Verbindung achten („https://“ und Schloss-Symbol in der Adresszeile des Browsers).

Bei der Übermittlung von Daten oder bei Bankgeschäften kein fremdes W-Lan oder öffentliche Hotspots nutzen.

E-Mails, in denen nach Daten gefragt wird, nicht beantworten. Banken bitten niemals per E-Mail um die Zugangsdaten.

Im Verdachtsfall den Bank-Zugang sperren lassen beziehungsweise sofort das Passwort ändern und den Anbieter um eine Kontosperrung bitten.

Sicherheits-Tipps der Polizei

Tipps des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik

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